In ihrem Büro hängt noch die große Wimpelkette ihrer Kollegen mit dem Schriftzug „Willkommen“. Dr. Sabrina Lee wurde Anfang Juni 2025 als unabhängige Kandidatin mit deutlicher Mehrheit zur neuen Bürgermeisterin von Pleidelsheim gewählt. Sie trat die Nachfolge von Ralf Trettner an, der 24 Jahre in der Gemeinde am Neckar Rathauschef war. Im September begann Lee ihre erste Amtszeit als Rathauschefin: Zuvor war die studierte Wirtschaftsjuristin fünf Jahre als Leiterin des Hauptamts der Stadt Tamm tätig.
Bürgermeistergespräch Pleidelsheim Ich staune, wie engagiert die Leute sind“
Bürgermeisterin Sabrina Lee spricht im Jahresrückblick über die ersten Monate als Rathauschefin und über ihre Pläne für die Gemeinde im Jahr 2026.
„Der Start hier war ganz toll, ich bin sehr herzlich aufgenommen worden“, schwärmt die 38-Jährige. Die ersten drei Monate habe sie sich „reingefunden und eingearbeitet in die Aufgaben“. 200 Menschen arbeiten für die Gemeindeverwaltung Pleidelsheim, davon etwa 30 im Rathaus, „ein eingespieltes Team mit einem guten Zusammenhalt“. Ihr Arbeitstag sei geprägt von vielen Terminen. „Oft habe ich acht Termine täglich, sodass ich es manchmal kaum auf die Toilette schaffe“, lacht sie.
Austausch mit lokaler Wirtschaft
Lee hat sich bewusst für eine Gemeinde wie Pleidelsheim entschieden, die für sie „mit 6500 Einwohnern nicht zu groß und nicht zu klein“ ist. Denn ihr, die schon seit einigen Jahren in Pleidelsheim wohnt, sei es sehr wichtig, nah bei den Bürgern zu sein. Schon im Wahlkampf ging sie von Tür zu Tür, um sich vorzustellen. „Ich habe bereits viele Bürgergespräche geführt und ihre Anliegen aufgenommen.“
So hat die Rathauschefin für 2026 neu eine online buchbare Bürgersprechstunde initiiert. Das heißt: Zusätzlich zu den Terminen auf Anfrage gibt es nun quartalsweise einen Nachmittag, „für den die Bürger unkompliziert online einen persönlichen Termin von rund 20 Minuten bei mir buchen können.“ Am 27. Januar findet die erste Bürgersprechstunde statt, für die es schon Anmeldungen gebe. „Das Anliegen sollte kurz mitgeteilt werden, damit ich mich darauf vorbereiten kann.“
Die neue Bürgermeisterin von Pleidelsheim schwärmt vom ehrenamtlichen Einsatz vieler Menschen und Vereine für das Gemeinwohl im Ort: „Ich bin immer wieder überrascht, wie engagiert die Leute sind.“ Pleidelsheim habe großen Charme, „es hat immer noch eine dörfliche Struktur und somit ein gutes Gemeinschaftsgefüge“.
Im neuen Jahr möchte Lee – als Zusatz zum Engagement des Bunds der Selbstständigen in Pleidelsheim – den Austausch zwischen ihr als Bürgermeisterin und der lokalen Wirtschaft stärken. Dafür organisiert sie ein regelmäßiges Unternehmerfrühstück oder -mittagessen.
Supermarktprojekt stagniert
Eines der brennendsten Themen in der Gemeinde ist der Bau eines Lebensmittelmarktes in der „Neuen Mitte“ des Ortes, einer brachliegenden Fläche gegenüber des Rathauses. Hauptinteressent unter den Einzelhändlern für den Supermarkt ist Vollsortimenter Edeka Auracher aus Ingersheim. 2023 gab es dafür die Baugenehmigung. Dann ging kurz darauf der Investor Paulus Wohnbau insolvent. „Seither stagniert leider das Thema“, so die Rathauschefin. Das Problem sei, dass ein Drittel der Fläche im Besitz der Insolvenzverwalter der Paulus Wohnbau GmbH und nicht bei der Gemeinde liegt. Lee: „Die Verhandlungen sind zäh.“ Sie hofft, dass sich Anfang 2026 die Eigentumsverhältnisse klären. Bis zur Fertigstellung eines neuen Supermarktes kann es also leider noch dauern, so Lee.
Über den kleinen Lebensmittelmarkt „Nah und Gut“ von Auracher direkt beim Rathaus ist die Bürgermeisterin als Zwischenlösung sehr froh. „ Es sieht gut aus, dass der Laden für weitere zwei Jahre bestehen bleibt“, sagt Lee, die sich für einen Laufzeitverlängerung des Geschäfts einsetzt. Der Supermarkt-Bau ist auch relevant bezüglich des angespannten Wohnungsmarktes: Auf dem Dachs sollen mehr als 30 Wohnungen zwischen zwei und vier Zimmern entstehen. Mit Blick auf das neue Jahr gebe es zudem „Planungen, sozialen Wohnraum zu schaffen“, berichtet Lee. So ist etwa in der Blumenstraße der Bau von zwölf Wohnungen mit der GWP (Gemeinde-Wohnbau Pleidelsheim) als Bauträger vorgesehen. „Das wird um die fünf Millionen Euro kosten, wofür wir einen Kredit aufnehmen müssen.“
Einige Schulden gibt’s im neuen Jahr
Für dieses Jahr könne die Gemeinde am Neckar bei ihren Finanzen eine schwarze Null verzeichnen, berichtet Lee zufrieden. „Ansonsten ist unsere Haushaltslage allgemein schlecht wie in allen Kommunen.“ Das voraussichtliche Defizit von 900.000 Euro im neuen Jahr durch mehrere Investitionen sei aber noch vertretbar, so die Bürgermeisterin.
So soll Ende 2026 die neue Kita Neckarbande für drei Kindergarten- und zwei Krippen-Gruppen fertiggestellt sein. Die Kosten für den Bau belaufen sich insgesamt auf rund neun Millionen Euro, eine enorme Summe für die Gemeinde. „Den Bedarf an Kitaplätzen aller Altersgruppen können wir vollständig decken“, sagt Lee glücklich. „Mir liegen die Anliegen der Kinder und Jugendlichen besonders am Herzen.“
So steht die Neugestaltung einer asphaltierten Freifläche im neuen Bewegungspark am Großbottwarer Weg an. Auf dem 2025 eröffneten Platz gibt es bereits einen großen Spielplatz und Geräte-Parcours. Lee und ihr Team sammeln nun Wünsche von Jugendlichen, was auf der Fläche nahe dem Jugendhaus entstehen soll, wie etwa ein ursprünglich geplanter Skater-Park oder Tischtennisplatten. „Ich hoffe auf eine hohe Jugendbeteiligung.“
Glasfaserausbau stagniert
Neben dem Supermarktbau ist der nicht vorhandene Glasfaserausbau für Privatnutzer laut Lee ein weiteres mühseliges Thema, „über das sich die Pleidelsheimer zurecht aufregen.“ Schon vor zwei Jahren wurden Verträge mit mehr als 33 Prozent der Bürger mit dem Telekommunikationsunternehmen Deutsche Glasfaser abgeschlossen. Während im benachbarten Mundelsheim und in Hessigheim die Deutsche Glasfaser baute, sei in Pleidelsheim „bisher nichts passiert“. Sie sei in Gesprächen mit dem Anbieter, ihr fehlten aber noch validere Infos, ob der Ausbau 2026 für ein schnelleres Internet endlich startet. Als alternativen Kooperationspartner hat sie bereits die Telekom im Blick.
Geplante Investitionen sind im neuen Jahr laut Lee vor allem auch Straßensanierungen in der Grabenstraße und Elfenstraße in Höhe von 800.000 Euro und ein HLF (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug) für die Feuerwehr in Höhe von 400.000 Euro. Mit dem Gemeinderat soll ab September 2026 ein Feuerwehrbedarfsplan für die nächsten Jahre erstellt werden.
Auf der Agenda der Verwaltung stehen für dieses Jahr außerdem noch Neugestaltungen am Friedhof. Dazu gehören neue Urnengrabfelder in Höhe von etwa 150.000 Euro.
