Bücherschränke im Kreis Ludwigsburg Vandalismus, Müll und alte Bücher

Von Helena Hadzic
Der Bücherschrank vor dem Bad am Viadukt: eine englische Telefonzelle beherbergt Bücher. Foto: /Andreas Essig

Heute (15.11.2022) ist der Tag der Bücherschränke: Die Not der Ehrenamtlichen, die sich im Kreis um die öffentliche Bücherschränke kümmern, ist groß. Denn die Schränke werden mit Müll und vergammelten Büchern vollgestellt.

Eigentlich ist es eine schöne Idee, aber leider werden die Bücherschränke sehr oft für bequeme Haushaltsauflösung missbraucht“, klagt Barbara Knieling, die die Buchhandlung und Präsenzbibliothek „Lieblingsbuch“ in Bietigheim-Bissingen betreibt. Sie kümmert sich außerdem ehrenamtlich um die öffentlichen Bücherschränke, die sich seit 2016 in den Arkaden am Marktplatz und seit 2017 vor dem Bad am Viadukt befinden. Die Erkenntnis zum heutigen Tag des öffentlichen Bücherschranks (15. November) ist ernüchternd: Die Schränke werden vollgestellt mit „alten und vergammelten Büchern“, die kaum noch zu gebrauchen seien, bedauert Knieling. Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch in anderen Städten und Gemeinden im Kreis ab: Vandalismus und die Entsorgung von unbrauchbaren Büchern machen es den Ehrenamtlichen schwer, hinterherzukommen – der Müll muss häufig sogar privat entsorgt werden.

Was ist ein Bücherschrank?

Bücherschränke, oder auch Bücherboxen oder Bücherzellen, sind öffentliche und kostenlose Anlaufstellen für Leseratten – dort werden Bücher hineingestellt und entnommen, um auf diese Weise Literatur für jedermann zugänglich zu machen. Die Idee der Bibliotheken im Freien entstand in den 1990er Jahren und hat sich seitdem massiv ausgebreitet. Viele Städte und Gemeinden haben heute oftmals sogar mehrere Bücherschränke, diese befinden sich meist an gut frequentierten Plätzen, wie Bushaltestellen oder Marktplätzen und Fußgängerzonen.

Ein Problem: Vandalismus

Aber auch dies birgt Probleme. Öffentliche Orte werden häufig zum Schauplatz von Vandalismus und Zerstörung – das weiß Karin Krimmel, die gemeinsam mit ihrem Mann Hubert und zwei weiteren Ehrenamtlichen den Bücherschrank in Löchgau an der Bushaltestelle Wette in Stand hält. Jede Wochen schaut einer der Ehrenamtlichen vorbei. Die Arbeit sei nicht einfach, besonders weil es in den letzten beiden Monaten mehrfach zur Zerstörung des Schranks kam, so Krimmel.

„Wir dachten, dass der Bücherschrank an einer Bushaltestelle häufiger genutzt wird“, so Krimmel. Vor vier Jahren kam dem Ehepaar die Idee – daraufhin schlugen sie es der Stadtverwaltung vor. Bürgermeister Robert Feil unterstützte das Ehepaar mit einem Schrank mit Plexiglasscheiben, der noch auf dem Dachboden des Rathauses stand. Der Schrank wurde mit Büchern gefüllt und so war der erste Bücherschrank Löchgaus geboren. „Das wurde von den Bürgern sehr gut aufgenommen“, so Krimmel. Und obwohl ihr die freiwillige Arbeit immer Spaß gemacht hat, leidet sie unter der negativen Seite eines öffentlichen Schranks.

Immer wieder werden Türen herausgerissen oder Scheiben eingeschlagen. „Wir mussten den Bücherschrank immer wieder reparieren lassen, was auch mit Kosten verbunden war“, sagt sie. Nachdem nun am Sonntag erneut die Türen beschädigt worden waren – Karin und Hubert Krimmel hatten die Zerstörung bei einem Spaziergang zufällig entdeckt – wurden sie am Montag endgültig entfernt. Krimmel hofft, dass der Vandalismus der vergangenen Wochen damit ein Ende hat. Aber auch das Problem der Entsorgung von Müll und nicht mehr brauchbaren Büchern ist Krimmel bekannt. Früher konnte sie die alten Bücher in die Papiertonne des Raushauses werfen, aber die Tonnen seien für das Personal des Rathauses auf Dauer zu schwer gewesen – nun geben Krimmel und ihr Team die unbrauchbaren Schmöker beim Musikverein Löchgau ab, der das Altpapier sammelt. So werde auch das Rathaus entlastet, freut sie sich.

Keine Möglichkeit der Entsorgung

Diesen Luxus kennt hingegen Elke Ehrler-Berg, Leiterin der Stadtbücherei Sachsenheim, nicht. Sie ist die Ansprechpartnerin für die ehrenamtlichen Bücherpaten, die sich um die vier Bücherschränke in Sachsenheim kümmern. Seit zirka sechs Jahren gibt es die Schränke – ursprünglich waren es mal fünf. Doch nachdem es an dem Bücherschrank am Bahnhof immer wieder zu Beschädigungen kam, wurde dieser abgebaut. Die restlichen vier stehen in der Hauptstraße, in Ochsenbach, in Häfnerhaslach und am Spielberg. Und diese seien teilweise extrem vollgestellt mit Büchern, die heute keiner mehr ließt. „Wer will denn heute noch einen Reiseführer von vor 25 Jahren lesen oder Bücher von Heinz Konsalik?!“, meint Ehrler-Berg. Deswegen müssen die Schränke in regelmäßigen Abständen aussortiert werden. Die unbrauchbaren Bücher landen dann oft in den privaten Mülltonnen der Paten.

Eine Patin habe im letzten Jahr deswegen aufgehört: „Sie musste die Bücher bei sich Zuhause in die Mülltonne werfen und ihre Garage vollstellen“, erzählt Ehrler-Berg über die ehemalige Bücher-Patin. Auch in Besigheim ist die Aussortierung der Bücher wichtig, sagt Franz Kopp. Er gehört zum zwölfköpfigen Team von der Quartiersarbeit der Stadt, zu der auch Werner Bischof gehört. Vor einem Jahr wurde das Team – damals unter Judith Haas – gegründet und der Bücherschrank, eine englische Bücherzelle, beim Rathaus aufgestellt. Immer wieder werden Treffen abgehalten, bei denen die Bücher begutachtet und diskutiert werden. Zwei Drittel davon werden bei der Bücherschmiede in Wahlheim entsorgt, zu volle Bücherschränke seien ein Problem, so Kopp

Barbara Knieling aus Bietigheim hat wegen der vollgestellten Bücherschränke bei der Stadt einen Büchercontainer neben dem Bad am Viadukt beantragt. Dieser wurde aber abgelehnt – denn er animiere die Leute, Bücher nicht selbst zu entsorgen. „So bleibt das Problem weiterhin an mir hängen“, so Knieling.

 
 
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