Bücher sind gefragt Das Corona-Antiquariat

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Neuerdings werden die Bücher auch in der alten Kelter in Hoheneck angeboten, dort ist für ausreichend Lüftung gesorgt und es können sich eine begrenzte Besucherzahl aufhalten. Es soll auch Kleinkunst-Veranstaltungen geben. ⇥Fotos: Foto: Martin Kalb

Weil die Nachfrage nach gebrauchten Büchern während der Pandemie gestiegen ist, erweitert Heiner Beuttler sein Geschäft um die Alte Kelter.

Alte Keltern wurden schlau gebaut: Sie haben keine Glasfenster und eine natürliche Lüftung, weil sie so groß und zugig gebaut wurden, da sie ja Lebensmittel oder Wein beherbergen musste. Dieses für die Belüftung eines Raumes und auch für die Vermeidung einer Ansteckung mit Viren, also Corona, so günstige System macht sich Antiquar Heiner Beuttler in Alt-Hoheneck zunütze.

Sein „Corona-Antiquariat“ nennt er den zusätzlichen Raum für an die 20 000 Bücher, den die von der Stadt angemietete Kelter nun bringt. Einzige Bedingung der Stadt im Mietvertrag: Es soll noch die Möglichkeit zum Keltern gewahrt bleiben, was Beuttler und seine Hohenecker Nachbarn auch in diesem Herbst gemacht haben: Sie pressten Äpfel und machten Saft. „Wein ist nicht gefragt“, sagt Beuttler, der eigens eine Apfelpresse anschaffte. Das diesjährige Apfelpressen war ein Test, im nächsten Jahr soll die Aktion größer werden, dann sollen auch Nicht-Hohenecker ihre Äpfel bringen können.

Aber zurück zu den Büchern: In seinem Laden in der Unteren Gasse 42 mitten in Alt-Hoheneck hat Beuttler 7000 Bücher und 300 Bildbände und vor dem Haus, zur Selbstbedienung für zwei Euro das Stück, nochmals 8000 Bücher. Fast täglich bekommt Beuttler, der sich als „Bücherretter“ versteht, gebrauchte Bücher angeliefert. Eines Tages standen beispielsweise 54 Umzugskartons mit Büchern vor seiner Tür. „Ich versuche, mit dem Antiquariat Bücher, die ansonsten in der Tonne enden würden, zu retten“, sagt er. Und das macht Beuttler schon seit 40 Jahren und ist dafür weit über die Region hinaus bekannt. Die Nachfrage nach gebrauchten Büchern ist ungebrochen, mehr noch, in Corona-Zeiten beobachtet Beuttler ein zunehmendes Interesse am Lesen und damit an günstigen Büchern. „Ich bin schon erstaunt, wie viele Menschen jetzt unsere Bücher wollen“, sagt er. Unterhaltungsliteratur und historische Romane würden sehr nachgefragt und Kinderbücher gingen immer, sagt Beuttler.

Die Bücher sortiert Beuttler mit seinen vier Angestellten. Buchclub-Ausgaben, Bibliotheks-Bücher oder Zeitschriften werden nicht angenommen. Beschädigte Bücher werden entsorgt. Beuttler erzählt, dass die Gäste des gegenüberliegenden Restaurants Krone, die im Lockdown bestellte Speisen abholten, während der Wartezeit in den Büchern in der Gasse stöberten. „Das sind neue Kunden, die dann immer wieder kommen“, sagt er. Wegen dem steigenden Interesse an gebrauchten Büchern kam dann die Idee mit der Kelter als Buchladen, aber auch als Aufenthaltsraum auf.

Zudem soll in der Kelter Kleinkunst stattfinden. Mit der  studierten Trickfilmerin Anna Matysik hat Beuttler eine engagierte Bücherliebhaberin als Mitarbeiterin gefunden. „Sie war ein paar Mal hier, dann hat sie ihren Mann überredet, nach Hoheneck zu ziehen“, erinnert sich Beuttler. Die Familie kaufte das nächste frei gewordene Haus in der Nähe des Antiquariats und Beuttler stellte die junge Frau an. Und sie soll sogar seine Nachfolgerin werden, wenn der 74-Jährige in den Ruhestand geht. „Das kann aber noch ein bisschen dauern“, sagt er.

Info Das Antiquariat Alt-Hoheneck ist mittwochs bis sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

www.antiquariat-althoheneck.de

 
 
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