Bundesverdienstkreuz Als Überraschung gibt es einen eigenen Platz

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Auf dem neuen  Karl-Henning-Seemann-Platz in Löchgau: (von links) Staatssekretärin Friedelinde Gurr-Hirsch, Bürgermeister Robert Feil, Professor Karl-Henning Seemann und seine Frau Adelheid. ⇥ Foto: Oliver Bürkle

Zur Übergabe des Bundesverdienstkreuzes an den Künstler Karl-Henning Seemann benennt die Gemeinde den Platz hinter der Kelter nach ihm.

Überraschung gelungen: In geheimer, nicht öffentlicher Sitzung hatte der Löchgauer Gemeinderat einstimmig beschlossen, nach dem Künstler Karl-Henning Seemann einen Platz zu benennen. Als bekannt wurde, dass dem Künstler das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik übergeben werden sollte, dachte der Gemeinderat über ein Geschenk nach. „In einem Interview hatte Karl-Henning Seemann einmal gesagt, er liebe Überraschungen und was sollten wir ihm denn schenken, ihm, dessen Werke das Löchgauer Bild beherrschen und der ein Glücksfall für die Gemeinde ist“, sagt Löchgaus Bürgermeister Robert Feil.

Kunst und Natur verbinden

Aus dem Gemeinderat sei die Idee, einen Platz nach Seemann zu benennen, gekommen. Man suchte den Platz hinter der Kelter aus, der ab sofort, und dies lesbar auf einer Tafel, Karl-Henning-Seemann-Platz heißt. Aber das war der Überraschung nicht genug: Der Platz wurde aufgewertet, nachhaltig mit Blumen für Bienen bepflanzt und bekam zwei Bänke. Er soll Kunst und Natur verbinden und ein Treffpunkt für die Bürger werden, so Feil.

Zudem wurde, während in der Kelter der Künstler von Staatssekretärin Friedelinde Gurr-Hirsch das Verdienstkreuz am Bande, der Verdienstorden der Bundesrepublik, überreicht wurde, die Skulptur „Weinskandal“ vom Marktplatz durch Bauhofmitarbeiter auf dem Karl-Henning-Seemann-Platz aufgebaut, so dass das gutgehütete Geheimnis nicht schon vorher gelüftet werden konnte.

Seemann, der während der gesamten Zeremonie in kleinem Kreis in der Kelter sehr aufgeregt war, wie er selbst sagte, und der während seiner Dankesrede immer wieder die Tränen abwischen musste, war „geplättet, damit hätte ich niemals gerechnet, das bedeutet mir noch mehr als der Orden“, so der Künstler.

In seiner Dankesrede hatte Seemann immer wieder betont, dass Flucht, Vertreibung und Zuflucht seine Themen seien und er in Löchgau eine Heimat und Zuflucht gefunden habe. Seit mehr als 40 Jahren lebt der Künstler mit seiner Familie im Ort, den er, wie Bürgermister Feil sagte, „zu einem Kunstort gemacht hat und geprägt hat“.

Engagement für Flüchtlinge

Das Bundesverdienstkreuz bekam Seemann auch wegen seines gesellschaftlichen Engagements, das sich vor allem im Engagement für das Pädagogisch-Kulturelle Centrum Ehemalige Synagoge in Freudental zeige. Er war maßgeblich an der Wiederherstellung des Synagogengebäudes und der Gründung des Zentrums beteiligt. Zu seinem künstlerischen Thema Flucht und Zuflucht gehört auch sein Engagement in Löchgau für die Integration von Flüchtlingen. So malte er mit geflohenen Kindern.  Bei der Verleihung zeigte er ein Gemälde der neunjährigen Yedaneh aus Afghanistan, das ihn sehr bewegte.

Auch Seemann hatte eine Überraschung für die Gemeinde. An der Zehntscheuer, für deren Instandhaltung er sich sehr einsetzte, hat er mit Hilfe des Löchgauer Handwerkers Jochen Haubold eine Skulptur aus Edelstahl aufstellen lassen. „Mit meinem Löchgauer Ortstor, aber auch mit vielen anderen Skulpturen habe ich, wie auch in meiner Heimat Wismar mit dem Georgenportal Flucht und Zuflucht thematisiert und versucht, Stellung zu nehmen“, sagte Karl-Henning Seemann.

 
 
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