Bürgermeisterwahl Besigheim 1819 wurde erstmals ein Stadtschultheiß eingesetzt

Von Erwin Ruff
Innerhalb von 200 Jahren hatte Besigheim elf Schultheißen beziehungsweise Bürgermeister. Ein Blick ins Archiv.  Foto: Helmut Pangerl

Innerhalb von 200 Jahren hatte Besigheim elf Schultheißen beziehungsweise Bürgermeister. Ein Blick ins Archiv.

Nach Ablauf seiner Amtszeit wird Bürgermeister Steffen Bühler nach 32 Jahren als Stadtoberhaupt Ende März 2024 in den Ruhestand treten. Erwin Ruff vom Geschichtsverein Besigheim hat in den Geschichtsbücher recherchiert und festgestellt: In den letzten rund 200 Jahren war Bühler der insgesamt elfte Schultheiß beziehungsweise Bürgermeister der einstigen Oberamtsstadt.

Nur Stadtschultheiß Karl Hermann Jung, der von 1863 bis zu seinem plötzlichen Tod am 20. Mai 1895 die Geschicke der Stadt leitete, brachte es ebenfalls auf 32 Amtsjahre. Mit der kürzesten Amtszeit von 1945 bis 1948 steht Bürgermeister Gottlob Heim in den Analen, der bei der Bürgermeisterwahl 1948 nicht wiedergewählt wurde. Seit 1930 trägt das Stadtoberhaupt nicht mehr den Titel „Stadtschultheiß“, sondern die amtliche Bezeichnung „Bürgermeister“.

Vor 1819 gab es in Besigheim auch noch keinen Schultheißen. Bis dahin war nämlich der Vogt, ab 1758 der Oberamtmann, der Stadtvorsteher der Amts- und späteren Oberamtsstadt Besigheim. Der Vogt war der leitende herrschaftliche Bezirksbeamte und führte ab 1758 den Titel Oberamtmann. Durch das Verwaltungsedikt von König Wilhelm I. vom 31. Dezember 1818 verlor der Oberamtmann aber seine Funktion als Vorsteher der Oberamtsstadt, sodass nun in Besigheim erstmals ein Stadtschultheiß eingesetzt wurde.

Die Besigheimer Bürger, damals waren das nur Männer mit Bürgerrecht, durften drei Kandidaten vorschlagen, von denen die Kreisregierung des Neckarkreises in Ludwigsburg nach ihrem Gutdünken einen zum Stadtschultheißen ernannte. Zu Besigheims erstem Stadtschultheißen ernannte die Kreisregierung im Jahr 1819 den ortsansässigen Kaufmann Johann Christian Irion. Seine Ernennung galt auf Lebenszeit und konnte nur durch „Resignation“ (Rücktritt), Tod oder Entfernen aus dem Amt wegen dienstlicher Verfehlungen beendet werden. Schultheiß Irion war jedoch nur wenige Jahre im Amt. Zum Verhängnis wurde ihm der Visitationsbericht des Königlichen Oberamts Besigheim vom 22. März 1823, worin stand: „Stadtschultheiß Irion ist dem Trunk ergeben, scheint in jeder Beziehung für sein Amt nicht geeignet.“

Erst ab 1891 wurde der Stadtschultheiß durch freie Wahl der Gemeindebürger bestimmt und durch die Kreisregierung bestätigt. Frauen waren erst seit der Verordnung vom 30. November 1918 wahlberechtigt. Nachdem der seitherige Bürgermeister Emil Hayer Bürgermeister in Ebingen geworden war, setzte die NSDAP am 1. März 1934 Karl Fuchs als neuen Besigheimer Bürgermeister ein. Bürgermeister Fuchs wurde von der amerikanischen Militärregierung wegen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP auf 30. Juni 1945 entlassen und durch Gottlob Heim als kommissarischer Bürgermeister ersetzt.

Der am 27. Januar 1946 neu gewählte Gemeinderat bestätigte in seiner Sitzung vom 13. März 1946 Bürgermeister Gottlob Heim einstimmig auf die Dauer von zwei Jahren in seinem Amt. Bei der Bürgermeisterwahl am 15. Februar 1948 erhielten von vier Bewerbern zwar Gottlob Heim und Max Weigel die meisten Stimmen, verfehlten aber die erforderliche absolute Mehrheit.

Weil Max Weigel am Tag der Wahl noch nicht im Besitz eines rechtskräftigen Spruchkammerbescheids (Entnazifizierung) war, erklärte das Landratsamt Ludwigsburg die Wahl für ungültig und ordnete statt der eigentlich fälligen Stichwahl eine Wiederholung der Bürgermeisterwahl an. Dabei unterlag Gottlob Heim mit 819 Stimmen Eberhard Frohnmayer, der auf 1823 Stimmen kam.

Eberhard Frohnmayer, zuvor Bürgermeister-Amtsverweser in Herrenberg, wurde am 19. März 1948 durch Landrat Dr. Hermann Ebner feierlich in sein Amt eingeführt. In der schwierigen Nachkriegszeit war seine bis 1971 währende Amtsdauer durch die Erschließung von Baugebieten und die Industrieansiedlung geprägt. Von ihm gingen die Initiativen für das Winzerfest und die Städtepartnerschaft mit Ay aus.

Auch sein Nachfolger Werner Grau, im Amt von 1971 bis 1991 und danach als Erster Bürgermeister Beigeordneter für Wirtschaft und Finanzen in Heilbronn, erhielt 2010 das Ehrenbürgerrecht.

Die Besigheimer Rathauschefs

Johann Christian Irion (1819 bis 1823), August Speidel (1823 bis 1844), Hermann Hölder (1845 bis 1863), Karl Hermann Jung (1863 bis 1895), Adolf Köhler (1896 bis 1924), Emil Hayer (1924 bis 1934), Karl Fuchs (1934 bis 1945), Gottlob Heim (1945 bis 1948), Eberhard Frohnmayer (1948 bis 1971), Werner Grau (1971 bis 1991), Steffen Bühler (1992 bis 2024). 

 
 
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