Nimmt man den Porzellan-Elvis-Presley hoch, schraubt seinen Kopf ab, um ein Gläschen mit dem Bourbon-Whisky zu füllen, fängt der Popstar an zu singen. „Die Elvis-Flaschen-Spieluhr war sehr begehrt, wir hatten viele Kaufangebote“, sagt Manfred Thiel. Die Flaschen-Spieluhr als Elvis Presley stammt aus seiner Sammlung von 185 Schnapsflaschen, die als Spieluhren gestaltet wurden und deren Spieluhren sofort zu spielen beginnen, wenn die Objekte, so bezeichnet Thiel seine Flaschen, hochgehoben werden.
Bönnigheimer Schnapsmuseum 185 Schnapsflaschen als Spieluhren
Das Schnapsmuseum hat die einzigartige Sammlung des Mundelsheimers Manfred Thiel gestiftet bekommen. Darunter sind Raritäten wie ein Elvis Presley gefüllt mit Whisky.
Seine Sammlung übergaben der 85-jährige Mundelsheimer und seine Frau Ursula nun an Kurt Sartorius, Leiter des Schwäbischen Schnapsmuseums in Bönnigheim, damit sie „nicht auseinandergerissen wird“.
Sartorius ließ eigens für die Sammlung eine riesige Vitrine für den Gewölbekeller bauen, eine zweite Vitrine für den Eingangsbereich soll folgen. „Es war geplant, die Sammlung an das Museum für mechanische Musikinstrument in Bruchsal zu geben, aber dann kam die Idee mit Bönnigheim auf“, so Thiel. „Und das ist die bessere Lösung, denn so kann mein Mann, wann immer er will, seine Sammlung anschauen“, sagt seine Frau. Und Kurt Sartorius war „mehr als glücklich, ich hätte auch für die Sammlung gezahlt“.
Vor 40 Jahren begann die Flaschen-Sammelleidenschaft des Mundelsheimers. Er bekam eine Schnapsflasche, in der eine Spieluhr integriert war. „Ich habe mich schon immer für mechanische Musikinstrumente interessiert, das war dann der Auslöser, diese Spieluhren zu sammeln.“
In den 1950er- bis 1970er-Jahren war es laut Thiel gang und gäbe, dass große Brennereien wie Bols in Amsterdam, Firmen im Schwarzwald wie Scheibel oder Schladerer, aber eben auch Whisky-Destillerien zu besonderen Gelegenheiten besondere Flaschen herausgaben und sie mit einem Schweizer Uhrwerk bestücken ließen, das eine Spieluhr auslöst, wenn die Flasche hochgenommen wird. Thiel, der auch Mitglied der Gesellschaft für selbstspielende Musikinstrumente ist, kaufte Flaschen, wo immer er war. Bei einem Besuch bei seiner Tochter in San Diego in den USA mussten zwei zusätzliche Koffer gekauft werden, um die Spieluhren zu transportieren. 60 Porzellanflaschen seiner Sammlung stammen aus den USA.
Nicht nur Elvis Presley, Charlie Chaplin, Dick und Doof oder bekannte Sportler stehen nun in der Vitrine in Bönnigheim. Auch Limousinen, Lokomotiven, ein Schiff sind darunter. Die Amsterdamer Firma Bols hat in eine Flasche eine Ballerina gesteckt, die sich zu der Walzer-Melodie, die erklingt, dreht. Und zwar in Danziger Goldwasser, das sogenannte Güldenwasser. Echte 22 Karat Blattgoldflocken umspielen die Tänzerin.
Wunderwerke der Technik
Die Musik wird durch einen Stift ausgelöst, sobald man die Flasche anhebt. „Das sind Präzisionsspieluhren“, sagt Thiel, der auch 8000 Schellack-Platten sammelte, die er aber schon verkauft hat, In seinem Besitz sind auch die sogenannten Orchestertruhen, auf denen ein ganzes Orchester spielt. Auch eine Drehorgel nennt er sein eigen. „Ich finde, mechanische Spielwerke sind ein Wunderwerk der Technik“, sagt er. Seine Frau Ursula fand immer die besten Stücke in den Antiquariaten, sagt er. Ende der 1970er-Jahre kam die Produktion von Schnapsflaschen-Spieluhren zu einem Ende.
Aber Kurt Sartorius und sein Team beginnen nun mit der Arbeit, denn sie müssen inventarisieren, katalogisieren und nach Ursprüngen forschen. „Das ist eine wissenschaftliche Arbeit, da sind wir monatelang beschäftigt“, so Sartorius.
