BZ-Serie: Ein Jahr im Weinberg „Ein Jahrgang mit Potenzial“

Von Jürgen Kunz
Der Erligheimer Wengerter Jörg Reichert erwartet einen „Jahrgang mit Potenzial“. Foto: /Martin Kalb

Im Erligheimer Weingut von Jörg Reichert hat am Donnerstag der Weinherbst begonnen. Am Montag hat er mit seinen zehn Helfern in einem 1970 angelegten Wengert Schwarzriesling gelesen.

Heiß war es am Montagvormittag gegen 10 Uhr im Cleebronner Wengert des Erligheimer Weinguts von Jörg Reichert, und auch etwas herausfordernd für etwa zehn Leserhelfer. Frei nach dem Märchen „Aschenputtel“ hieß es, die guten Trauben in den Eimer, die schlechten auf den Boden. „Jahrgangsbedingt, haben wir hier sehr kompakte Trauben, bei denen man in diesem Jahr etwas mehr machen muss“, erklärt Wengerter Jörg Reichert – schließlich will er eine gute Qualität keltern.

Seit Februar begleitet die Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung den 38-jährigen Wengerter in seinen Weinbergen und in der Kellerei. Die Basis für einen guten Jahrgang legte er beim Schneiden und Biegen, er berichtete im Mai, dass die Arbeit – mit Etikettieren, mit dem Bau der eigenen Vinothek im Erligheimer Gewerbegebiet und vor allem bei der Jungbestandspflege – „nie ausgeht“. Die Monate von Mai bis Juli waren die arbeitsreichsten im Wengert, denn es wurden die Stellschrauben „Ausbrechen“, „Teilentblätterung“ und „Ertragsreduktion“ gedreht.

Am Freitag wurde nun der Ertrag des Arbeitsaufwands mit Cabernet Dorsa und Dornfelder eingebracht. Am Montagmorgen um acht Uhr, um den geernteten Trauben ein wenig die Hitze zu ersparen, hatte die zehnköpfige Lesermannschaft um Jörg Reichert, mit den Eltern Heide und Siegfried Reichert an der Spitze, mit der Lese im Weinberg in Cleebronn begonnen. Bei den 1970 gepflanzten Schwarzriesling-Reben war durch die Ausbrecharbeiten der Ertrag auf zehn bis zwölf Triebe reduziert worden. Der mehr als 50 Jahre alte Weinberg bringe, so Reichert, „von sich aus nicht mehr“. Er soll in den nächsten fünf Jahren deshalb auch neu angelegt werden.

In diesem Jahr jedoch sollen die geernteten Schwarzriesling-Trauben als sogenannter Sektgrundwein gekeltert werden, zusammen mit den ebenfalls am Montag gelesenen Spätburgunder- und Weißburgunder-Trauben. Daraus wird ein „Pinot Crémant brut“ entstehen. „Beim Crémant (siehe Infokasten) werden die ganzen Trauben mit den Rappen gepresst“, erklärt Reichert. Im Januar kommt dieser Grundwein zu einem Dienstleister des Weinguts Reichert, dem „Versekter“, der dem Wein Hefe zugibt und in Flaschen abfüllt. Während der mindestens neunmonatigen Flaschengärung entsteht CO2, das für das Prickeln des Crémants sorgt. Wie beim Champagner werden die Flaschen von Hand gerüttelt.

Insgesamt erwartet der Erligheimer Wengerter einen qualitativ guten Jahrgang 2023, „der aber sicherlich kein Jahrhundert-Jahrgang“ werde. Eben ein durchschnittlicher Weinjahrgang, dem Reichert aber „viel Potenzial“ zuspricht. „Wir haben eine schöne Säure. Die Mostgewichte sind moderat, nicht über 95 Grad Oechsle, sodass die Weine nicht zu alkoholreich werden“, so seine erste Einschätzung.

 
 
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