BZ-Interview mit Brian Ankersen “Bei uns gibt es noch viele Baustellen“

Von Sebastian Klaus
Sorgenvolle Miene: Für den ehemaligen Bietigheimer Trainer Brian Ankersen läuft es mit seinem Verein derzeit überhaupt nicht rund. Nun geht es gegen den Ex-Klub.⇥ Foto: Marco Wolf

In der Zweiten Liga trifft Bietigheim am Sonntag beim HSC 2000 Coburg mit Brian Ankersen auf jenen Coach, unter dem es für die SG BBM in der letzten Saison noch richtig gut lief.

Nach der Trennung von Coach Hannes Jón Jónsson war Brian Ankersen in der letzten Saison als Interimstrainer beim Zweitligisten SG BBM Bietigheim eingesprungen und hatte die Mannschaft noch von einem Abstiegsplatz ins vordere Tabellendrittel geführt. Nach der Übernahme von Iker Romero war Ankersen noch für die weibliche A-Jugend in der Bundesliga und die Reserve der Bietigheimer Bundesliga-Frauen in der Dritten Liga verantwortlich, bevor der 33-jährige Däne vor drei Wochen beim oberfränkischen Bundesliga-Absteiger HSC 2000 Coburg anheuerte. Mit seinem neuen Team trifft Ankersen am Sonntag (16 Uhr) in eigener Halle auf die ehemaligen Weggefährten aus Schwaben. Und der Däne benötigt dringend ein Erfolgserlebnis, schließlich verlor seine neue Truppe auch unter seiner Regie zwei von drei Spielen. Im BZ-Interview spricht Ankersen über die Unterschiede zwischen den beiden Vereinen und die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den alten Kameraden.

Herr Ankersen, wie liefen die ersten Wochen in der neuen Heimat?

Brian Ankersen: Es war schön und stressig zugleich. Da prasselten unheimlich viele neue Eindrücke auf mich ein. Ich muss noch immer vieles erst kennenlernen. Es gibt jedenfalls eine ganze Menge zu tun. Die guten Nachrichten sind auf alle Fälle, dass ich am Samstag endlich meine Wohnung beziehen kann, nachdem ich die letzten Wochen noch im Hotel untergekommen bin.

Inwieweit unterscheiden oder ähneln sich denn der HSC 2000 Coburg und die SG BBM Bietigheim? 

Ich würde sagen, dass beide Klubs sehr familiär sind. Hier arbeiten zum Beispiel viele Leute auf der Geschäftsstelle, die schon Jahre lang dabei sind. Und die Struktur hier ist sogar noch professioneller als bei der SG BBM. So müssen wir unsere Halle nicht mit anderen Mannschaften teilen. In Bietigheim mussten wir in der Viadukt-Halle ja warten, bis die Schüler raus waren.

Die sportlichen Voraussetzungen in Coburg scheinen ja ähnlich zu sein, wie seinerzeit bei Ihrem Amtsantritt in Bietigheim. Eine talentierte, aber verunsicherte Mannschaft, die weit unter ihren Möglichkeiten spielt.

Das stimmt. Wie damals die SG BBM sind auch wir gerade mitten im Abstiegskampf. Wir brauchen jeden Punkt. Und wenn wir hässlich spielen müssen, um zu gewinnen, werden wir das tun.

Am Mittwoch gab es den nächsten Rückschlag. Eine herbe 26:33-Packung gegen Mitabsteiger Eulen Ludwigshafen...

Das haben wir uns auch anders vorgestellt. Aber die hohe Niederlage hat mehrere Gründe. Zunächst lief die Vorbereitung auf das Spiel nicht ganz optimal, da wir in der Länderspielpause gleich drei Rückraumspieler für ihre Nationalteams abstellen mussten. Und dann hat sich im Spiel gegen die Eulen unser wohl wichtigster Spieler Tobias Varvne nach nur 16 Minuten verletzt und musste raus.

Wie erklären Sie sich sonst, dass ein Aufstiegsfavorit wie Coburg so hinter den Erwartungen zurückbleibt?

Das ist ja keine Sache, die der HSC exklusiv für sich hat. Anderen Mannschaften wie Bietigheim oder Gummersbach ging es nach ihren Abstiegen ähnlich. In der Zweiten Liga sind wir in fast jedem Spiel der Favorit.

Wo sehen Sie denn momentan die größten Schwierigkeiten?

Vor der Saison hatten wir einen Umbruch und mussten gleich sieben neue Spieler integrieren. Da müssen sich natürlich erst die Hierarchien finden und so etwas benötigt Zeit. Außerdem ist es so, dass wir meistens gut ins Spiel starten, die Spieler aber ihre Köpfe nach der ersten Negativsituation wieder hängen lassen. Deshalb müssen wir die Köpfe jetzt wieder freikriegen. Denn da fehlt einfach das Selbstvertrauen nach den jüngsten Ergebnissen.

In Bietigheim haben Sie sich jedes Training ihrer alten Mannschaft unter Iker Romero angeschaut. Wohl keiner kennt die Stärken und Schwächen ihrer ehemaligen Spieler damit so gut wie Sie.

Das ist zwar richtig, aber auch wenn es jetzt gegen meinen ehemaligen Verein geht, haben wir in unserer Situation überhaupt nicht die Möglichkeit, uns zu sehr mit dem Gegner zu beschäftigen. Wir müssen uns auf uns besinnen, denn es gibt viele Baustellen und noch eine Menge zu tun.

Wie groß ist die Anspannung vor dem Wiedersehen mit dem Ex-Klub?

Erstmals freue ich mich darüber, dass wir nur vier Tage nach der Niederlage gegen die Eulen Ludwigshafen die Chance haben, uns zu rehabilitieren. Aber natürlich ist das Spiel gegen Bietigheim etwas ganz besonderes für mich, zumal ich ja erst seit drei Wochen von da weg bin. Mit einigen Spielern habe ich immer noch Kontakt und mein Verhältnis zu Geschäftsführer Bastian Spahlinger und Iker Romero ist wirklich super. Nach dem Spiel werden wir sicherlich noch ein Bierchen zusammen trinken.

 
 
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