BZ-Aktion Kinderschutzbund: Hilfe für Kinder, Jugendliche und Eltern

Von Heidi Falk
Der Kinderschutzbund Ludwigsburg, der für den Kreis Ludwigsburg zuständig ist, will Kindern und Jugendlichen und Eltern in schwierigen Situationen Hilfe bieten. Dafür gibt es Projekte, die auf verschiedene Lebenslagen zugeschnitten sind. Foto: Susanne Tessa Müller

Mit verschiedenen Projekten will der Kinderschutzbund helfen, wo Hilfe benötigt wird. Die Einrichtung wird in diesem Jahr von der BZ-Aktion unterstützt.

Armut, fehlende Chancengleichheit, Gewalterfahrungen, schwierige Verhältnisse zwischen den Eltern, fehlende Sprachkenntnisse – es gibt viele Umstände, die bereits in jungen Jahren zu großen Sorgen und Problemen führen können. Der Kinderschutzbund Ludwigsburg, der für den ganzen Landkreis Ludwigsburg zuständig ist, will für Kinder, Jugendliche, aber auch Eltern da sein und mit verschiedenen Angeboten helfen, wo geholfen werden kann.

Gerade in Zeiten klammer Kassen sei die finanzielle Unterstützung so wichtig, berichten die Vorstandsvorsitzende Christa Holtzhausen und Mitarbeiterin Sabine Uhl im Gespräch mit der BZ und sprechen damit auch den BZ-Leserinnen und -Lesern, die sich an der diesjährigen BZ-Aktion Menschen in Not beteiligen, ihren Dank aus. Der Kinderschutzbund ist in diesem Jahr unter den Spendenempfängern.

„Für die Sprach- und Spielkiste etwa wurden die Gelder vom Landkreis komplett gestrichen“, berichtet Holtzhausen weiter. Ohne die nötigen Mittel könnte dieses wichtige Projekt, das es seit 2015 gibt, und in dem es um Sprachförderung für Flüchtlingskinder in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften geht, nicht weiterhin durchgeführt werden. Und das, obwohl Ehrenamtliche dafür im Einsatz sind – „und die engagieren sich mit so viel Herzblut und Liebe“, so die Vereinsvorsitzende, die selbst auch ehrenamtlich tätig ist.

„Die Freude ist überwältigend“

Viele der Kinder in den Unterkünften kehren vermutlich wieder in ihr Heimatland zurück, „wir wollen den Kindern vor Ort eine gute Zeit bereiten“, erklärt sie und weiter: „Man lässt die Kinder und ihre Eltern kurz vergessen, dass sie die unerwünschtesten Personen sind. Die Freude ist überwältigend, sie gibt einem selbst auch viel.“ Auch die Kitas und Schulen könne das Projekt ein Stück weit entlasten – aber eben nicht ohne Finanzierung. In einzelnen Kommunen hätten Institutionen die Finanzierung gesichert, zum Beispiel die Kreissparkassen-Stiftung in Bietigheim-Bissingen. Jedoch sei etwa in Asperg, wo Holtzhausen selbst aktiv ist, noch kein Sponsor gefunden und die Fortführung daher ungewiss.

Der Kinderschutzbund hat aber auch viele andere Projekte, etwa das Kinder- und Jugendtelefon, die „Nummer gegen Kummer“, 116 111. Dabei handelt es sich um ein kostenloses Gesprächsangebot, bei dem Kinder und Jugendliche aller Altersstufen ihre Sorgen und Ängste mit einer geschulten Ansprechpartnerin besprechen können. Verantwortlich für die Koordination im Kreis ist Sabine Uhl, eine der neun Hauptamtlichen des Kreis-Kinderschutzbunds, die sich gemeinsam fünf Vollzeitstellen teilen.

Uhl ist seit März dieses Jahres Teil des Teams und übernimmt neben der Telefon- und Onlineberatung auch Tätigkeiten in der Verwaltung. „Es macht mir hier in jeder Hinsicht Spaß. Auch weil unser Vorstand so viel Weitblick hat und unglaublich engagiert und immer erreichbar ist, Halt gibt. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt sie. Wichtig sei jedoch für die hauptamtlichen Kräfte natürlich auch, dass ihr Job gesichert ist – gerade in unsicheren Zeiten wie diesen, sagt Holtzhausen. Planungssicherheit sei auch für die vielen Ehrenamtlichen wichtig. Nicht zuletzt, weil die Freiwilligen eine Ausbildung absolvieren, die über 100 Stunden, verteilt auf ein halbes Jahr, umfasst. Nur so könne gewährleistet werden, dass die Ehrenamtlichen mit den vielen unterschiedlichen, oft auch schwierigen Aufgaben umgehen können, mit denen sie beim Kinderschutzbund in Kontakt kommen.

Beim Projekt Familienpaten zum Beispiel kommt ein Ehrenamtlicher für maximal ein Jahr als Unterstützung in eine Familie, in der Regel ein Mal pro Woche. Beispielsweise kann nach der Geburt bei der Betreuung des Geschwisterkinds unterstützt werden oder es wird Alleinerziehenden nach Trennungs- und Scheidungssituationen beigestanden.

Beim Begleiteten Umgang wiederum trifft nach einer Scheidung das Kind den getrennt lebenden Elternteil in einer sicheren, kindgerechten Umgebung. Eine allparteiliche, geschulte Begleitperson sorgt dabei für Ruhe und Sicherheit, damit das Treffen gut und entspannt verläuft – für Kind und Eltern.

Jedes Jahr veranstaltet der Kreis-Kinderschutzbund auch eine Sommerferienfreizeit für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren. Pro Woche wird eine Gruppe mit je 25 Kindern von einem fünfköpfigen Betreuer-Team begleitet. Die Kosten werden von den Eltern übernommen, wenn das nicht möglich ist, stellt der Verein aber auch kostenlose Plätze zur Verfügung, damit jedes Kind teilnehmen kann, unabhängig vom Gehalt der Erziehungsberechtigten. Daher ist Holtzhausens Wunsch von der Politik auch, den Kindern Chancengleichheit zu ermöglichen durch kostenfreie Betreuung und Bildung.

„Wir haben viele weitere Ideen für neue Projekte“, sagt die Vorstandsvorsitzende. So zum Beispiel „Starke Eltern, starke Kinder“, ein Projekt, das der Bundesverband des Kinderschutzbunds bereits vielerorts anbietet. Dabei geht es um einen Elternkurs, der mehr Leichtigkeit und Freude in den Alltag und ins Familienleben bringen möchte. Und das durch das Erarbeiten von Antworten auf Fragen wie: Was ist mir wichtig in der Erziehung? Wie kann ich mein Kind unterstützen? Wie lösen wir Konflikte? Diesen Kurs versucht der Kinderschutzbund nun auch im Kreis aufzubauen. Bereits jetzt gibt es flankierend zum Kinder- und Jugendtelefon das Elterntelefon (0800 1110 550), wo sich Eltern kostenlos Hilfe suchen können, wenn sie sich überfordert fühlen oder vor kaum lösbaren Problemen stehen.

 
 
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