BVB-Star Amelie Berger im Interview "Der Pokalsieg ist ein Titel, der für immer bleibt"

Von Sebastian Klaus
Mit dem Pokalsieg hatte sich Amelie Berger im vergangenen Sommer aus Bietigheim in Richtung Dortmund verabschiedet. Mit dem BVB will sie nun erneut den großen Wurf landen. ⇥ Foto: Marco Wolf/Imago

Amelie Berger spricht vor ihrer Rückkehr nach Bietigheim mit Borussia Dortmund zum Pokal-Viertelfinale über die beiden Topklubs.

Im Viertelfinale des DHB-Pokals kommt es am heutigen Samstag (19.30 Uhr) in der Bietigheimer Halle am Viadukt zum Gigantentreffen zwischen den beiden Bundesliga-Granden SG BBM Bietigheim und Borussia Dortmund. Für Amelie Berger wird es ein ganz besonderes Spiel. Die Rechtsaußen war im Sommer nach zwei Jahren im Ellental in den Ruhrpott gewechselt. Im BZ-Interview steht die 22-jährige Nationalspielerin vor dem Spitzenspiel Rede und Antwort.

Frau Berger, wie haben Sie sich nach zwei Jahren im eher ländlichen Bietigheim in der Großstadt Dortmund eingelebt?

Amelie Berger: Ich muss sagen sehr gut. Ich war selbst überrascht davon, wie grün es in Dortmund ist. Ich wohne mit meinem Freund zusammen in der Nähe der Halle im Süden der Stadt. Hier ist es sehr ruhig. Und trotzdem ist man in nur zehn Minuten in der Innenstadt. Während meiner Zeit in Bietigheim musste ich zum Shoppen mit dem Auto nach Ludwigsburg oder ins Breuningerland fahren, das geht jetzt einfacher. 

Apropos Bietigheim. Wie ist denn Ihr Kontakt zu den ehemaligen SG-Mitspielerinnen?

Viele von ihnen habe ich ja noch im Dezember bei der Weltmeisterschaft in Spanien getroffen. Das war richtig schön. Mit Julia Maidhof habe ich mir bei der WM ein Zimmer geteilt. Wir haben ein wirklich enges Verhältnis. Aber auch den anderen Mädels bin ich noch sehr verbunden. Laui (Antje Lauenroth, Anm. der Redaktion) zum Beispiel, die sich bei meiner Ankunft in Bietigheim sehr um mich gekümmert hat. Wenn wir uns jetzt im Pokal wiedersehen werden, wird zwar auf dem Spielfeld gekämpft, aber danach freue ich mich einfach darüber, alle wiederzusehen. 

Gibt es Unterschiede zwischen der SG BBM und dem BVB?

In Dortmund dreht sich alles um den Fußball. Wenn ich dort in meinen Trainingsklamotten durch die Stadt laufe, denken alle, ich wäre ein Fußball-Fangirl. Schließlich läuft in Dortmund jeder so rum. In Bietigheim war das anders. Da wurde ich schon häufiger erkannt und von den kleineren Mädchen auch nach einem Autogramm gefragt. 

Und wie unterscheiden sich die beiden Trainer Markus Gaugisch und André Fuhr Ihrer Meinung nach?

Bei Markus merkt man sofort, dass er Lehrer ist. Er argumentiert sehr sachlich und versucht, immer alle Spielerinnen mit ins Boot zu holen. Bei André ist die Lautstärke in den Auszeiten eine ganz andere. Er ist deutlich kritischer, hat aber auch immer gleich Lösungsvorschläge parat. Man kann aber sagen, dass beide Trainer nicht ohne Grund bei den beiden besten deutschen Teams unter Vertrag stehen. 

Zuletzt war selbst in der taz von den ausbaufähigen Trainingsbedingungen bei den BVB-Handballerinnen zu lesen. Im Artikel stand, dass Sie einmal vor einer verschlossenen Halle standen.

Wie in Bietigheim trainieren wir auch in einer Schulsporthalle. Da müssen wir warten, bis die Schüler mit ihrem Programm fertig sind. Das ist natürlich schon ein bisschen schade. Derzeit wird eine neue Halle gebaut, die Fertigstellung wird allerdings noch dauern. 

Aus der Entfernung betrachtet. Wie sehen Sie die SG BBM im Vergleich zur Vorsaison?

Der Kader hat sich in der Breite verbessert. Das macht den Unterschied. In der letzten Saison sind beispielsweise Karolina Kudłacz-Gloc mit einer Schulterverletzung, Julia Maidhof mit einer kaputten Nase oder Stine Jörgensen aufgrund ihrer Schwangerschaft alle ausgefallen. Das war Pech und für uns nur schwer zu kompensieren. Auch in Dortmund haben wir in dieser Saison mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Gleich drei Spielerinnen haben Kreuzbandrisse, eine hat einen Bandscheibenvorfall. Da mussten wir im Laufe der Saison noch den Kader nachjustieren. Dazu kommt die Doppelbelastung in der Champions League, die wir im Gegensatz zu Bietigheim seit Saisonbeginn haben. 

Sie haben in dieser Saison schon zweimal gegen Ihren Ex-Klub gespielt. Einmal im Supercup, einmal Anfang Januar in der Liga. Beide Male setzte es deutliche Niederlagen für Ihr Team. Waren Sie selbst überrascht von der Stärke der SG?

Das eigentlich nicht, denn ich wusste ja, wie gut Bietigheim ist. Ich finde es aber schade, wie wir die beiden Spiele bestritten haben. Im Supercup vor Saisonbeginn hatten wir noch ein komplett neu zusammengestelltes Team, da tat die Niederlage nicht ganz so weh. Aber wenn man sieht, wie wir in der Champions League gegen Teams wie Brest oder Budapest mitgehalten haben, die sicherlich nicht schlechter sind als Bietigheim, hatten wir uns für das Spiel zuletzt in Stuttgart mehr ausgerechnet. 

Was wollen Sie denn jetzt im Pokal anders machen als in den zwei Spielen gegen Bietigheim davor?

Wir sollten uns vor Bietigheim nicht in die Hose machen, sondern müssen einfach befreiter aufspielen als in den beiden anderen Spielen. Da waren wir zu verkrampft. Man darf nicht vergessen, dass wir im Vergleich zur SG eine sehr junge Truppe haben, die nicht so erfahren ist wie Bietigheim. Aber wenn wir auftreten wie in der Champions League, dann haben wir eine Chance. In der Bundesliga haben wir es mit dem siebten Feldspieler versucht, aber das ist immer ein Spiel mit dem Feuer. Deshalb bin ich gespannt, wie André uns einstellt. 

Bei dem souveränen Auftreten der SG BBM in dieser Saison, was rechnen Sie sich mit dem BVB in diesem Jahr noch aus?

In der Bundesliga wird es mit der Meisterschaft natürlich ganz schwierig. Denn selbst wenn wir das Rückspiel gewinnen sollten, hat Bietigheim ein viel besseres Torverhältnis als wir. Die gewinnen ja gefühlt jedes Spiel mit mindestens zehn Toren Differenz. In der Champions League stehen wir sehr gut da und haben schon sieben Punkte Vorsprung auf den ersten Platz, der nicht mehr für die Zwischenrunde reicht. Das ist ein ordentlicher Puffer. Und natürlich wollen wir ins Pokal-Final-Four. Den Pokal in der letzten Saison mit Bietigheim gewonnen zu haben, war schon sehr cool. Es ist ein Titel, der für immer bleibt.

 
 
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