Bönnigheimer peilt mit Heidenheim den Aufstieg an Kapitän Schnatterer steuert auf Bundesliga-Kurs

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Heidenheims Kapitän Marc Schnatterer (links) brachte gegen den HSV als Einwechselspieler neue Impulse aufs Feld. Hier kommt der Hamburger Gideon Jung einen Schritt zu spät – der Bönnigheimer hat bereits abgezogen. ⇥ Foto: Tom Weller

Der Zweitliga-Profi aus Bönnigheim steht nach dem Sieg gegen den HSV mit dem 1. FC Heidenheim vor dem erstmaligen Aufstieg in die Eliteklasse.

Seit Januar war Marc Schnatterer nicht mehr daheim in Bönnigheim. In normalen Zeiten besucht er einmal im Monat seine Familie und seine Freunde in der Stromberg-Gemeinde. „Wir telefonieren jeden Tag über Skype“, erzählt Vater Klaus Schnatterer. Dieser Tage wollte Marc Schnatterer wieder mal persönlich vorbeischauen. Ob es möglich sein wird, ist aber noch offen. Denn nach Corona und all den Begleitumständen für Fußball-Profis mit dem gemeinsamen Trainingscamp und dem eng getakteten Spielplan sind die Heidenheimer seit Sonntag, dem 2:1-Sieg über den Hamburger SV, mit einem sehr erfreulichen Thema beschäftigt: dem Aufstieg in die Bundesliga.

Zwei Siege und ein Unentschieden würden sicher reichen für die Erfüllung des großen Traums auf der Ostalb. Ein Erfolg am Sonntag (15.30 Uhr) beim als Zweitliga-Meister feststehenden DSC Armina Bielefeld würde Platz drei und die Relegationsspiele sichern, sowie ein Sieg und ein Remis in den dann folgenden zwei Partien gegen Fortuna Düsseldorf – oder doch noch gegen Werder Bremen – würden den Aufstieg perfekt machen.

An dieser formidablen Ausgangssituation ist Schnatterer maßgeblich mit beteiligt, denn er bereitete gegen den Hamburger SV beide Tore vor. Zwei Spiele musste er aufgrund von muskulären Problemen im Oberschenkel pausieren. Ein paar Tage vor dem HSV-Spiel stieg er wieder ins Mannschaftstraining ein und setzte sich zunächst zusammen mit den anderen Einwechselspielern auf die Tribüne der nahezu menschenleeren Voith-Arena. Beim zweiten Zwei-Mann-Wechsel von Trainer Frank Schmidt übernahm der langjährige Kapitän nach 64 Minuten das Kommando auf dem Rasen, nahm zweimal das Hamburger Tor aus der Distanz ins Visier und schlug dann eine seiner unnachahmlichen, perfekt getimten Flanken vors HSV-Tor, die Gästespieler Jordan Beyer über die eigene Torlinie zum 1:1 bugsierte.

In der fünften Minute der Nachspielzeit erreichte der Ball nach einem weiten Schlag aus der Abwehr heraus und einer Kopfballverlängerung Schnatterer auf der linken Seite, der schlug diesen hoch und weit erneut in den HSV-Strafraum. Der Rest ist bekannt: Stefan Schimmer legte auf, und Konstantin Kerschbauer traf in allerletzter Sekunde zum 2:1. Damit waren drei der fünf eingewechselten Spieler am Siegtor direkt beteiligt.

„Man kann alles erreichen, wenn man will. Einstellung und Willen sind quasi nicht zu toppen. Das sind alles charakterstarke Jungs“, lobte Coach Schmidt seine Mannschaft. Sein Kapitän, der in einer entscheidenden Phase wie gewohnt voranging und sein Team auf Kurs Bundesliga steuerte, war überglücklich, bedauerte aber auch, dass diese für den Verein geschichtsträchtige Partie quasi ohne Zuschauer auskommen musste. „Unglaublich. Ich bin so lange dabei, aber so etwas... Ich bin unglaublich stolz auf die Moral und die Mentalität. Wenn unsere Fans dabei gewesen wären, die hätten sicher das Stadion abgerissen“, verdeutlichte der 34-Jährige die Bedeutung dieses Sieges für die Stadt und die ganze Region.

Seit Regionalliga-Zeiten dabei

Seit 2008 ist Schnatterer in Heidenheim, stieg mit der Mannschaft von der Regionalliga bis in die Spitzengruppe der Zweiten Liga auf und könnte jetzt im Herbst seiner Karriere mit „seinem“ Verein in die Bundesliga aufsteigen. Familiäre Probleme braucht er wegen seiner Torvorlagen gegen den Hamburger SV beim nächsten Heimatbesuch in Bönnigheim keine befürchten, obwohl sein Vater Klaus Schnatterer bekennender HSV-Fan ist. „Ich hatte andere Vorlieben. Unsere Familie ist diesbezüglich auch breit aufgestellt. Wir haben sogar Werder-Fans dabei, dazu Stuttgarter und Bayern“, erzählte Marc Schnatterer in einem Interview mit der Hamburger Morgenpost angesprochen auf seinen Vater. Der Heidenheimer Kapitän outete sich dabei als Bayern-Fan – „weil Mehmet Scholl früher mein Idol war.“

Klaus Schnatterer geht davon aus, dass die Heidenheimer Platz drei mit einem Sieg in Bielefeld verteidigen. Von „seinem“ HSV ist er schwer enttäuscht und klagt fehlende Mentalität an: „Da muss man 90 Minuten drauf gehen. Das war in der zweiten Halbzeit alibimäßig. Sie hätten auf das zweite Tor gehen müssen. Durch einen Vertrag bekommt man noch lange nicht die HSV-Raute auf die Brust.“ Den Sieg der Heidenheimer mit seinem Sohn Marc als Kapitän stuft der langjährige Abteilungsleiter der Bönnigheimer Fußballer „wichtiger ein als die HSV-Raute“.

Ein weiterer Bönnigheimer stand am Sonntag in Heidenheim auf Seiten der Verlierer: Kai Rabe, einst Torhüter beim TSV und beim SV Freudental, ist seit Beginn der laufenden Saison Torwart-Trainer beim HSV und regelmäßig bei den Live-Übertragungen groß im Bild, wenn er die Ein- und Auswechslungen digital anzeigt.

 
 
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