Bundestagswahl 2021 - Steffen Bilger holt Wahlkreis Ludwigsburg Enttäuschter Gewinner im Wahlkreis 265

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Steffen Bilger (links) auf der CDU-Wahlparty. Er holte erneut das Direktmandat für die Union im Wahlkreis Ludwigsburg. Foto: Oliver Bürkle

Steffen Bilger (CDU) holt am Sonntag erneut das Direktmandat, muss aber das schlechte Gesamtergebnis der Union verdauen. Der Wahlkreis stellt über die Landesliste voraussichtlich drei weitere Abgeordnete in Berlin.

Mit voraussichtlich vier Abgeordneten ist der Wahlkreis 265, Ludwigsburg, in Zukunft auf Bundesebene bestens vertreten. Das ist die Hauptnachricht des gestrigen Wahlabends. Und: Der bisherige Direktkandidat, der Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur,
Steffen Bilger, hat sein Mandat erneut verteidigt. Bei fast 30 Prozenten Erststimmen ließ er seine Mitbewerber deutlich hinter sich.

Dass es aus Sicht von Bilger dennoch ein bitterer Wahlausgang war, lag am bundesweiten Ergebnis der Union. „Es ist das schlechteste Ergebnis, das wir jemals eingefahren haben“, sagt der Ludwigsburger. Die Enttäuschung werde durch sein Ergebnis im Wahlkreis lediglich gemildert. Die Gründe lägen sowohl am Spitzenkandidaten Armin Laschet als auch an den Differenzen mit der CSU. Unzufriedenheit mit der Coronapolitik hätten sicher ebenfalls eine Rolle gespielt. Bilger sieht dennoch die Chance, eine CDU-geführte Bundesregierung mit FDP und Grünen zu bilden. Noch sei diesbezüglich alles offen.

Vorwurf an CDU

Das sieht Macit Karaahmetoglu (SPD) gänzlich anders. Der Rechtsanwalt aus Ditzingen hat es aller Voraussicht nach im dritten Anlauf in den Bundestag geschafft, auch wenn es am Sonntagabend zunächst noch keine Gewissheit gab. Er sieht den Regierungsauftrag klar bei SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz. Es sei der Wählerwille, dass die CDU in die Opposition gehe. Dass sie dennoch versuchen will, eine Regierung zu bilden, sei „ein befremdliches Demokratieverständnis“, so Karaahmetoglu, der im Wahlkreis beim Erststimmenergebnis hinter dem Zweitstimmenergebnis der SPD zurück blieb.

Sandra Detzer, Landesvorsitzende und Kandidatin der Günen, hat die Wahlparty in Ludwigsburg früh beendet. Jedoch nicht, weil es nichts zu feiern gab, sondern weil sie am Montagmorgen – dank eines guten Listenplatzes – zum ersten Fraktionstreffen „mit viel Freude“ nach Berlin fahre. Die Grünen hätten ihr historisch bestes Ergebnis erzielt, auch wenn der Wermutstrophen sei, dass sie nicht Nummer eins wurden. Aber das habe sich in den letzten Wochen schon abgezeichnet. Detzer sieht nun den Auftrag für SPD-Spitzenmann Scholz zur Regierungsbildung. Die Grünen wollten eine „starke Stimme für Klimaschutz“ und Weltoffenheit sein. „Die Arbeit fängt gleich an“, so Detzer.

Auch Oliver Martin (FDP), der Kandidat der FDP, hatte Sonntagabend Grund zum Feiern, auch wenn er selbst mit Listenplatz 30 keine Chance auf den Einzug in den Bundestag hatte. Die Hochrechnungen verhießen einen leichten Stimmengewinn der Liberalen auf Bundes- und einen noch stärkeren auf Wahlkreisebene. Wenn man berücksichtige, dass er gegen bekannte Namen wie Bilger, Detzer und Karaametoglu angetreten sei, und das zum ersten Mal, sei er damit sehr zufrieden, so der Maschinenbauingenieur. Auch der Abstand zwischen Erst- und Zweitstimmen im Wahlkreis sei den ersten Meldungen zufolge verkürzt worden.

Für die AfD zeichneten sich am Wahlabend Verluste von etwa zwei Prozent ab, die im Wahlkreis noch deutlicher ausflielen. Ein Minus von rund zwei Prozent sei noch als Erfolg zu verbuchen, sagte Martin Hess, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Ludwigsburg und mit Platz 2 der Landesliste wieder sicher im Parlament, am Wahlabend.

Analysen sollen helfen

Das schlechtere Ergebnis im Vergleich zu 2017 führt er auf zwei Faktoren zurück: Die AfD habe in Baden-Württemberg die meisten Attacken auf ihre Wahlplakate zu verzeichnen gehabt. Und die Themen der AfD, namentlich die Migrationspolitik, seien medial nicht bespielt worden. Hervorzuheben sei, so Hess, dass das Ziel der anderen Parteien, die AfD nach einer Legislaturperiode wieder aus dem Bundestag zu bringen, nicht aufgegangen ist. Inwiefern für das Wahlergebnis eigene Fehler verantwortlich seien, müsse erst noch analysiert werden.

Von einem ernüchternden Ergebnis spricht Andreas Frisch, der Bewerber der Linken, sowohl mit Blick auf das Ergebnis im Bund als auch im Wahlkreis. Dass der Abend für seine Partei zu einer Zitterpartie um den Einzug in den Bundestag wurde, hatte er nicht erwartet. „Ich habe mit sechs oder sieben Prozent gerechnet“, sagt der 40-jährige IT-Koordinator. Das Kernthema der Linken, die soziale Gerechtigkeit, stehe eigentlich hoch im Kurs, meint Frisch. Es habe aber offenbar nicht an den Mann gebracht werden können, obwohl die Reaktionen an den Wahlkreisständen positiv gewesen seien. Eine Analyse müsse zeigen, was falsch gelaufen sei.

 
 
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