Bönnigheim Werben um Erzieherinnen

Von Jörg Palitzsch
In Kindertagesstätten werden dringend Fachkräfte gesucht. Die Kommunen lassen sich einiges einfallen, um dem Mangel zu begegnen. Unisono ausgeschlossen werden Prämienzahlungen, die über den Tarif hinausgehen.⇥ Foto: Uwe Anspach

In Baden-Württemberg fehlen 33000 pädagogische Fachkräfte in den Kindergärten. Die Kommunen gehen das Problem ganz unterschiedlich an – von Bewerber- und Infotagen bis zur eigenen Ausbildung.

In Baden-Württemberg fehlen 33 000 pädagogische Fachkräfte in den Kindergärten. Die Kommunen gehen das Problem ganz unterschiedlich an – von Bewerber- und Infotagen bis zur eigenen Ausbildung.

Laut des „Fachkräfte-Radars für KiTa und Grundschule“ der Bertelsmann-Stiftung werden in Baden-Württemberg bis 2030 rund 36 000 Menschen in den Kita-Beruf eintreten. Das wird bei weitem nicht ausreichen. Um in allen Kitas die nötige Personalausstattung zu sichern, würden mehr als 33 000 weitere Erzieherinnen und Erzieher benötigt. Diese Lücke sei bis 2030 weder durch die Aufstockung der Ausbildungskapazitäten zu schließen, noch könne man bis dahin genügend Quereinsteiger gewinnen und pädagogisch qualifizieren, warnt die Studie. Wie Kommunen diesem Personalproblem entgegnen, zeigt eine BZ-Umfrage.

In der Stadt Besigheim gab es im vergangenen Jahr 15 Bewerbungen von Erzieherinnen. „Dies ist wenig für den Bedarf den wir brauchen“, räumt Shpresa Mazrekaj ein, im Rathaus Fachgruppenleiterin für das Personal. Geworben wird auf dem Onlineportal der Stadt. Man biete zwar alles, was der Tarif hergebe, trotzdem gibt es kaum Bewerbungen. Deshalb stelle man sich die Frage, was man tun könne, um innovativer zu werden und sich von anderen Kommunen abzuheben. Darüber würden Gespräche geführt. Ein Beispiel, so Mazrekaj, könnte ein „Tag für Ideen“ sein, um Erzieherinnen mehr Zeit zu bieten. Problematisch sei eine Zuzahlung zum Tarif für Neueinsteiger. Wenn nur diese profitieren, sei dies innerhalb der bestehenden Erzieherinnen-Teams problematisch.

Bönnigheim geht das Werben um pädagogische Fachkräfte höchst professionell an. So gab es schon im Herbst 2021 vier Bewerber- und Infotage, wo sich Interessenten die Einrichtungen der Stadt anschauen und sich dann entscheiden konnten. Das Ergebnis: ein Erzieher und eine Absolventin für ein freiwilliges soziales Jahr, so Simone Wagner, Leiterin der städtischen Kindertageseinrichtungen. Im Februar konnten bei einem Bewerbertag erneut zwei Fachkräfte gewonnen werden. Am 2. April findet von 10 bis 12 Uhr ein weiterer Bewerbertag in der Kindertagesstätte Schlossfeld statt. Für Wagner eine erfolgreiche Recruitingmaßnahme. Hinzu kommen im Internet Infos mit Imagefilme über die sechs Kindertageseinrichtungen. (bewerbung-kita-boennigheim.de).

In Bietigheim-Bissingen geht man den „Weg der Ausbildung“, so Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadtverwaltung. So wurden Erzieherinnen in den letzten Jahren überdurchschnittlich ausgebildet. Pro Jahr 20 bis 25, die man auch habe übernehmen können. Derzeit sei man relativ gut versorgt, habe jedoch rund zehn freie Stellen. „Dies ist bei 300 Erzieherinnen aber erträglich“, so Hochmuth. Gleichwohl müsse man die Werbung weiter betreiben, weil die Kinderbetreuung immer weiter ausgebaut wird. Neben den üblichen Stellenangeboten nutzt die Stadt soziale Medien und die Fachhochschule für Werbung. Und auch bei der jüngsten Plakataktion „Stadtmacher“ sei der Beruf Erzieherinnen aufgeführt. Bezahlt werde in Bietigheim-Bissingen nach Tarif. Sonderprämien seien tabu, weil man sich das Fachpersonal nicht gegenseitig abspenstig machen wolle. Die Suche nach qualifizierten Erzieherinnen, die auch zu 100 Prozent angestellt werden können, werde immer schwieriger, sagt Stefanie Fischer, die in Ingersheim den Fachbereich Bildung und Betreuung leitet. Momentan laufe es jedoch ganz gut, weil man entsprechende Stellen permanent ausschreiben würde und dauerhaft auf einem Stellenportal präsent sei. Wenn sich jemand bewerbe, würde seitens der Verwaltung sehr schnell reagiert und zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. So habe man schon einige Einstellungen abschließen können. „Aber nur, weil wir extrem dahinter her sind“, so Fischer, die allerdings eine Einschränkung macht. So bezahle man auch in Ingersheim nach Tarif, eine als „Fangprämie“ verschriene Zuzahlung, wie etwa in Stuttgart oder Herrenberg, würde es nicht geben.

In Ludwigsburg gibt es für die Gewinnung von pädagogischen Fachkräften ein 11-Punkte-Programm. Das reicht von diversen Werbekampagnen über ein regelmäßiges Mitarbeitercoaching, Hilfe bei der Wohnungssuche bis zu einer deutlichen Aufstockung der praxisintegrierten Ausbildung, die helfen soll, den Pool an Fachkräften zu vergrößern. Bei der Einführung des Programms wurden jährliche Kosten in Höhe von 750 000 Euro genannt.

 
 
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