Still ist es geworden an der Stelle im Bürgergarten, wo vor Kurzem noch rund 50 exotische Vögel in den Volieren zwitscherten. Die vier Gehege sind sauber leer geräumt, die Vogelschaukeln sind weg, nur noch einige Sonnenblumenkerne liegen auf dem Boden. Seit der Landesgartenschau 1989 gab es die stadteigenen Volieren mitten im Park, gepflegt wurden sie seither von Mitgliedern der Artenschutzvereinigung der Vogelliebhaber Bietigheim-Bissingen. Der Innenraum im hinteren Teil der Anlage ließ der Vereinsvorsitzende Heinz Schrempf von einer Putzfirma gründlich reinigen, wie er erzählt. In den kommenden Wochen erfolgt die Schlüsselübergabe mit dem Bauhof der Stadt.
Bürgergarten Bietigheim-Bissingen „Alle Vögel sind nun gut untergebracht“
Nachdem keine Nachfolger für die Pflege gefunden wurden, sind die Volieren nun leer geräumt.
Verein hat keine Zukunftssorgen
Anfang August machten die Vogelliebhaber Bietigheim-Bissingen bekannt, dass die Mitglieder die Volierenpflege hauptsächlich aus Altersgründen nicht mehr weiterführen können. Die Stadt suchte nach geeigneten Nachfolgern – vergeblich. „Wir haben leider niemanden gefunden“, teilte Anette Hochmuth, die Sprecherin der Stadtverwaltung, auf BZ-Anfrage Ende Oktober mit.
Wie schwer es ist, geeignete Personen zu finden, die täglich ehrenamtlich oder gegen eine Aufwandsentschädigung nach den Vögeln schauen, sie füttern und das Gehege reinigen, weiß Heinz Schrempf nur zu gut. Es brauche engagierte Menschen, die etwas Ahnung und Leidenschaft dafür mitbringen. „Aufgrund unserer Altersstruktur waren wir gezwungen, die Pflege der Volieren aufzugeben,“ so Schrempf. Seinem Verein selbst gehe es gut, er habe 150 Mitglieder und immer wieder kämen neue auch junge Mitglieder hinzu, sagt der 72-Jährige. 1978 hatte er den Verein gegründet. Ziel war es, ein kleines Netzwerk an Haltern exotischer Vögel aufzubauen, die sich gegenseitig bei der Tierpflege unterstützen, „etwa wenn man mal in Urlaub fährt“. Auch gebe es Mitglieder von weiters weg, etwa von Karlsruhe, Würzburg und der Alb. Aber die Mitglieder aus Bietigheim-Bissingen, die sich um die Volieren kümmern könnten, seien dafür mittlerweile zu alt.
Vögel sind bei Vereinsmitgliedern
Im August hatten Schrempf und sein Team für die zwei über vierzigjährigen Uhu-Weibchen eine neue Bleibe in einem badischen Tierpark gefunden. Mittlerweile sind auch die exotischen Vögel der anderen Arten - die Nymphensittiche, die Unzertrennlichen, die Schönsittiche, die Bourkesittiche und das Pärchen der Lachenden Hänse – laut Schrempf bei erfahrenen Vereinsmitgliedern im Kreis Ludwigsburg gut untergekommen. Der Bestand der Vögel in den Parkvolieren stammte seit je her von den Mitgliedern.
Ihn hatten viele Stimmen von Bürgern erreicht, die sich eine Fortsetzung der Volieren im Park wünschten. Die Stimmung im Verein sei gedämpft gewesen, als klar war, dass keine Nachfolger gefunden werden konnten. „Ein von uns sehr lieb gewonnener Lebensabschnitt ist damit beendet“, so Schrempf. Er freue sich nun auf weitere Vogelschauen seines Vereins, die nächste im Frühjahr 2026 beim Kleintierzuchtverein Markgröningen. Im November hatte der Verein nach mehrjähriger Pause dort an neuem Ort, eine Vogelschau organisiert.
Die Stadtverwaltung Bietigheim-Bissingen gibt noch keine Auskünfte darüber, was aus dem Platz im Bürgergarten neben dem Gasthaus Storchen wird. „Zur Zukunft der Anlage macht sich die Stadt noch Gedanken“, sagte Hochmuth. Wahrscheinlich wird die Anlage entfernt.
