Bürgermeistergespräch Mundelsheim Zwei Jahre im Zeichen des Glasfaserausbaus

Von Heidi Falk
Mundelsheims Bürgermeister Boris Seitz an seinem Schreibtisch im Rathaus. Foto: /Oliver Bürkle

Bürgermeister Boris Seitz spricht im Jahresgespräch mit der BZ über Glasfaserausbau, den Stand des Gewerbeparks Benzäcker und einen Bikepark für die Gemeinde.

Das Jahr 2025 war ein Jahr des Fortschritts für die Gemeinde Mundelsheim“, sagt Bürgermeister Boris Seitz im traditionellen Jahresgespräch mit der BZ. Allem voran das Thema Glasfaserausbau habe das Jahr geprägt. Die Planungen laufen bereits seit rund vier Jahren. „Wir sind froh, dass es jetzt endlich begonnen hat. Das ist der Start in die Zukunft.“ Den Glasfaserausbau übernimmt in der Gemeinde die Deutsche Glasfaser. Bis zur Finalisierung dauere es mindestens noch ein halbes Jahr, kündigt Seitz an. Der Glasfaserausbau sei zugleich auch sein Lieblingsprojekt 2026, „nämlich der Abschluss des Glasfaserausbaus“, sagt Seitz und lacht.

Wie der Ausbau von der Bevölkerung angenommen wird? Gut, findet der Rathauschef. Im Rahmen der Vorvermarktung hätten sich 38 Prozent der Bürger und Bürgerinnen dafür entschieden, „Ziel waren mindestens 32 Prozent.“ Als im Sommer die ersten Bagger angerückt waren, hätten sich viele weitere Bürger dafür entschlossen. „Wir fahren jedes Haus etwa zehn Zentimeter ins Grundstück hinein an, auch wenn noch kein Vertrag abgeschlossen wurde. Wenn sich die Person später für den Ausbau entschließt, läuft alles auf dem privaten Grundstück und die kommunalen Gehwege müssen nicht nochmals aufgemacht werden.“ Dafür habe sich die Gemeinde aktiv eingesetzt.

Die wichtigsten Projekte 2025

Doch es gab 2025 noch weitere für die Gemeinde wichtige Projekte. So wurden 100 Baumurnenerdgräber auf dem Friedhof angelegt. Mittlerweile gibt es vier solcher Rondelle, die beiden neuen haben die Gemeinde rund 50.000 Euro gekostet. In der Umsetzung seien derzeit noch zehn Rasengräber. Dabei werden Särge in der Erde beigesetzt, darüber wird Rasen gesät, der die Pflege des Grabs vereinfacht. Die Kennzeichnung erfolgt durch Grabplatten.

Mundelsheim habe im vergangenen Jahr außerdem die Mauerförderung zur Rettung der Steillagen auf nun 350 Euro pro Quadratmeter erhöht. Das werde durchaus angenommen. „Das sind im Schnitt etwa vier bis sechs Mauern im Jahr“, die hergerichtet würden, berichtet Seitz, und weiter: „Wir haben die letzte zusammenhängende Weinbergfläche in der Neckarschleife. Wir hoffen, dass derzeit nur eine Talsohle von wenigen Jahren besteht und der Wein danach wieder gefragter wird.“ Fakt sei aber auch, dass sich die schwere Arbeit in den Steillagen finanziell nicht rechne und sie deshalb seltener gemacht werde. „Ja, es rechnet sich nicht. Aber bei uns gibt es Leute, die Lust darauf haben. Leute, die können und wollen, die sich damit identifizieren und das Landschaftsbild erhalten wollen.“ Es seien größere Weingärtner, aber auch viele Hobbywinzer im Ort aktiv. Unter anderem habe sich die Initiative „Wir gehen steil“ gegründet. Für den Bürgermeister ein echtes Erfolgsmodell.

2025 hat Mundelsheim die Käsbergstraße für rund eine Million Euro saniert und Seitz möchte auch weiterhin seinem Motto „Jedes Jahr eine Straße“ treu bleiben. Für ebenfalls rund eine Million Euro soll nun die Kappelstraße bis zur Sylvanerstraße erneuert werden. 2027 stünde die Weinbergstraße an, ob die städtischen Kassen das zulassen, werde der Gemeinderat im Sommer besprechen. Wie das Sondervermögen vom Bund – Mundelsheim wird etwa 2,1 Millionen Euro bekommen – eingesetzt werden kann, sei noch nicht final geklärt, sagt Seitz. Sinnvoll sei, jetzt in die Infrastruktur zu investieren, gerade wenn man sich die aktuelle Preisentwicklung anschaue. „Sanieren wir erst in zehn Jahren, können wir für das gleiche Geld vermutlich nur noch eine halbe Straße erneuern“, ist der Bürgermeister überzeugt, merkt aber auch an: „Strukturell hat die Bundesregierung das finanzielle Problem damit nicht gelöst, nur verschoben.“

Die Finanzen der Gemeinde

„Wir sind seit Mitte des Jahres schuldenfrei“, verkündet Seitz. Aber natürlich kratze die Kommune trotzdem am Existenzminimum, die Kassen seien wie fast überall klamm. „Wir würden besser dastehen, wäre die Kreisumlage nicht um eine halbe Million Euro erhöht worden.“ Die Schuldenfreiheit habe sich Mundelsheim erkämpft, wolle die Gemeinde jedoch in der Zukunft größere Projekte umsetzen, komme sie nicht an einer erneuten Kreditaufnahme vorbei.

Ein Beispiel dafür sei das Thema Ganztagsschule. Bereits seit vielen Jahren biete die Gemeinde drei Tage im Ganztagsbetrieb an. Muss der Ganztag für alle Tage angeboten werden, wird die zu kleine Mensa zum Problem. Sie müsste erweitert werden. Ein dementsprechender Plan sei bereits vorbereitet, aber noch nicht in der Umsetzung. „Wir warten erst einmal ab“, sagt Seitz dazu.

Ein Blick auf die Projekte 2026

Die Wärmeplanung realisiert Mundelsheim als Konvoi mit den Kommunen Hessigheim, Gemmrigheim, Walheim (die BZ berichtete). Vergabe war im Januar vergangenen Jahres, die Umsetzung soll 2026 erfolgen.

Noch in diesem Frühjahr soll außerdem ein Bikepark am Neckar auf der rund 8300 Quadratmeter großen Fläche hinter den Sportanlagen entstehen. Der Wunsch danach komme aus der Bevölkerung. Die knappen Kassen würden das normalerweise nicht zulassen, jedoch übernehme die Bürgerstiftung die anfallenden Kosten, berichtet der Bürgermeister. Die Stiftung habe Geld geerbt und investiere das für die Jugend. Flankierend sollen zehn Wohnmobilstellplätze entstehen. Dabei gehe es darum, den Tourismus zu kanalisieren. Aktuell stünden immer wieder vereinzelte Camper, vor allem Tagestouristen, auf dem Parkplatz der Käsberghalle oder am Sportplatz.

Außerdem ist die neue Flüchtlingsunterkunft in der Neuweilerstraße 17 zum Jahresende fertiggestellt worden und kann nun bezogen werden. Das bislang genutzte Gebäude in der Lange Straße 69, das die Kommune 2015 erworben hat, steht derzeit zum Verkauf.

Gewerbegebiet Benzäcker: Das ist der aktuelle Stand

An der Mundelsheimer Autobahnauffahrt
soll auf einer etwa 20 Hektar großen und bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche der Gewerbepark Benzäcker entstehen. Vor drei Jahren fand ein Bürgerentscheid statt. 57 Prozent der Wahlberechtigten stimmten für das interkommunale Großprojekt. Planerisch sei man mittlerweile schon weit fortgeschritten, „Wir haben im Mai die Umlegung angestoßen und den Bebauungsplan verabschiedet“, sagt Bürgermeister Boris Seitz zum Stand. Etwa zehn Prozent der Grundstücksbesitzer haben nicht an die Gemeinde verkauft. In einem Jahr, davon geht Seitz aus, sei die Grundstücksfrage geregelt.

Auch in puncto Naturschutz
sei man weitergekommen: „Wir nutzen das Biotopverbund-Konzept, das komplett auf Mundelsheimer Gemarkung stattfindet. Die Ökopunkte gehen 1 zu 1 in den Benzacker. Uns ist wichtig, dass der Ausgleich, zumal in Mundelsheim Fläche versiegelt wird, auch in Mundelsheim passiert, soweit möglich.“ Der Bürgermeister habe festgestellt, dass auch unter den Gewerbepark-Gegnern teilweise ein Umdenken stattgefunden habe seit es schlechter stehe um die kommunalen Finanzen. „Es ist die einzige Einnahmequelle, die wir konstant regeln können.“ Das Thema begleite ihn bereits seine gesamte Amtszeit. „Ich will die Erfahrungen nicht missen“, sagt Seitz, auch wenn es ein durchaus forderndes Thema sei.

 
 
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