Café L’ink Sachsenheim Modellbeispiel für gelungene Inklusion

Von Michaela Glemser
Von links (mit Schürzen): Toni, Loredana, Kurt Willaredt und Birgit Köber. Foto: /Oliver Bürkle

Seit dem Jahr 2022 bewirten Schüler mit Handicaps im Café L’ink im Sachsenheimer Pflegeheim „Sonnenfeld“ die Gäste.

Sorgfältig überblickt Loredana alle Tische und schaut nach wem sie noch Kaffee oder Kuchen servieren kann. Die Schülerin vom Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum am Gröninger Weg in Bietigheim-Bissingen hilft bereits seit zweieinhalb Jahren im Café L’ink in den Räumlichkeiten des Pflegeheims „Sonnenfeld“ in Großsachsenheim. „Ich konnte in dieser Zeit viele schöne Erfahrungen sammeln und könnte mir jetzt sogar vorstellen, später auch in der Gastronomie zu arbeiten. Toll sind vor allem die Gespräche mit den älteren Menschen“, erzählt Loredana, die an diesem Nachmittag gemeinsam mit ihrem Schulkameraden Toni im Einsatz ist, der mit vollem Eifer die Kaffeemaschine bedient.

Um Schülern mit Handicap den Übergang von der Schule ins Berufsleben zu erleichtern, auch aus diesem Grund wurde das Café L’ink vor vielen Jahren in Ludwigsburg von den Verantwortlichen des gemeinnützigen Vereins „Tragwerk e. V.“ ins Leben gerufen. Seit dem Jahr 2022 hat es sich auch in Sachsenheim etabliert. Immer am Montagnachmittag von 13.30 bis 16.30 Uhr öffnet das Café im Pflegeheim seine Türen und steht allen Besuchern offen, die sich in gemütlicher Runde unterhalten und dabei Kaffee und Kuchen genießen wollen.

Schüler arbeiten selbstständig

„Meist kommen die Bewohner des Pflegeheims oder des Betreuten Wohnens mit ihren Angehörigen zu uns und verbringen einen netten Nachmittag in geselliger Runde“, berichtet Birgit Körber, die ehrenamtlich gemeinsam mit Kurt Willaredt die Veranstaltung begleitet und die Schüler, die dort ein Praktikum absolvieren, betreut. Körber und ihr Kollege stehen dabei auch in regem Austausch mit den Lehrern der Schule am Gröninger Weg. „Schon nach kurzer Einarbeitungszeit arbeiten die Schüler bereits sehr selbstständig. Loredana beispielsweise holt selbst die Kuchenspenden bei der benachbarten Bäckerei ‚Clement‘ ab und richtet sie entsprechend an“, erläutert Körber. Toni, der noch relativ neu dabei ist, ist noch etwas zurückhaltender und bevorzugt den Platz an der Kaffeemaschine hinter der Theke. „Je besser die Schüler unsere Abläufe kennen, desto mehr Selbstvertrauen gewinnen sie. Das hilft ihnen auch auf ihrem weiteren Bildungs- und Berufsweg“, erklärt Körber.

Angenehme Atmosphäre

Unter den Gästen des Café L’ink ist auch die Seniorin Doris Kloss vom Betreuten Wohnen, die seit vier Jahren regelmäßig die wöchentliche Veranstaltung besucht. „Ich unterstütze diese Möglichkeit sehr, den jungen Menschen Berufspraxis zu ermöglichen. Natürlich gefällt mir auch die angenehme Atmosphäre im Café und die gebotene Unterhaltung mit gemeinsamem Singen oder anderen Darbietungen“, sagt Kloss.

An diesem Nachmittag ist Rainer Graef von der Kirbachschule mit Schülern der neunten Klasse zu Gast, die den Besuchern Lieder aus unterschiedlichen Jahrzehnten präsentieren. Von „Mein kleiner grüner Kaktus“ über „Marmor, Stein und Eisen bricht“ bis „Über den Wolken“ reicht das Repertoire der Jugendlichen, die von Graef an der Gitarre begleitet werden. Viele Senioren singen dabei begeistert mit.

Auch eine Geschichtenerzählerin oder andere musikalische Akteure wie Horst Tögel von der bekannten Brenz Band haben schon das Café L’ink in Sachsenheim besucht. „Wir werden von der Stadt Sachsenheim, von der Heidehof- und der Ruprecht Stiftung finanziell unterstützt sowie von der Bäckerei Clement und dem Unternehmen Alwa mit Sachspenden“, erklärt Körber.

Selbst gebackene Waffeln

Rund 35 Besucher zählt die Veranstaltung wöchentlich. Sie will ein Ort für mehr gegenseitige Toleranz, Respekt und Wertschätzung sein. Alle drei Monate backen die Schüler sogar Waffeln für die Besucher, und einen eigenen Café L’ink Song gibt es ebenfalls für die Sachsenheimer Zusammenkunft, den einst Christiane Hähnle mit ihren Mitstreitern bei der Eröffnung im November 2022 vorgetragen hatte. „Es ist so gut beisammen zu sein im Café L’ink“ erklang es damals, und diese Worte gelten auch heute mehr denn je für das wöchentliche Treffen von Jung und Alt.

 
 
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