Brücken im Kreis Ludwigsburg Von der Furt zur Betonbrücke

Von Uwe Mollenkopf
Bietigheim-Bissinger Brücken unterschiedlichen Alters auf einen Blick aus der Vogelperspektive. Foto: /Martin Kalb

Die BZ befasst sich mit den Brücken im Landkreis Ludwigsburg. Erste Brücken bauten bereits die Römer. Bietigheim etwa besaß schon früh eine Steinbrücke. 

Wer im Landkreis Ludwigsburg von A nach B fährt, muss in vielen Fällen Flüsse überqueren, die früher große Hindernisse dargestellt haben. Heute halten sie niemand mehr auf, da es überall Brücken gibt, über die man problemlos auf die andere Seite gelangt. Allein am Neckar gibt es mehr als 25 Brücken – große und kleine – zwischen Remseck im Süden und Kirchheim im Norden. Wie wichtig sie als Teil der Infrastruktur sind, merkt man erst, wenn eine wegen Sanierung gesperrt ist und man Umwege in Kauf nehmen muss. In einer Sommerserie nimmt die BZ verschiedene Brücken im Kreis unter die Lupe und geht zum Auftakt der Frage nach, wann und wie es hierzulande überhaupt zum Brückenbau kam.

Kaum Brücken am Neckar

Wie schlecht es mit Brücken in früheren Zeiten aussah, wird deutlich, wenn man sich die Karte des Herzogtums Württemberg anschaut, die der Kartograf Georg Gadner 1596 anfertigte. Darin ist zwischen Lauffen und Cannstatt nicht eine einzige Neckarbrücke verzeichnet – das Gebiet des heutigen Landkreises Ludwigsburg war also an seinem größten Fluss komplett brückenlos – zumindest was große Brücken angeht. Besser sah es an der Enz aus. Hier enthält Gadners detailliertere Forstkarte für dieses Gebiet unter anderem in Bietigheim, Enzweihingen und Vaihingen Brückenbauwerke.

Dabei ist die Brückentradition hierzulande durchaus schon Jahrhunderte älter. Sie reicht zurück in die Römerzeit, wie das Beispiel Benningen zeigt, dem Standort eines Römerkastells. Hier fand man 1877 beim Bau des Eisenbahnviadukts einen römischen Brückenpfahl, der beweist, dass die Römer damals bereits trockenen Fußes den Neckar überqueren konnten. Mit dem Rückzug der Römer aus Südwestdeutschland dürften aber deren Brücken verfallen sein.

Auf Furten angewiesen

Stattdessen wurden nun im Frühmittelalter zunächst Furten genutzt, also flache Stellen, an denen man auf die andere Seite gelangen konnte, wenn nicht gerade Hochwasser herrschte. Eine solche wird zum Beispiel im 16. Jahrhundert bei Kleiningersheim erwähnt. An der Enz in Bietigheim befand sich die Furt dort, wo die einmündende Metter einen Schwemmkegel gebildet hatte. Der Bau einer Burg im 12. Jahrhundert im Bereich der heutigen Stadtkirche und Kelter diente, wie man annimmt, zur Sicherung dieser Furt.

Gefahr von Hochwasser

Ein Verbesserung brachten Fähren, deren Einrichtung zunächst dem Landesherrn vorbehalten war. Diejenige zwischen Großingersheim und Pleidelsheim ist laut Fritz Blickle im späten Mittelalter (1488) nachweisbar („Pleidelsheimer Heimatbuch“). Die Kirchheimer hatten schon früher eine Fähre, die sich im badischen Besitz befand und im Jahr 1294 erwähnt wird. Auch hölzerne Stege gab es im Mittelalter. Ein solcher wird beispielsweise in Bietigheim und in Benningen erwähnt. Letzterer diente dazu, dass die Einwohner hinüber zu den auf der rechten Neckarseite liegenden Weinbergen und Wiesen konnten. Allerdings wurden die hölzernen Bauwerke – ob schmaler Steg oder richtige Brücke – öfters ein Opfer des Hochwasser.

Wohl dem also, wer eine stabile steinerne Brücke hatte. In Bietigheim wurde diese im Jahr 1481 fertiggestellt, zum Preis von 8000 Pfund Heller und mit Fronarbeit. Zur Refinanzierung durfte die Stadt einen Brückenzoll erheben. Günther Bentele („Bietigheim 789 – 1989“) geht davon aus, dass die Brücke enorme wirtschaftliche Bedeutung für die weitere Entwicklung der Stadt hatte, zumal die Nachbarstadt Besigheim erst 1581 eine Steinbrücke errichten konnte. Bietigheim machte 1491 mit dem Bau von zwei Steinbrücken an der Metter auch gleich weiter.

Am breiteren Neckar dauerte es vielerorts bis ins 19. Jahrhundert, bis hier größere Brücken gebaut wurden. Um 1850 gab es zwischen Lauffen und Neckarweihingen immer noch keine. Danach kam etwas Schwung in den Brückenbau, wobei man durchaus sparsam agierte. So erhielt Besigheim 1868 eine Holzbrücke, die Heilbronn nicht mehr benötigte. Sie musste jedoch schon 1926 durch eine Betonbrücke ersetzt werden.

Brücken für die Eisenbahn

Von Ingersheim nach Pleidelsheim wurde im Jahr 1875 eine Holz-Eisen-Konstruktion fertiggestellt, für die Teile der demontierten Enzbrücke oberhalb von Besigheim verwendet wurden. Kirchheim bekam im Jahr 1897 eine Brücke. Weitere Brücken entstanden für den Eisenbahnbau, so der Enzviadukt in Bietigheim 1853 und der Neckarviadukt in Marbach 1878.

Die modernen Betonbrücken im Landkreis sind zu einem großen Teil in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, als alte Holzbrücken ersetzt wurden – oder aufgrund der Sprengungen in der letzten Kriegsphase ersetzt werden mussten. Zum Beispiel die Stahlfachwerkbrücke in Kirchheim 1950, die Stauwehr-Brücke in Hessigheim 1952, die Neckarbrücke in Benningen 1954 oder die Neckarkanalbrücke in Besigheim 1955. Sie sind heute vielfach sanierungsbedürftig. Älter sind die Alte Autobahnbrücke in Beihingen (1934) und die Wehr- und Schleusenbrücke Aldingen (1939).

Baulich jüngeren Datums sind die Brücken, die im Zuge von neuen Straßen- und Schienenprojekten entstanden. So zum Beispiel die 1997 eingeweihte Langwiesenbrücke über die Enz in Bietigheim als Teil der Südumgehung Bietigheim-Bissingen, aber auch viele kleinere Fuß- und Radwegbrücken.

 
 
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