Bönnigheimer Fußballer Schnatterer ist gewappnet für die Zeit danach

Von Andreas Eberle
Marc Schnatterer hat bei Waldhof Mannheim eine furiose erste Saison hingelegt. In der laufenden Drittliga-Runde ist er bisher aber nur achtmal zum Einsatz gekommen. Foto: Eibner-Pressefoto/Thomas Heß

Der Bönnigheimer Marc Schnatterer ist bei Drittligist Waldhof Mannheim aktuell nur zweite Wahl und denkt über sein Karriereende nach. Im Raum steht eine Rückkehr zu seinem Herzensverein 1. FC Heidenheim als Juniorencoach. Die B-Plus-Lizenz hat der 37-Jährige schon in der Tasche.

Ein Fußball-Fest mit Gänsehaut-Atmosphäre, eine Rekordkulisse mit 17 555 Fans und ein 3:1-Sieg im Duell zweier Traditionsvereine – beim Drittliga-Wiederauftakt hätte es für den SV Waldhof Mannheim im Carl-Benz-Stadion kaum besser laufen können. Doch einer stand beim Heimspiel gegen 1860 München etwas im Abseits: Der Bönnigheimer Marc Schnatterer, langjähriges Aushängeschild beim 1. FC Heidenheim, durfte sich nur warm machen und blieb letztlich außen vor. „Wenn man nicht spielt und nicht mal reinkommt, ist man extrem enttäuscht – auch mit 37 noch“, bekannte der Offensivmann im Gespräch mit der BZ.

Nur acht Drittliga-Saisoneinsätze

Seit dieser Saison läuft es für ihn beim früheren Bundesligisten nicht mehr so rund. Bei Christian Neidhart, der seit dem vergangenen Sommer die Waldhof-Buben coacht, ist er nur noch zweite Wahl. Bisher stehen in seiner Saisonstatistik nur acht Drittliga-Einsätze und 224 Spielminuten.

„Ich versuche, fit zu bleiben, mich in jedem Training reinzuhauen und mein Bestes zu geben, wenn ich auf den Platz darf. Es ist aber klar, dass mein Selbstvertrauen nicht so krass und groß ist wie im letzten Jahr“, sagt Schnatterer und macht aus seiner Unzufriedenheit keinen Hehl. „Ich bin aber keiner, der sich aufgibt, und hoffe, dass ich noch das eine oder andere Spiel machen kann.“

Die Runde hatte für ihn schon ungünstig begonnen: Eine Woche vor dem Auftakt zog sich der Routinier einen Muskelfaserriss in der Wade zu und fiel fünf Wochen aus. „Ich habe mich zurückgekämpft, aber die endgültige Fitness holt man sich durch Wettkampf und Spiele – und die sind mir dann abgegangen.“

Furioses erstes Jahr in Mannheim

In seinem ersten Jahr in Mannheim war „Schnatti“ unter dem damaligen Trainer Patrick Glöckner, der ihn 2021 geholt hatte, noch eine feste Größe gewesen. Wie zu seiner erfolgreichen Heidenheimer Zeit glänzte er als Mentalitätsspieler, Vorbild und kreative Kraft. 37 Mal lief der Kultkicker für den SVW in Liga drei auf, 36 Mal von Anfang an. Er erzielte elf Tore, bereitete acht weitere Treffer vor und avancierte auf Anhieb zum Publikumsliebling. „Viele hatten nicht auf der Rechnung, dass ich noch mal das abrufen kann, was ich da abgerufen habe“, blickt der gebürtige Heilbronner mit Stolz zurück.

Trotz seiner jetzigen Reservistenrolle hat er den Wechsel in die Kurpfalz nicht bereut. Das hat viel mit dem besonderen Umfeld zu tun. „Wie die Fans uns daheim nach vorne pushen und auch auswärts zahlreich mitkommen und uns anfeuern – das ist schon gewaltig. Der Verein lebt durch seine Fans. Das ist nicht nur eine blöde Floskel, sondern wirklich so“, sagt Schnatterer.

Vertrag beim Waldhof läuft aus

Sein Vertrag beim SV Waldhof läuft am Saisonende aus. Was danach kommt, will er im Februar oder März entscheiden. „Ich habe mir letztes Jahr schon Gedanken über ein Karriereende gemacht. Mit jedem Jahr erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass man sagt: Das war’s“, meint Schnatterer. Im Raum steht eine Rückkehr zum FCH, etwa als Trainer der U19. Der 37-Jährige bestätigt Gespräche mit seinem Herzensklub, bei dem er Legendenstatus genießt. „Als ich weggegangen bin, hat man mir in Heidenheim gesagt, dass für mich immer eine Möglichkeit besteht, zurückzukommen,“ berichtet „Schnatti“.

Trainer-Kurs in illustrer Runde

Das Rüstzeug für einen Trainerjob kann er bereits vorweisen: Während der Saison 2021/22 hat er im Rahmen des DFB-Pilotprojekts „Players Pathway“ die B-Plus-Lizenz gemacht – gemeinsam mit elf anderen Größen wie Sami Khedira, Ilkay Gündogan, Nuri Sahin, Christoph Kramer, Marcel Schmelzer oder Lars Stindl. Neben digital vermittelten Inhalten gab es im Rahmen des Lehrgangs auch zwei Präsenztreffen in Frankfurt und der Sportschule Hennef. „Der Austausch untereinander war sensationell und hat mir viel Input gegeben. Der Kurs war ein wichtiger Punkt für mich, um mich auf das vorzubereiten, was kommt“, sagt Schnatterer.

Mitbetreiber einer Bar

Auch abseits des Profisports hat er sich Standbeine aufgebaut. Gemeinsam mit zwei Freunden übernahm er in Heidenheim eine alteingesessene Kneipe – „das Warsteiner“ – und eröffnete diese im März 2022 unter dem Namen „Wari“ neu; immer freitags und samstags ist Betrieb. „Das ist wie ein kleines Hobby. Es macht Spaß, einen Einblick in eine andere Branche zu erhalten“, sagt Schnatterer, der freilich nicht selbst hinter der Theke steht – obwohl er vor einigen Jahren mal einen Cocktailkurs gemacht habe, wie er verrät. Außerdem vertreibt er mit zwei weiteren Mitstreitern Kaffeebohnen, in Zusammenarbeit mit einer kleinen Rösterei – ebenfalls auf der Ostalb.

Die oberste Priorität genießt jedoch die Familie. Nach der Verlobung in Paris hat er im Dezember 2021 seine langjährige Freundin Maxi im Bönnigheimer Schloss standesamtlich geheiratet. Inzwischen hat das Paar auch einen Sohn: Luis wird am 7. Februar ein Jahr alt. „Auch wenn ich nach dem Training manchmal müde bin, muss ich ran – der Kleine hat Hummeln im Hintern und kennt kein Pardon“, stellt der heimatverbundene Familienmensch mit einem Schmunzeln fest. Die Kleinfamilie komplettiert der sechsjährige Labrador Carlos.

Vorfreude auf Tripsdrill

Schnatterer, der selbst ein großer Freizeitpark-Fan ist, freut sich schon, wenn Sohnemann Luis mal alt genug für einen Besuch in Tripsdrill ist. Zu dem Erlebnispark in Cleebronn hat er eine spezielle Beziehung: Benjamin Fischer, sein dicker Kumpel seit Kindheitstagen und Trauzeuge, ist Juniorchef in dem Familienunternehmen. Als „inoffizieller“ Patenonkel von Luis wird er wohl in Zukunft besonders gefordert sein: „Benny kann sich schon mal darauf vorbereiten, meinen Kleinen durch seinen Park zu führen.“

Rekordspieler beim 1. FC Heidenheim

457 Pflichtspiele
hat Marc Schnatterer zwischen 2008 und 2021 für den 1. FC Heidenheim bestritten (121 Tore, 128 Vorlagen). Damit ist der 37-jährige Linksaußen der Rekordspieler beim Zweitliga-Klub von der Ostalb. Nachdem er beim FCH keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatte, wechselte „Schnatti“ im Sommer 2021 zum Drittligisten SV Waldhof Mannheim. Weitere Stationen waren der SGV Freiberg und der Karlsruher SC II. Mit Freibergs U 19 stand er 2004 im Pokal-Finale der Junioren in Berlin (0:5 gegen Hertha BSC). In der Jugend kickte er außerdem für den TSV Bönnigheim und den VfB Stuttgart.  

 
 
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