Bushaltestellen in Bönnigheim „Das ist ein Schildbürgerstreich“

Von Birgit Riecker
Nach dem barrierefreien Umbau der Bushaltestelle in Hofen gibt es gibt es für das geplante, abgesprochene und dringend gewünschte Buswartehäuschen neben dem Radweg keinen Platz mehr. Foto: /Jürgen Kunz

Der barrierefreier Umbau von Bushaltestellen im Auftrag des Landkreises abrupt geändert – Stadt erfährt nur „zufällig“ davon.

Mit einer bösen Überraschung für die anwesenden Stadträte endete am Donnerstagabend die Sitzung des Technischen Ausschusses. „Der barrierefreie Ausbau der südlich gelegenen Bushaltestelle am Ortseingang von Hofen wurde ohne Absprache mit der Stadt geändert“, gab Bürgermeister Albrecht Dautel bekannt. Bauherr ist der Landkreis. „Wir haben zufällig davon erfahren“, ergänzt er. Anders als mit der Stadt abgesprochen soll dort nun die Busbucht erhalten bleiben. Ebenso sollen die Busbuchten an der Sonnenhalde in beide Fahrtrichtungen erhalten bleiben. „Wir wollen jetzt erst einmal recherchieren, wie es dazu kommt“, sagte Dautel weiter. Das sei zunächst keine gute Lösung, da am Ortseingang Hofen das geplante, abgesprochene und dringend gewünschte Buswartehäuschen neben dem Radweg keinen Platz mehr habe.

„Das ist einfach Schwachsinn, es jetzt so zu machen“, schimpfte Stadtrat und Verkehrsingenieur Michael Gerdes (UWG). „Da warten die Schüler, die brauchen ihr Haus“, sagte er weiter. Und der Bushalt entlang der Straßenkante entschleunigte den Verkehr. „Wir müssen intervenieren“, forderte er. Für seinen Hofener Ratskollegen Hans-Martin Jäger (UWG) ist die neue Lösung ein „absoluter Schildbürgerstreich“. Er halte den abgesprochenen Ausbau auf der Nordseite mit einer Verbreiterung des Geh- und Radwegs für richtig. Doch zum Wegfall des Wartehäuschens gegenüber sagt er pointiert: „Geht. Nicht. Punkt“. Ratskollege Frank Müller (CDU/FWV) äußerte zudem Zweifel, ob ein Gelenkbus in den geplanten Haltebuchten ein barrierefreies Zu- und Aussteigen möglich mache.

Was sagt das Landratsamt dazu? Die Pläne hätten angepasst werden müssen, weil die ursprünglich vorgesehene Ausführungsart als Fahrbahnrandhaltestelle dazu geführt hätte, dass Fahrzeuge, die einen haltenden Bus überholen wollen, über den anderen Fahrstreifen fahren müssen. Aufgrund der Örtlichkeiten mit Kuppen und außerorts Tempo 100 hätte dies zu gefährlichen Verkehrssituationen führen können. „In Abstimmung mit der Verkehrsbehörde und der Polizei wurde daher entschieden, dass die Beibehaltung von Busbuchten an den Haltestellen Sonnenhalde (beide Richtungen) und Hofen (ortseinwärts) die sicherere Variante darstellt“, schreibt die Pressestelle. Auf die Frage, warum die Stadt nicht über die geänderte Ausführung informiert wurde, heißt es: „Die Umplanung wurde in Abstimmung mit der Baufirma in Pläne umgesetzt, um den Umbau noch vor dem Winter fertigstellen zu können. Die Gemeinde hat die entsprechend angepassten Plänen zum gleichen Zeitpunkt erhalten wie das LRA auch.“

Stadt hat Pläne angefordert

Datiert sind die Pläne vom 8. November. Baubeginn war der 7. November. Das lässt Bürgermeister Albrecht Dautel aufhorchen: „Wir haben die Pläne angefordert, nachdem einem Mitarbeiter von uns an der Baustelle aufgefallen ist, dass die Ausführung nicht der Absprache entspricht.“ Das Landratsamt versichert zudem, dass die Buchten den Anforderungen an einen barrierefreien Ausbau entsprechen. „Ja, es gibt für solche Buchten von den Radien der Bordsteine im An- und Ausfahrtsbereich Vorgaben, die bei Umplanung der Haltestellen zu Buchten umgesetzt wurden“, teilt die Pressestelle des Landratsamt auf Nachfrage mit.

Dass der Platz für das Buswartehäuschen wegfällt, will das Landratsamt offensichtlich nicht. Die Pressestelle versichert: „Grundsätzlich können die Buswartehäuschen, sofern das notwendige Fundament beim Bau mit hergestellt wird, überall eingebaut werden. Im Laufe der kommenden Woche wird der neue Standort im Rahmen eines Ortstermins unter Beteiligung der Gemeinde festgelegt.“ Ergänzend teilt das Landratsamt mit, dass der vorhandene Geh- und Radweg beim Ausbau der Haltebuchten in der Sonnenhalde eine neue Fahrbahndecke erhalte und die Schadstellen in der unteren Asphaltschicht ausgebessert werden.

Hofener Familien in Sorge

Eltern von Schulkindern tragen ihre Sorgen wegen des hohen Verkehrsaufkommens und der häufig rücksichtslosen Fahrweise in Hofen regelmäßig in der Bürgerfragestunde vor. Stadt- und Kreisrätin Dorothea Bechtle-Rüster (SPD) nahm dies zum Anlass, dem Verkehrsdezernenten des Landkreises eine Temporeduzierung und eine Verlegung des Ortsschildes sowie die Schaffung sicherer Überwege vorzuschlagen.

„Dass die Ausbaupläne für die Bushaltestellen aufgrund meines Schreibens so kurzfristig geändert wurden, halte ich für unwahrscheinlich“, sagt Bechtle-Rüster. Auch Bürgermeister Albrecht Dautel meint mit einem Augenzwinkern, das wäre allerdings „sensationell“.

Zugesagt wurde Gemeinderätin Bechtle-Rüster vom Landratsamt zumindest, dass an der Ortsausfahrt Hofen ein Überholverbot mit Markierung und Beschilderung zwischen der Einmündung der Kreisstraße 1629 bis kurz nach der Bushaltestelle angebracht werde. Damit sei das Überholen des Busses verboten.

 
 
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