BZ-Aktion Wenn das Leben aus dem Ruder läuft

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Natalie Vivaldi (links) und Claudia Dressler vom Familienzentrum der Caritas in Bietigheim-Bietigheim. Foto: Martin Kalb

Die Beraterinnen des Caritas-Familienzentrums in Bietigheim-Bissingen berichten an Hand von Einzelschicksalen über ihre täglichen Herausforderungen.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten werden Spendengelder der BZ-Aktion in jedem Jahr auch dem Caritas-Familienzenrum für ihre Arbeit und damit für unbürokratische Hilfe für Menschen in Not zur Verfügung gestellt. Wenn die Beraterinnen jährlich anhand von Einzelschicksalen über ihre täglichen Herausforderungen berichten, wird deutlich, wie wichtig die Spendengelder der BZ-Leser sind.

Am Vormittag ist der Terminkalender der Beraterinnen im Caritas-Familienzentrum schon voll belegt. Die Klienten kommen mit ganz unterschiedlichen Anliegen, aber wie so oft in existenzieller Not:

Herr R. wendet sich hilfesuchend an die Beraterin, da das Energieunternehmen der Familie mit einer Stromsperre droht. Zur Familie gehören fünf Kinder im Alter von drei bis achtzehn Jahren. Herr R. arbeitet ganztags, neben seinem Lohn erhält die Familie Kindergeld, Kinderzuschlag und Wohngeld. Das Budget ist eng, aber Herr R. ist stolz, dass seine Familie ohne Leistungen des Jobcenters auskommt. Bei der letzten Jahresabrechnung des Stroms fiel die Nachzahlung sehr hoch aus, so dass Herr R. eine Ratenzahlung über acht Monate mit dem Energieunternehmen vereinbarte.

Stromsperre verhindert

Bei der vorletzten Rate ist Herr R. in Verzug geraten und das Energieunternehmen hat die Restschuld zur sofortigen Fälligkeit gestellt und eine Stromsperre angedroht. Mit einem Zuschuss aus dem Caritas-Spendentopf wird der offene Betrag direkt an das Energieunternehmen überwiesen. Damit wird die Stromsperre für die siebenköpfige Familie verhindert.

Frau B. kommt zur Beraterin, sie ist alleinerziehende Mutter mit einem zwölfjährigen Sohn und einer dreijährigen Tochter. Sie ist mit ihren eigenen Alltagsanforderungen und derjenigen der Kinder überfordert. Dies führte nach Geburt der Tochter dazu, dass sie die ersten Untersuchungen beim Kinderarzt nicht wahrgenommen hat und sich dann nie mehr getraut hat, mit ihrer Tochter zum Arzt zu gehen. Bei Aufnahme in den Kindergarten kommt dieses Problem zu Tage. Zudem kann Frau B. seit Monaten nicht mehr heizen, weil das Gas abgestellt wurde.

Angst vor den Behörden

In dieser verfahrenen Situation wendet sich Frau B. an die Caritas, weil sie große Ängste vor der Reaktion von Behörden hat. Im vertraulichen Gespräch ermittelt die Sozialarbeiterin den Hilfebedarf und unterstützt Frau B. über einen längeren Zeitraum im Rahmen des Alltagsmanagement. Die Tochter hat jetzt einen Platz im Kindergarten und Frau B. wird durch das Jugendamt unterstützt. Die Gasrückstände wurden nach Kontaktaufnahme durch die Beraterin vom Jobcenter übernommen, die Rechnung für die notwendige professionelle Überprüfung des Gasanschlusses durch einen Handwerker übernimmt die Caritas.

Auch Frau A. ist alleinerziehend und hat viele Hürden zu meistern. Sie ist gelernte Krankenschwester und chronisch krank. Mit ihrer Schuppenflechte und einem akuten Bandscheibenvorfall kann sie schon längere Zeit nicht mehr arbeiten. Bisher konnte Frau A. von ihrem Gehalt plus Unterhalt und Kindergeld für die Tochter leben. Durch den Eintritt in die Krankengeldzahlung ist ihr ohnehin schon enges Budget massiv geschrumpft und reicht nicht mehr für Miete und Lebensunterhalt. Mit Unterstützung der Sozialarbeiterin wird überprüft, ob und welche ergänzende Sozialleistungen Frau A. zustehen.

Professionelle Hilfe

Krankheit, Schwangerschaft, drohender Wohnungsverlust, die Sperre von Strom oder Gas, zu wenig Geld für benötigte Medikamente oder fehlende Alltagskompetenz lassen das Leben aus dem Ruder laufen. Dies ist ein kleiner Einblick in die Lebenswirklichkeit der Menschen, denen die Beraterinnen im Familienzentrum der Caritas, immer wieder dringend benötigte, professionelle Hilfe leisten.

Neben der Allgemeinen Sozialberatung und dem sozialen Alltagsmanagement der Caritas, bietet  der Sozialdienst Katholischer Frauen jeden Freitagvormittag Schwangerschaftsberatung im Familienzentrum an.

Offenen Sprechstunde

Neu ab Dezember 2019 gibt es Montagvormittags von 9 bis 12 Uhr eine offene Caritassprechstunde für neu zugewanderte Migrantinnen und Migranten und für Jugendliche mit Migrationshintergrund. Fragen rund um das Thema Integration, wie die Suche nach dem passenden Sprachkurs, Voraussetzungen zur Ausbildung, Aufenthalt und Familiennachzug werden von den Profis der Migrationsberatung beantwortet. Auch bei Problemen mit Ämtern und Behörden hilft die Migrationsberatung weiter.

Alle Informationen, auch zu den vielseitigen Kursen die im Familienzentrum stattfinden und den vorgestellten Beratungsangeboten findet man auf Caritas-Internetseite.

www.Caritas-ludwigsburg-waiblingen-enz.de

 
 
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