BZ-Aktion: Kreis Ludwigsburg unterstützt Ukraine Hilfsgüter sind unterwegs

Von Heidi Vogelhuber
Ulrich Hirsch (Mitte) und seine ehrenamtlichen Helfer beluden in Sachsenheim auf dem Gelände des Möbelhauses Schmid’s Domino am Dienstag den LKW mit den Hilfsgütern für die ukrainischen Waisenkinder, die im polnischen Lodz untergebracht sind. ⇥ Foto: Martin Kalb

Geschäftiges Treiben bei Schmid’s Domino in Sachsenheim. Ein Hilfstransport, der unter anderem vom Gustav-Adolf-Werk organisiert wurde, sammelte am Dienstag in Bietigheim-Bissingen, Sachsenheim, Vaihingen und Wangen Hilfsgüter ein.

Alles muss nochmal raus, um die ganzen Hilfsgüter sauber in den 40-Tonner laden zu können. Schwere Paletten unten, leichte Waren, wie Decken und Schlafsäcke, kommen oben drauf“, erklärte Ulrich Hirsch das geschäftige Treiben auf dem Gelände von Schmid’s Domino in Sachsenheim am Dienstagvormittag. Gut 20 Freiwillige liefen umher, griffen zu, wo eine Hand benötigt wurde. Denn der 36 000 Kilo schwere, 13 Meter lange, 2,8 Meter hohe LKW kann mit einer Nutzlast von 30 Tonnen beladen werden, daher wurden die Waren ordentlich bis zur Decke gestapelt. Dabei unterstützte ein Gabelstaplerfahrer des Sachsenheimer Heizölhändlers Baumgärtner. Es darf nichts rutschen und wackeln auf der 1000 Kilometer langen Fahrt, die am Mittwoch um die zwölf Stunden dauern wird. Es soll schließlich alles heil im polnischen Lodz ankommen.

Erster Transport für Flüchtlinge

Dorthin gehen nämlich die ganzen Hilfsgüter, die Ulrich Hirsch, langjähriger Geschäftsführer des Gustav-Adolf-Werks Württemberg und mittlerweile ehrenamtlicher Projektleiter der GAW-Hilfstransporte Osteuropa, zusammengetragen und koordiniert hat (die BZ berichtete). Das GAW hat schon viele Transporte organisiert, bereits im Jahr 2000 wurden Pflegebetten nach Osteuropa geschafft, im vergangenen Jahren waren es sieben Möbeltransporte in fünf osteuropäische Länder. Auch dieses Jahr hat das GAW bereits eine Fahrt nach Tschechien und eine nach Rumänien unternommen. Der Verein unterstützt vor allem evangelische Minderheiten. „Erstmals transportieren wir nun auch Hilfsgüter für Kriegsflüchtlinge“, erklärte Hirsch.

Das Ziel des LKW, dessen Fahrt ebenso eine Spende ist, sind drei Kinderheime in der polnischen Stadt Lodz, in der 300 ukrainische Waisenkinder untergebracht sind. Lodz ist eine Partnerstadt Stuttgarts und so sei auch die Verbindung zustande gekommen. Man sei auf Hirsch zugekommen, denn der 69-Jährige ist bekannt für seine guten Kontakte und dafür, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Es wirkte wie gewollt, auch wenn es sich schlichtweg so ergeben hat: die Farben des Vereins sind Blau und Gelb, ebenso wie die Farben der ukrainischen Flagge und so passte Ulrich Hirschs blaues Hemd und gelbes T-Shirt nur zu gut zu seiner derzeitigen Aufgabe. Auch das Sachsenheimer Möbelhaus werde am Dienstagabend in den Farben Blau und Gelb angestrahlt, verriet Geschäftsführer Martin Schmid. Das ganze Projekt liege ihm persönlich am Herzen.

Er hatte sein Lager zur Verfügung gestellt, um die eintrudelnden Hilfslieferungen – ob verschweißte Paletten mit Gütern von Lebensmittel- und Drogerieläden oder einzelne Kartons von Privatpersonen – zu sammeln und final in den LKW zu laden. „Die unkoordinierte Anlieferung der Paletten und Pakete war die größte Herausforderung. Aber unser Lagermeister hat das alles koordiniert und hatte stets den Überblick“, lobte Schmid.

„Die ganze Prozedur hier hat einen Wert von 40 000 Euro, habe ich überschlagen“, teilte Hirsch mit. Dabei seien unter anderem Waren von der Drogeriekette dm im Wert von 15 000 Euro, ebenso habe die Sachsenheimer Schlossapotheke Medikamente im Wert von etwa 3000 Euro gespendet, hinzu kamen Wasser-Spenden von Alwa, Fontanis und Ensinger sowie Möbelspenden von Schmid’s Domino und dem Bietigheim-Bissinger Erlebnis-Wohnzentrum Hofmeister.

Benötigtes zugekauft

„Wir waren aber auch für fast 10 000 Euro in der Metro einkaufen nach Wunschlisten von unseren Partnern vor Ort“, so Hirsch. Die Einkäufe wurden aus Spendengeldern getätigt, unter anderem auch aus der Spendensammlung der BZ-Aktion Menschen in Not. Hirsch ist eines sehr wichtig: „Ich bin nicht bereit, Schrott ins Land zu liefern.“ Alles seien Dinge, die zu gebrauchen sind, größtenteils fabrikneu. Schmid’s Domino spendete beispielsweise Matratzen, Stühle, kleine Tische und vor allem Kindermöbel, „denn die Lieferung geht ja an Kinderheime“, so Martin Schmid. „Wir bekommen die Möbel zum Einkaufspreis, das ist ein ganz anderer Hebel“, sagte er.

Noch während des Gesprächs mit der BZ bekam Hirsch einen Anruf, der ihn zum Strahlen brachte: „Auch unser nächster Transport ist gesichert, mir wurde gerade ein LKW angeboten“, sagte er. Die nächste Fahrt wird an die ungarisch-ukrainische Grenze gehen. Auch dort sollen Kriegsflüchtlinge unterstützt werden.

 
 
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