Bönnigheimer Apothekenmuseum Ein Kleinod ist 20 Jahre alt

Von knz
Das prächtige Apothekenschild hat der inzwischen verstorbene Hermann Bader, ehemaliger Hohensteiner Feuerwehrkommandant und Schlosser, gefertigt. Foto: /Oliver Bürkle

Die Arzney-Küche im ehemaligen Apotheker-Laboratorium hat als einziges Museum den Alkohol in der Pharmazie zum Thema.

Die Arzney-Küche ist eher versteckt in einem Hinterhof am Bönnigheimer Kirchplatz und es ist das zweitkleinste Museum in der Stadt, aber es hat ein Alleinstellungsmerkmal, das bundesweit seines Gleichen sucht: Im ehemaligen Apotheker-Laboratorium ist es das einzige Apotheken-Museum, dass den Alkohol in der Pharmazie zum Thema hat.

Viel hätte um das Jahr 1987 nicht gefehlt und das Laboratorium, das 1831 vom Bönnigheimer Apotheker Georg Adam Michael Völter gebaut wurde, wäre für immer verloren gewesen. Fast wie im Märchen stand das Apothekenlabor viele Jahrzehnte lang im Hof hinter dem Gebäude Kirchstraße 22 als unbeachteter Schuppen, der kurz vor dem Zusammenfallen war, in einem verwilderten Garten. Es sollte eigentlich für den Wirtshausgarten abgerissen werden.

„Als Bönnigheimer kam ich dort eigentlich nicht hin, aber wir schauen uns immer alte Gebäude an, bevor sie abgerissen werden“, sagt Kurt Sartorius als Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Bönnigheim. Bei der Untersuchung stellten die ehrenamtlichen Geschichtskenner fest, das der Schuppen einen massiven Sandsteinsockel mit einem Kreuzgewölbe hatte. Auf dem Scheitelpunkt des Gewölbes saß ein Kamin, Reste von Malereien waren zu erkennen. „Das war rätselhaft – handelt es sich um einen Rauchersalon der Familie Amann, die in dem dazu gehörigen Gebäude wohnte?“, erinnert sich Sartorius in der informativen Broschüre zur heutigen Bönnigheimer Arzney-Küche.

Es muss sich eigentlich um ein Apotheker-Laboratorium handeln, vermutet zu diesem Zeitpunkt Sartorius. Der damalige Leiter des Deutschen Apotheken-Museums in Heidelberg, Professor Wolf-Dieter Müller-Jahncke, bestätigte die Vermutung, und er gab die Einschätzung, dass es das einzige Apothekerlabor in dieser Art in ganz Baden-Württemberg sei. Bereits in den von der Historischen Gesellschaft herausgegebenen „Ganerbenblätter 1988“ wurde die Überlegungen, dort ein kleines pharmazie-historischen Museum einzurichten, formuliert – und seither Exponate gezielt zum Thema „Alkohol in der Medizin“, als Ergänzung zum geplanten Schnapsmuseum, zu sammeln. Intensives Aktenstudium bestätigte, das Apotheker Völter 1831 dieses Laboratorium eingerichtet hatte, um mit eigenen, in größerem Umfang zusammengestellten Tinkturen und Essenzen, gegen die sich ausbreitende industriellen Fertigung von Arzneimittel bestehen zu können.

„Es war ein Glück, dass ich einige Pharmazie-Historiker gekannt haben“, sagt Sartorius, denn zusammen mit diesen konnte ein Konzept für die Bönnigheimer Arzney-Küche entwickelt werden. Unterstützt wurden die Ehrenamtlichen der Historischen Gesellschaft dabei auch vom Deutschen Apotheken-Museum. Sartorius: „Das Reizvolle war, ein Museum zu einem Spezialthema zu entwickeln.“

Am 1. November wurde die Arzney-Küche in Bönnigheim nun 20 Jahre alt. „Es ist ein kleines Museum, aber es kommt bei den Leuten an“, sagt der ehrenamtliche Museumschef Sartorius. Es wird auch bei den Stadtführungen einbezogen. So informieren sich zwischen 1000 und 2000 Besucher jährlich über den „Alkohol in der Medizin“.

Zur Arzney-Küche

Kleiner Rundgang durch die Arzney-Küche
Erdgeschoss
 Auffällig ist das große schmiedeeiserne Apothekenschild, das der Hohensteiner Schlosser Hermann Bader nach dem Original im Deutschen Apotheken-Museum gefertigt hat. Erst 2000 konnte der Brunnen mit einem Durchmesser von einem Meter und einer Tiefe von 9,5 Meter ausgegraben werden. Der angenehme Geruch in der Arzney-Küche stammt von vielen Kräutern, die von den Apothekern verwendet wurden. Das bemerkenswerte Gerät ist ein sogenannter Rundfüller, der den Übergang von der handwerklichen zur industriellen Herstellung von Arzneimittel dokumentiert. Ein Schubladenschrank, der ursprünglich in der Engel-Apotheke in Darmstadt stand, ist ebenfalls ein Blickfang, wie die zahlreichen Destillierapparate und die „Apothekenkampe“ aus der NS-Zeit.

Im Obergeschoss
sind Kräuter und Gerätschaften, die zu deren Verarbeitung benötigt wurden, zu sehen. Darunter auch die für Apotheken zwingend notwendige Drogen-Sammlung. Zur Sammlung gehören auch sogenannte Rezept-Abschreibebücher. Drei dieser Rezeptkladden mit 3000 Einträgen der Apotheke am Rathaus aus dem 19. Jahrhundert, werden  zurzeit von der Universität Aachen erforscht.

Info
Das Bönnigheimer Museum Arzney-Küche, im hinteren Bereich der Kirchstraße 22 (Zugang über den Kirchplatz), ist von Mai bis September jeweils am ersten Sonntag im Monat geöffnet.

 
 
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