Bönnigheimer Geschichte Ganerben verzögern Reformation

Von Susanne Yvette Walter
Pfarrer Lorenz Kohl sprach in der Cyriakuskirche über „500 Jahre Reformation“ Foto: /Martin Kalb

Vor 500 Jahren kam der evangelische Glaube auch nach Bönnigheim.  

In der Cyriakuskirche in Bönnigheim drehte sich am Samstagabend alles um die Geschichte der Reformation, die vor 500 Jahren begann und deshalb überall im Land in den evangelischen Gemeinden gefeiert wird. Ob es in Bönnigheim zu diesem Anlass etwas zu feiern gab, stellte Pfarrer Lorenz Kohl aus Ehingen an der Donau als Frage in den Raum. Er gilt als Spezialist auf diesem Gebiet und kann einen Überblick über das Reformationsgeschehen in Deutschland geben. Detailliert beleuchtet er die besondere Situation in Bönnigheim.

Größere Widerstände gegen Reformation in Bönnigheim

Wegen seiner politischen Besonderheit – hier verwalteten vier Adelsfamilien, die sogenannten Ganerben, die Stadt gemeinsam und hier bestand eine Zugehörigkeit zum benachbarten katholischen Erzbistum Mainz – spielte sich die Reformationsgeschichte hier anders ab als im benachbarten Herzogtum Württemberg. „Die Reformation begann später und unter größeren Widerständen“, begann Kohl seinen Vortrag. „Mitgespielt haben die Herren von Sachsenheim, von Neuhausen/Liebenstein, von Gemmingen und von Neipperg, wenn es darum ging, Bönnigheim zu verwalten“, so Lorenz Kohl: „Die Ganerben schafften es nicht, sich zeitnah auf eine Konfession zu einigen. Die Bindung an das katholische Mainz stand im direkten Widerspruch zum neuen evangelischen Zeitgeist.“

Doch auch der Umstand, Ganerbenstadt zu sein, hielt die Reformation in Bönnigheim letztlich nicht fern. „Die Ganerben haben 1525 beschlossen, dass die Predigt evangelisch gehalten wird. Das ist für mich der Beginn der Reformation in Bönnigheim“, sagt Kurt Sartorius von der Historischen Gesellschaft. Es gab in der Anfangszeit mehrere evangelische Pfarrer, die nur kurz dagewesen seien. Erst im Jahr 1557 kam der erste fest angestellte Pfarrer Jakob Pfäfflinger. Er trug dazu bei, dass die Reformation in Bönnigheim greifen konnte. Die beiden Bönnigheimer Bürger Augustin Lupf und der Mönch Ambrosius vom Kloster am Frauenberg waren 1518 angeblich dabei, als Martin Luther zur Disputation nach Heidelberg kam.

Dietrich von Gemmingen machte sich für das Gelingen stark

Bekannt sei auch, dass der Ganerbe Dietrich von Gemmingen ein Verfechter der Reformation gewesen sei. Es heißt, dass er Luthers mutiges Auftreten in Worms miterlebt habe. Seitdem machten er und seine Familie sich stark für das Gelingen der Reformation, die zunächst auch ihre Rückschläge wegstecken musste.

 Susanne Yvette Walter

 
 
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