Bürger kämpft gegen Unrat Ärger über Müll im Forst

Von Heidi Vogelhuber
Immer wieder findet Frank Burkhardt Müll im Bietigheimer Forst. Oftmals nimmt er den Müll mit, wie diese Corona-Maske, die er im Mülleimer am Waldspielplatz entsorgte. Foto: /Frank Burkhardt

Frank Burkhardt spaziert regelmäßig durch den Bietigheimer Forst und ärgert sich über den Müll, der achtlos in den Wald geworfen wird. Mülleimer gibt es keine. Warum das so ist? Die BZ hat nachgefragt.

Heutzutage wohnt Frank Burkhardt in Fellbach. Aufgewachsen ist er jedoch in Ingersheim, wo seine Mutter noch immer wohnt. „Ich hatte vor fünf Jahren einen Schlaganfall und habe mich ins Leben zurückgekämpft. Ich kann wieder ganz gut gehen“, berichtet Frank Burkhardt im Gespräch mit der BZ. Spaziergänge tun ihm gut, daher parke er immer im Gewerbegebiet Büttenwiesen und spaziere durch den Bietigheimer Forst nach Ingersheim, um seine Mutter zu besuchen.

Bürger sammelt Müll ein

Der Spaziergang durch den Wald ist aber nicht immer so erholsam für den Frührentner. „Immer wieder finde ich Müll, der achtlos in den Wald geworfen wurde. Hundekot liegt in Plastiktüten im Wald herum – das ist nun wirklich nicht Sinn der Sache“, sagt er. Wenn es Kleinkram, beispielsweise eine Corona-Maske (siehe Foto) sei, nehme es der Naturliebhaber mit, um den Unrat zu entsorgen. Das Problem dabei: Es gibt im gesamten Bietigheimer Forst keinen Mülleimer.

„Die zuständigen Behörden haben mir gesagt, dass man keine Mülleimer aufstellen könne wegen der Tiere“, erzählt Burkhardt. Waldtiere würden sich an den Essensresten bedienen, sei ihm erklärt worden. Weitere Vorschläge, Mülleimer mit speziellen Deckeln aufzustellen, die nicht von Tieren geöffnet werden können, seien abgelehnt worden. „Ich nehme den Müll also oftmals mit, denn beim Waldspielplatz, der ja auch nur wenige Meter vom Wald entfernt ist, stehen Mülleimer. Sogar offene“, sagt Burkhardt.

„Grundsätzlich ginge es schon, Mülleimer aufzustellen“, erklärt Samuel Ziegler von der Forst Baden-Württemberg, die für den Bietigheimer Forst zuständig ist. Natürlich bestehe die Gefahr, dass Füchse oder Waschbären den Unrat plündern und der Müll dann doch im Wald landet. „Mit dem Aufstellen alleine wäre es aber nicht getan. Die Mülleimer müssten dann auch regelmäßig geleert werden“, sagt Ziegler. Die ForstBW habe dafür leider nicht ausreichend Kapazitäten. Im Salonwald im Osten Ludwigsburgs kümmere sich beispielsweise die Stadt um das Aufstellen und Leeren der Mülleimer.

Das sei in Bietigheim-Bissingen allerdings nicht möglich, sagt Anette Hochmuth, die Sprecherin der Stadt, auf Nachfrage: „Die Stadt kann hier keine Mülleimer aufstellen. Unser Bauhof ist schon sehr stark damit ausgelastet, die im Stadtgebiet allgemein vorhandenen rund 600 Mülleimer zu leeren.“ Im Jahr 2021 fielen fast 10 000 Arbeitsstunden dafür an, die Papierkörbe im Stadtgebiet regelmäßig, an vielen Stellen sogar täglich zu leeren, wilden Müll aus der Landschaft einzusammeln sowie die Straßen, Treppen und Gehwege zu kehren, so Hochmuth. Knapp 1,3 Millionen Euro kostete diese Arbeit inklusive der Lohn- und Fahrzeugkosten sowie der Entsorgung des angefallenen Mülls die Stadt.

Dass Unrat immer wieder im Wald liegt, kann Ziegler allerdings bestätigen. Vor allem konzentriere es sich auf das Lusthaus. „Das sind oft feiernde Jugendgruppen, die ihren Müll nicht wieder mitnehmen“, so der ForstBW-Mitarbeiter. Allgemein jedoch plädiere die zuständige ForstBW an die Vernunft der Waldbesucher, den eigenen Unrat wieder mitzunehmen, „zusammen mit den schönen Erinnerungen an den Wald.“

Auch betont Ziegler, dass der Wald keineswegs ein Stadtpark sei. „Wir haben große Reviere, um die wir uns kümmern. Der Wald ist ein Stück Natur und nicht Stadtgebiet.“

Nicht die einzige Beschwerde

Tatsächlich sei Frank Burkhardt nicht der einzige, der sich wegen des herumliegenden Mülls beschwert habe. Vor allem durch den Besucherzuwachs durch Pandemie und Lockdown sei der achtlos in den Wald geworfene Müll mehr geworden.

„Die Leute sind zu bequem, gedankenlos und unachtsam. Mich aber stört der Müll massiv, ich finde es einfach so schade“, sagt Burkhardt. Mülleimer per se seien für ihn nicht notwendig, die Behältnisse kämen nur der Gemütlichkeit der Leute entgegen. Dass jedoch etwas passieren muss, steht für ihn außer Frage. „Beim Wandern in den Bergen sind es die Menschen eher gewohnt, ihren Müll mitzunehmen. Im Wald fehlt vielen das Bewusstsein“, sagt der Naturliebhaber. Im Gespräch mit der ForstBW habe ihm Samuel Ziegler zugesichert, dass eine Infotafel aufgestellt würde, die Besucher auf Verhaltensregeln im Wald hinweisen soll. Noch fehle davon jedoch jede Spur, stellt Burkhardt fest. „Sie steht noch aus, wird aber bald angebracht“, versichert Ziegler.

Dabei setzte die ForstBW auf ein ansprechendes Design, das die Waldbesucher zum Durchlesen animieren soll. Es werde aus dem Landeswaldgesetz zitiert, darauf hingewiesen, dass im Wald kein Lagerfeuer und kein Camping zulässig sei. Auch auf das Rauchverbot zwischen März und Ende Oktober weise das Schild hin. Und natürlich auf die Müllproblematik. Zu oft sei es auch schon vorgekommen, dass Renovierungsabfälle im Wald abgeladen wurden. „Tatsächlich konnten wir die Täter oft ausfindig machen“, sagt Ziegler. Müll sei keineswegs anonym, und die Täter würden zur Rechenschaft gezogen.

FVA entwickelte Umfrage
Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) entwickelte die Umfrage. „Wir laden die Bürgerinnen und Bürger herzlich ein, uns ihre Lieblingsrouten und –plätze im Bietigheimer Forst auf Online-Karten zu zeigen“, so Forstbezirksleiter Christian Feldmann. Im Rahmen einer etwa 20-minütigen Umfrage können jeder Bürger und jede Bürgerin die persönlichen Ansprüche an den Forst geltend machen. „Das ist eine tolle Möglichkeit für die Menschen, direkt einzuwirken“, erklärt Samuel Ziegler im Gespräch mit der BZ. Ziegler ist Mitarbeiter der Forst Baden-Württemberg. Der Bietigheimer Forst gehört dem Forstbezirk Unterland mit Sitz in Eppingen an. Ziegler selbst ist für Waldnaturschutz, Öffentlichkeitsarbeit, Waldpädagogik und Zertifizierung zuständig.

Hier geht’s zur Online-Umfrage:

Müllentsorgung im öffentlichen Raum
Eine traurige Bilanz musste Roswitha Ott, Leiterin des städtischen Bauhofs und der Stadtgärtnerei jüngst in ihrem Bericht zur Müllentsorgung im öffentlichen Bereich ziehen, teilt die Stadtverwaltung Bietigheim-Bissingen mit. Der Aufwand zur Sauberhaltung der Stadt wird von Jahr zu Jahr höher und teurer. Im Jahr 2021 fielen fast 10 000 Arbeitsstunden dafür an, die über 600 Papierkörbe im Stadtgebiet regelmäßig, an vielen Stellen sogar täglich zu leeren, wilden Müll aus der Landschaft einzusammeln sowie die Straßen, Treppen und Gehwege zu kehren. Knapp 1,3 Millionen Euro kostete diese Arbeit inklusive der Lohn- und Fahrzeugkosten sowie der Entsorgung des angefallenen Mülls. Mehr Mülleimer und häufigere Leerungen beziehungsweise Sammeltouren können mit dem vorhandenen Personal schon gar nicht mehr geleistet werden, betont Bürgermeister Michael Wolf und bittet die Menschen darum, den Müll korrekt in den vorhandenen Mülleimern zu entsorgen.

 
 
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