Gegen 9.30 Uhr morgens an einem Samstag. Es herrscht bestes Frühlingswetter am Bietigheim-Bissinger Bahnhof, an dem sich die Haltestelle elf langsam füllt. Die Fahrgäste warten auf den Stromer, die Linie 572 der Friedrich Müller Omnibus-Firma. Der Rad- und Wanderbus fährt, sobald der Freizeitpark Tripsdrill in Cleebronn im Frühjahr öffnet, an den Wochenenden und an Feiertagen vom Bahnhof über Löchgau, Erligheim, Bönnigheim, Tripsdrill und Freudental bis ins Kirbachtal nach Häfnerhaslach und wieder zurück. Aufgrund von Bauarbeiten endet die Strecke noch bis Ende April beim Freizeitpark, ab Mai fährt der Stromer wieder seine eigentliche Route.
Bus „Stromer“ Mit dem Stromer in 27 Minuten nach Tripsdrill
Die Linie 572 mit dem Namen Stromer fährt den Freizeitpark und weitere Ausflugsmöglichkeiten an. Die BZ ist mitgefahren.
Familienausflug in Freizeitpark
Einige jugendliche Freundesgruppen haben sich schon eingefunden, und die Wartezeit vertreiben sich kleinere Kinder mit Klatschreimen. David Grolms wartet mit seinen beiden Töchtern auch auf den Stromer. „Wir fahren immer mit der Bahn, da ich kein Auto habe, und von Stuttgart aus gibt es eine gute Route nach Tripsdrill“, erzählt er. Letztes Jahr seien sie schon einmal mit dem Stromer in den Freizeitpark gefahren, das wird nun wiederholt. Auf das Karussell, die Raupe und den Zug freuen sich die beiden Mädchen am meisten.
Mit etwas Verspätung kommt der Stromer um 9.50 Uhr dann an die Haltestelle gefahren, lädt alle ein und fährt los. Busfahrer Isuf Hasani ist ein bisschen gestresst – wegen des Verkehrs und der Baustellen kam er schon zu spät, und während der Fahrt machen sich offenbar Fahrgäste einen Spaß daraus, an den Haltestellen Stopps anzufordern, ohne dann auszusteigen. Durch das ständige Anhalten würden noch ein paar Minuten draufkommen, ärgert sich Hasani. Wenn an den kommenden Haltestellen niemand steht (und auch niemand unnötig die Stopptaste drückt), kann er einfach durchfahren, wenn alle Fahrgäste nach Tripsdrill wollen.
Die Fahrradmitnahme nutzt an diesem Samstag nur ein Fahrgast. Der Stromer hat einen Radanhänger, auf dem 20 Räder befestigt werden können. Nun muss Hasani aussteigen – er greift noch nach dem Köfferchen mit der Aufschrift „Stromer“, das Spanngurte enthält, und befestigt das Rad. Eine Tour wolle der Radfahrer heute nicht machen, erzählt er – aber sein Rad müsse in die Werkstatt. Der Bus, der 39 Sitze und 43 Stehplätze hat und bis zum Anschlag voll ist, erreicht schon bald das ersehnte Ziel: den nicht minder vollen Parkplatz des Freizeitparks. Es ist die erste Saison, in der Hasani den Stromer fährt, erzählt er während seiner Pause vor dem Freizeitpark. Seit zwei Jahren arbeitet er als Busfahrer, davor war er unter anderem auf der Baustelle, habe sich dann aber nach einer körperlich weniger anstrengenderen Arbeit gesehnt.
Busfahrer ist zufrieden
Bis jetzt sei er mit seinem Beruf völlig zufrieden: „Die Arbeit macht mir Spaß. Die Firma ist gut organisiert bei solchen Dingen wie dem Stromer, das macht sie gut. Es arbeiten auch alle gemeinsam im Team.“ Den Stromer wolle nicht jeder fahren, weil er Wochenendarbeit bedeutet.
Es sei auch etwas anstrengender als andere Linien, wenn Fahrradfahrer kommen und man bei jedem aussteigen und das Rad befestigen müsse, das koste zusätzliche Zeit. Außerdem braucht der Busfahrer einen Anhängerführerschein, und auch den hätten nicht alle Kollegen. Aber Hasani wurde gefragt, ob er den Stromer fahren wolle, und er sagte zu. „Die meisten wollen direkt nach Tripsdrill“, weiß er, und es seien oft nur ein bis zwei Leute, die an anderen Haltestellen ausstiegen. Von Kollegen, die den Stromer bereits gefahren sind, habe er aber auch gehört, dass bei schönem Wetter gerade bei der letzten Fahrt am Abend viele Radfahrer mitfuhren. Es würde aber auch einige ältere Fahrgäste geben – die gingen aber eher ins anliegende Wildparadies.
Leer zurück zum Bahnhof
Nach seiner Pause fährt Hasani gegen 10.40 Uhr vor den Eingang des Parks und öffnet die Bustüren – zu dieser Zeit will natürlich noch niemand wieder abreisen, und so macht sich der leere Bus auf seinen Rückweg. Erst zurück in Bietigheim-Bissingen steigen vereinzelt wieder Leute ein – sie machen keinen Ausflug mit dem Stromer, sondern wollen nur zum Bahnhof. Hasani begrüßt jeden von ihnen beim Einstieg einzeln.
