Bundestagswahl - Kandidaten für Wahlkreis Neckar-Zaber beim BZ-Wahlforum Von Afghanistan, Impfpflicht und Bildungsverlierern

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Das Wahlforum der Bietigheimer Zeitung zur Bundestagswahl im Wahlkreis Neckar-Zaber mit Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien und BZ-Redakteuren. Foto: Werner Kuhnle

Bundestagswahl - Kandidaten für Wahlkreis Neckar-Zaber beim BZ-Wahlforum

Rund drei Wochen vor der Bundestagswahl hat die BZ die Kandidatin und die fünf Kandidaten zum Wahlforum eingeladen. Vor rund 100 Gästen diskutierten die sechs mit der BZ-Redaktionsleitung um Dr. Claudia Mocek und Frank Ruppert vor allem zu zwei Themen: Das Afghanistan-Desaster und das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie.

Beim Thema Afghanistan ging es vor allem um die Hilfe für die Ortskräfte. „Ich sehe eine große Gefahr für die Leute vor Ort, vor allem für Frauen“, sagte Emma Weber (Linke). Sie forderte: „Die Leute, die in Gefahr sind, die um ihr Leben bangen müssen, müssen wir rausholen. Wir können jetzt nicht sagen: Das ist nicht unser Problem.“

Fabian Gramling (CDU) wollte sich dem Satz „2015 darf sich nicht wiederholen“ seines Kanzlerkandidaten Armin Laschet nicht einfach anschließen: Natürlich habe man „eine Verpflichtung den Ortskräften gegenüber, die für uns gearbeitet haben, dass wir die rausholen und aufnehmen.“ Gleichzeitig müsse man sich fragen, „wie man es schafft, vor Ort für den Schutz der Menschen zu sorgen“.

Für Dr. Marc Jongen (AfD) habe das Ende in Afghanistan gezeigt, „dass sich unsere europäischen Werte sehr fremden Kulturen nicht so einfach vermitteln lassen“. Die Zahl der Hilfskräfte dürfe man jetzt „nicht immer weiter ausdehnen. Dafür müsse man auch den Kreis der Angehörigen eng fassen: „Man muss sehen, dass dort ein ganz anderer Familien-Begriff herrscht.“

„Ich bin schon überrascht, wie die AfD da die Grenzen zieht“, war Lars Maximilian Schweizer (Grüne) über die Nüchternheit entsetzt. Er wisse aus Gesprächen mit drei jungen Afghanen, die er als Fußball-Trainer „lange betreut“ habe, „was die Taliban dort schon in ihrer ersten Schreckensherrschaft angerichtet haben. Das muss einen doch berühren“.

Thomas Utz (SPD) warnte: „Angesichts der Katastrophe in Afghanistan ist jetzt nicht die Zeit für Schuldzuweisungen.“ Um den im Land verbliebenen afghanischen Hilfskräften „Sicherheit zu bieten“ müsse man sich um eine sichere Ausreise auf dem Landweg kümmern. „Ich erwarte, dass wir alles tun, um diesen Menschen die Möglichkeit zu geben, sicher aus dem Land zu kommen.“

Für Marcel Distl (FDP) hat die jetzige Situation in Afghanistan vor allem die US-Regierung herbeigeführt. „Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass die EU alleine in Afghanistan oder anderen Krisenregionen der Welt für Stabilität und Frieden sorgen kann.“ Deshalb sprach er sich für höhere Kapazitäten der europäischen Armeen aus und dafür, „die Verteidigung der EU besser zu strukturieren und zu institutionalisieren“.

Kandidaten gegen Impfpflicht

Eine Impfpflicht soll es nicht geben. Darüber waren sich beim Thema Corona alle Kandidaten einig: Da er keine Glaskugel habe, fiele ihm eine Vorhersage sehr schwer, sagte Gramling. Er plädierte weiter fürs Impfen: „Ich finde, die aktuelle Impfquote ist schon mal ein Erfolg. Es ist wichtig, dass jeder, der die Möglichkeit hat, sich zu impfen, diese auch nutzt.“

Jongen hofft auf eine „Normalisierung“: „Man wird immer weiter vertröstet. Ich habe das Gefühl, die Maßnahmen koppeln sich immer mehr von den Zahlen und dem Krankheitsgeschehen ab.“ Für seine Aussage, man könne die Langzeitfolgen der Impfungen noch nicht abschätzen, erntete er wieder Kritik.

Diesmal von Distl: „Ich habe kein Verständnis dafür, wenn jemand mit unwissenschaftlichen Argumenten versucht, Stimmung gegen die Impfung zu machen.“ Der FDP-Mann warb dafür, unterschwellige Angebote beizubehalten und auszuweiten. Mit Blick auf die Schulen sagte er: „Wir dürfen keine Generation von Bildungsverlierern großziehen.“ Er kritisierte die aus seiner Sicht zu geringe Förderung der Landesregierung für Luftfilter.

Dagegen warnte Schweizer davor, dass sich das Leben in den kommenden kälteren Monaten wieder mehr in den Innenräumen abspielen wird. Vor allem zum Schulbeginn seien „Testen und Masken“ wichtig, „dass wir nicht in den Schulen und Kitas in ein exponentielles Wachstum hineinkommen“. Die Testpflicht bei Reiserückkehrern solle verstärkt kontrolliert werden.

Utz betonte: „Ich möchte viel mehr dafür werben, dass sich die Menschen impfen lassen.“ Das sei die Aufgabe der Verantwortlichen im Land. Und: „Die Klassenzimmer müssen endlich flächendeckend mit Luftfiltern ausgestattet werden, dass die Kinder nicht wieder Opfer eines Pandemie-Schuljahrs werden.“

Auch Weber legte den Fokus auf Kinder und Jugendliche. Sie sagte mit Blick auf mehr Patienten bei Kinderpsychologen und vermehrten Kindesmissbrauch: „Viele Folgen des Lockdowns bleiben unbeachtet. Wir haben uns für den Lockdown entschieden. Jetzt müssen wir auch die Folgen angehen.“ Eine verstärkte Aufklärung von Menschen, die einer Impfung noch skeptisch gegenüberstünden forderte sie auch von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

 
 
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