Bundestagskandidat Marcel Distl (FDP) „Ehrenvolle Aufgabe, Ansprechpartner vor Ort zu sein“

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Marcel Distl in der Bietigheimer Fußgängerzone. Er tritt für die FDP im Wahlkreis Neckar-Zaber an. ⇥ Foto: Oliver Bürkle

Marcel Distl aus Freiberg tritt zum zweiten Mal für die FDP an, obwohl die Chance, in den Bundestag zu kommen, nahezu aussichtslos ist.

Letztes Mal hat’s für ihn nicht gereicht, und auch 2021 macht sich Marcel Distl keine Illusionen. Mit Listenplatz 24 wird er vermutlich nicht in den Bundestag einziehen, denn dafür müsste die FDP auf Landesebene ein Ergebnis von weit über 20 Prozent der Stimmen erzielen. Der 28-jährige Freiberger hat dennoch nicht gezögert, erneut für die Liberalen im Wahlkreis Neckar-Zaber zur Wahl im September anzutreten. Kandidat zu sein, habe 2017 Spaß gemacht, habe ihm etwas gegeben und ihn auch reifen lassen. „Ich finde, das ist eine ehrenvolle Aufgabe, Ansprechpartner für die Leute vor Ort zu sein“, sagt Distl.

Zur FDP ist der Bewerber während seines Studiums der Politikwissenschaft und Soziologie in Würzburg gestoßen. Er machte damals ein Praktikum bei der FDP-Landtagsfraktion. „Drei Tage danach war der Mitgliedsantrag unterschrieben“, erzählt er. Das war Anfang 2015. Allerdings habe er sich auch schon vorher immer als einen Liberalen bezeichnet. 2016 folgte die Nominierung als Kandidat im Wahlkreis Neckar- Zaber für die Bundestagswahl 2017.

Auch sein Beruf steht ganz im Zeichen der Politik und der FDP: Der Freiberger (ledig, keine Kinder) arbeitet seit 2017 im baden-württembergischen Landtag als persönlicher Referent bei Nico Weinmann, dem liberalen Abgeordneten für den Wahlkreis Heilbronn. Zuständig ist er dort für alle Wahlkreisthemen und die Öffentlichkeitsarbeit, für die Homepage und Soziale Medien.

In seiner Freizeit fährt der FDP-Bewerber gerne Fahrrad und macht Krafttraining. Obwohl kein Vereinsmitglied, hilft er für den Musikverein beim Freiberger Rettichfest mit – das indes coronabedingt zwei Mal ausfallen musste. Auch seine sportlichen Aktivitäten kommen derzeit etwas zu kurz, denn da er neben dem Wahlkampf in Vollzeit arbeitet, bleibt wenig Zeit für Privates.

Wunsch: zweistellig werden

2017 erreichte Marcel Distl im Wahlkreis Neckar-Zaber 8,7 Prozent der Erststimmen. Als Ziel für dieses Mal will er keine feste Zahl nennen, macht aber keinen Hehl daraus, dass es ihn freuen würde, wenn das Ergebnis zweistellig wäre – bei den Zweitstimmen, nachdem sie einige Institute im Oktober/November 2020 noch bei fünf Prozent gesehen hatten. Distl führt dies auf die Haltung zurück, die die FDP im Winter während des Lockdowns eingenommen habe. Man habe Kritik an den Coronamaßnahmen geübt, aber immer verhältnismäßig und demokratisch. „Ich glaube, dass das viele Menschen abgeholt hat.“ Die Freiheitsrechte seien so stark eingeschränkt gewesen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Der Lockdown sei richtig gewesen, nicht aber alle Maßnahmen. Als Beispiel nennt er die Ausgangssperre.

Ein weiteres Thema, das der Liberale im Wahlkampf voranstellen will, ist der Klimaschutz. Das sei „eine Herzensangelegenheit“ und Zukunftsaufgabe. Die FDP setzt dabei auf eine Ausweitung des CO2-Zertifikatehandels. Ebenso wichtig sind Distl der Neustart der Wirtschaft nach der Coronakrise und die Bildung. Die FDP habe schon 2017 gefordert, dass das Bildungswesen digitialisiert werden müsse. „Man hat gesehen, dass wir damit recht hatten.“ Die Pandemie habe schonungslos aufgezeigt, wo die Sollbruchstellen seien. Es gehe dabei auch um Chancengerechtigkeit für alle Kinder.

Bahnen reaktivieren

Ein lokales Thema, das ihm wichtig ist, ist für Marcel Disl die Reaktivierung der Bottwartal- und Zabergäubahn, falls die standardisierten Bewertungen günstig ausfallen. Ebenso findet er eine Ausweitung der Schusterbahn zwischen Bietigheim-Bissingen und Plochingen spannend. Mit Blick auf den Individualverkehr ist er überzeugt, dass man in der Region die Nord-Ost-Umfahrung Stuttgarts brauche.

Politisches Ziel auf Bundesebene müsse sein, dass die FDP so stark abschneide, „dass ohne uns keine Regierung gebildet werden kann“. Wenn es zu einer schwarz-grünen Mehrheit nicht reiche, könnten die Liberalen die Rolle als Korrektiv übernehmen. „Wir sind aber offen für alle Bündnisse“, betont Distl und meint damit neben Schwarz- Grün-Gelb (Jamaika) auch eine Ampelkoalition (Schwarz-Gelb- Rot) oder nur Schwarz-Gelb. Gleichzeitig habe die FDP 2017 gezeigt, dass sie keine Regierungsbeteiligung um jeden Preis eingehe, so der Kandidat.

 



In einer Serie zur Bundestagswahl 2021 stellt die BZ die Kandidaten des Wahlkreises Neckar-Zaber in persönlichen Porträts vor.

 
 
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