Die Nahwärme im Schlossfeld hat ein Imageproblem, stellte Stadtrat Markus Stahl (UWG) fest. Mit der Transformationsplanung, die auf einen verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien zielt, soll sich das nun ändern. Der Gemeinderat stimmte dieser bei einer Enthaltung zu und entschied sich dabei für die „große“ Lösung, die eine Erweiterung des Netzes vorsieht.
Bönnigheim Wärme aus dem Abwasser
Das Nahwärmenetz im Schlossfeld soll grüner werden. Auch eine Erweiterung bis zur Schule und dem Rathaus ist geplant.
Das Büro GEF Ingenieure AG aus Leimen beschäftigte sich eineinhalb Jahre detailliert mit dem Bestand, den Einsatzmöglichkeiten neuer Energiequellen und der möglichen Ausweitung des Nahwärmenetzes im Baugebiet Schlossfeld. Dafür erhielt die Stadt die Hälfte der Kosten vom Bund erstattet.
Erweiterung bis zum Rathaus
Bei der Auswertung der Netz- und Verbrauchsdaten wurde festgestellt, dass die Netzverluste im Rahmen vergleichbarer Netze mit ähnlicher Liniendichte liegen. In der durchgeführten Wärmepotenzialanalyse wurden denkbare neue Wärmequellen auf Verfügbarkeit, Geeignetheit und Wirtschaftlichkeit geprüft. „Dabei konnte nachgewiesen werden, dass die Wärmeversorgung in einem größeren Umfang regenerativ aus der Abwasserabwärme der nahe liegenden Kläranlage gewonnen werden könnte und dies aufgrund der tatsächlichen Verfügbarkeit auch in wirtschaftlicher Hinsicht die zu präferierende Variante für die Grundlast wäre“, so Kämmerer German Thüry in seiner Vorlage für den Gemeinderat.
Weiter wurde untersucht, ob eine Erweiterung des Netzes entlang der Kirchheimer Straße von der Kläranlage über die Villa Kunterbunt, die Schule bis hin zum Rathaus als zweite Variante wirtschaftlich ist. Dies wurde bei einem Vergleich, den Marc Rein von den GEF Ingenieuren vorstellte, bestätigt.
Würde nur das Bestandsnetz im Schlossfeld I und II, die künftigen Erweiterungsflächen Schlossfeld III sowie das Feuerwehrgebäude und der Bauhof in den Ausbau miteinbezogen, läge der Gestehungspreis, also der Herstellungspreis unter Betrachtung aller angefallenen Kosten ohne Steuern und Abgaben, sechs Prozent höher als bei einem größeren Netz. Dieses könnte nach derzeitigem Stand der Rechtslage aber auch höher gefördert werden und könnte im Übrigen durch zusätzliche private Anschlüsse noch günstiger werden.
Für beide Varianten sieht das Erzeugerkonzept in einer ersten Ausbaustufe die Installation einer Abwasserwärmepumpe an der Kläranlage bis 2030 vor. In der zweiten Ausbaustufe folgt eine weitere Wärmepumpe bis 2040. Ein weiteres Element der erneuerbaren Wärmeerzeugung bleibt die Verbrennung von fester Biomasse. Dafür können die Bestandsanlagen (Pelletlager) weiter genutzt werden. Sobald der derzeitige Pelletkessel erneuert werden muss, sollte die Wärmeleistung der neuen Anlage etwas erhöht werden.
Weitere Kessel ab 2040
Zur Erreichung von 100 Prozent erneuerbarer Wärme werden ab 2040 für den Spitzenbedarf weitere Kessel installiert. Die Sorge von Bewohnern im Schlossfeld äußerte zuvor in der Bürgerfragestunde ein Betroffener: Wer übernimmt die Kosten des Ausbaus? Wäre es denkbar, das Schlossfeld getrennt zu rechnen? Eher nicht, so die Verwaltung. Denn die erhofften Zuschüsse sind ja ans Gesamtprojekt gebunden. „Und Sie nutzen ja dann die Abwärme aus der Kläranlage, die nicht nur von Ihnen erzeugt wird“, ergänzte Bürgermeister Albrecht Dautel. „Man muss das auch gesamtheitlich betrachten.“
Nach der Planung beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien 66 Prozent in 2030, 72 Prozent in 2035 und 100 Prozent in 2040. Dennoch nicht ganz zufrieden damit war Stadtrat Tilo Rommler (FWV/CDU). „Das Konzept ist gut, muss aber noch richtig beworben werden.“ Er drängte wieder auf eine Ringschlusslösung bis zum Freibad um auch deren dortige Wärmepumpe einzubinden. „Der weitere Ausbau kommt nach und nach‘“, versicherte German Thüry.
Nach Beschluss der Transformationsplanung kann nun der Abschlussbericht bis Mitte März 2026 erstellt und bis Ende März beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausbaukontrolle eingereicht und ein weiterer Planungszuschuss von 50 Prozent beantragt werden.
