Bundesverdienstkreuz für Günther Bentele Große Ehre für den Retter des Hornmoldhauses

Von Uwe Mollenkopf
OB Jürgen Kessing überreichte Günther Bentele (rechts) das Bundesverdienstkreuz. Foto: Oliver Bürkle

Bei einer Feierstunde in der Ege-Trans Arena erhielt Günther Bentele am Freitag aus den Händen von Oberbürgermeister Jürgen Kessing das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Günther Bentele kann sich ganz genau an jenen Sonntagmorgen des Jahres 1974 erinnern, als er Besuch von Johann Michael Möller und Peter Frankenhauser erhielt. Sie trieb die Sorge um die Zukunft der Bietigheimer Altstadt um. Die damaligen Verkehrspläne sahen eine von Stelzen getragene Umgehungsstraße vor, die so genannte Südumgehung, die an der Südseite der Altstadt gebaut werden sollte – heute unvorstellbar. Damals fiel der Entschluss, „wir gründen eine Bürgerinitiative“, erzählt der 80-Jährige.

Das war der Ausgangspunkt für intensive Bemühungen zur Bewahrung des historischen Erbes, die schließlich von Erfolg gekrönt waren. Dafür, aber auch für sein sonstiges vielfältiges Engagement und seine schriftstellerische Tätigkeit, wurde Bentele am Freitag im Restaurant der Ege-Trans Arena vor zahlreichen Gästen von Oberbürgermeister Jürgen Kessing mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

Die feierliche Überreichung war eigentlich schon früher geplant gewesen. Doch aufgrund der Coronapandemie musste sie um fast acht Monate verschoben werden. Als „Spiritus rector“, der den Anstoß für die Ehrung gegeben habe, nannte Kessing den Galeristen Rudolf Bayer.

Der Oberbürgermeister zeichnete in seiner Rede das Bild eines vielseitig engagierten Bürgers. Womit der frühere Gymnasiallehrer für Deutsch, Geschichte, Ethik und Philosophie aber zeitlebens in der Stadt in Verbindung gebracht werde, sei die Sanierung der Altstadt und insbesondere die Rettung des Hornmoldhauses. Dafür ist „Ihnen ein eigener Platz in den Geschichtsbüchern sicher“, so der Rathauschef.

Kessing erinnerte daran, dass nach der Gründung der „Bürgerinitiative für eine humane Stadt“ in den 70er-Jahren die Sorge um die Bietigheimer Silhouette und die Bausubstanz des alten Stadtkerns zum zentralen Thema in der Kommunalpolitik der kommenden Jahre wurde. Das Ganze sei im Kampf um den Erhalt des Bietigheimer Hornmoldhauses kulminiert. Denn an eine historisch korrekte Sanierung dieses Hauses dachte zunächst niemand. Es war zum Wohnraum für Gastarbeiterfamilien geworden, die weiteren Pläne sahen entweder ein mehrstöckiges Parkhaus in Zentrumslage oder eine Erweiterung des Bietigheimer Rathauses in diesen Bereich vor.

Günther Bentele wurde in dieser Situation beim Besuch einer Veranstaltung im Erdgeschoss des Hauses auf unregelmäßige Farbverläufe an der Decke aufmerksam, die sein Interesse weckten. Er vermutete weitere Malereien und erhielt vom damaligen Oberbürgermeister Manfred List die Chance zu weiteren Untersuchungen. „Das war ein großes Glück“, so Bentele rückblickend gegenüber der BZ. Er verdeutlicht das damalige Engagement um den Erhalt und die Erforschung des Hauses mit einer Anekdote. Als sein Sohn Ulrich geboren wurde, habe dieser als erstes Wort nicht Mama oder Papa, sondern Hornmold gesagt.

Gemeinsam mit einem Restaurator wurden damals Decken und Wände freigelegt. Wappen von Sebastian Hornmold und des Herzogs von Württemberg kamen zum Vorschein, ebenso reich bebilderte Wandvertäfelungen, Deckenmalereien und mehr.  „Damit gaben Sie die Initialzündung zur Sanierung der Bietigheimer Altstadt und zur Wiederherstellung dieses außergewöhnlichen Fachwerkensembles, um das uns deutschlandweit viele beneiden“, erklärte OB Kessing in seiner Laudatio. Bentele habe der Bürgerschaft die Augen geöffnet für den Wert ihrer historischen Gebäude wie auch das Bewusstsein geschaffen, „dass die Bewahrung und Kenntnis der Stadtgeschichte von Bedeutung ist“. Die Arbeit der Bürgerinitiative erstreckte sich auf viele weitere Denkmale in der Innenstadt und entwickelte landesweite Bedeutung für die Altstadtsanierung.

Günther Bentele war darüber hinaus 13 Jahre Mitglied des Gemeinderates (für die CDU) und wirkte laut Kessing daran mit, dass in Bietigheim-Bissingen im Jahr 1989 die Landesgartenschau stattfand sowie das 1200-jährige Stadtjubiläum angemessen gefeiert wurde. Mit zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen zur Stadtgeschichte habe er dazu beigetragen, das Interesse der Menschen für ihre Heimat zu wecken, sagte Kessing. Dies habe unter anderem auch dazu geführt, dass in den 1980er-Jahren ein Stadtarchiv eingerichtet und der neu bestellte Stadtarchivar Stefan Benning mit der Aufarbeitung der Stadtgeschichte beauftragt wurde.

„Günther Bentele hatte das Talent, das Interesse der Menschen für die Geschichte dieser Region zu wecken“, so der Oberbürgermeister. Der Geschichtsverein, den er 1984 mit anderen zusammen gründete, sei ein wichtiges Instrument in diesem Bemühen. Die Einführung von regelmäßigen Stadtführungen, die Gestaltung der historischen Stadtrundgänge, die Veröffentlichung weiterer Schriften zur Bau- und Ortsgeschichte der Stadt und die Mitwirkung am Stadtgeschichtsbuch „Bietigheim 789 – 1989“ waren weitere Meilensteine.

Bemerkens- und anerkennenswert sei ebenso die aktive Rolle im Kulturbeirat der Stadt, in dem sich Bentele seit über 40 Jahren bis heute aktiv einbringt. 2016 wurde er bereits mit der Gedenkmedaille der Stadt Bietigheim-Bissingen für kulturelle Leistungen geehrt. Darüber hinaus habe sich Günther Bentele seit 1996 auch als Schriftsteller einen Namen gemacht, so Jürgen Kessing (siehe Infokasten).

 
 
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