Boxnacht Sturms Deckung für Altay schier undurchdringbar

Von Niklas Braiger
Felix Sturm (von rechts) baut im Boxkampf gegen Sükrü Altay lange Zeit auf seine Deckungsarbeit und schlägt dann im richtigen Moment zu. Foto: /Oliver Bürkle

Der 44-jährige Leverkusener gewinnt den Rückkampf gegen den fünf Jahre jüngeren Kemptener. Der Deutsch-Bosnier vertraut auf seine Defensive und Erfahrung.

Fast schon überheblich wirkte Sükrü Altay Mitte der sechsten Runde. Als Altmeister Felix Sturm einige Wirkungstreffer gegen den Kopf des Türken aus Kempten setzte, ließ der seine komplette Deckung fallen und symbolisierte seinem Gegner: „Komm doch, schlag nur zu.“ Am Ende wurde ihm diese latente Arroganz zum Verhängnis. Zu Beginn der neunten Runde am Samstagabend explodierten die Emotionen in der Ludwigsburger MHP-Arena, als Altay in die Seile gedrängt wurde und ihm Sturm die entscheidenden Schläge verpasste. Altay ging zurück in seine Ecke, Sieg für den fünfmaligen Weltmeister Sturm durch Technischen K.o.

Altay mit stürmischer Offensive

Dabei sah das zu Beginn des Hauptkampfes der langen Boxnacht noch anders aus. Altay, der mit gemischten Reaktionen aus dem Publikum empfangen wurde, wirkte wie bereits im ersten Aufeinandertreffen im Februar spritziger, schneller und frischer. Nicht verwunderlich, ist der gebürtige Kemptner auch fünf Jahre jünger als Sturm. Doch der 44-jährige Ex-Champion aus Leverkusen baute auf seine Verteidigung: In den ersten Runden ließ er seine Deckung kaum fallen. Altay versuchte, durch die Fäuste hindurch zu schlagen, landete aber kaum Wirkungstreffer.

Sturm konzentrierte sich besonders darauf, seine wenigen Akzente effizient zu nutzen. Bei jeder offensiven Aktion – egal, ob sie seinen Gegner traf oder nicht – wurde es in der Arena von den Tausenden Sturm-Fans laut. Diesen Zuspruch würdigte der Deutsch-Bosnier auch nach dem Kampf am Mikrofon und bedankte sich für die elektrische Stimmung.

Zum Ende der zweiten Runde ließ Altay seine Arme bereits das erste Mal hängen und gab Sturm freie Bahn für einige harte Punches. Noch schien er, sämtliche Attacken einfach abzuschütteln – so auch, als er in Runde vier grinsend durch den Ring tänzelte. Nach und nach schwand allerdings die Kraft des Türken. Je länger der Kampf dauerte, desto mehr konnte Sturm auf seine Erfahrung bauen. Die defensive Taktik machte sich bezahlt. „Ich wusste, es wird schwer, gegen mich diesen Druck aufrechtzuhalten. Darauf habe ich spekuliert“, sagte Sturm nach dem Kampf im Ring bei Box-Moderatoren-Legende Kai Ebel. Er wollte die Distanz bei Angriffen von Altay verkürzen: „Das hat gut funktioniert.“

So gelang es ihm auch, seinem Kontrahenten die Luft zu nehmen und ihn mehr und mehr ans Limit zu bringen. Nach der achten Runde – Altay wirkte bereits sehr angeschlagen – ließ Sturm dann die Muskeln spielen, spannte in der kurzen Unterbrechung den Bizeps an und signalisierte: „Ich bin der Stärkere.“

Weitere Karriere ungewiss

Seine Zukunft ließ der 44-Jährige noch offen. Es hänge auch von seiner Familie ab, ob er noch weiter boxe: „Wenn ich aufhören sollte, war das ein sehr, sehr schöner Rahmen.“ Verlierer Altay zeigte nach dem Kampf Größe: „Der bessere sollte gewinnen, das war Felix Sturm. Ich akzeptiere es, es ist alles in Ordnung. Ein super Kampf.“

 
 
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