Champions League: SG BBM unterliegt Weltklasse-Team aus Metz Machtlos trotz torwütiger Kapitänin

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Zwölf Treffer am Mittwoch gegen den Thüringer HC, deren zehn am Sonntag gegen Metz: Die Bietigheimer Spielmacherin Kim Naidzinavicius (rechts), hier bedrängt von der Ukrainerin Olga Peredery, ist derzeit in Torlaune. Allerdings konnte auch sie die beiden SG-Niederlagen nicht verhindern. ⇥ Foto: Martin Kalb

Die SG BBM Bietigheim verliert ihr letztes Champions-League-Heimspiel in der Gruppe A gegen das Weltklasse-Team aus Metz mit 25:33. Kim Naidzinavicius hält mit zehn Treffern dagegen.

Auf dem Transfermarkt hat die SG BBM Bietigheim in den vergangenen zwei Wochen mit drei spektakulären Neuverpflichtungen für Wirbel gesorgt (die BZ berichtete). Auf dem Feld ging sie nun allerdings dreimal in Folge leer aus: Das 25:33 am Sonntag in der Champions League gegen Metz Handball war die dritte Pflichtspielniederlage hintereinander. Zuvor hatten die Enztälerinnen bereits beim HC Rostov-Don (21:27), ebenfalls in der Königsklasse, sowie in der Bundesliga beim Thüringer HC (30:33) verloren. So sehen zumindest die nackten Zahlen aus.

Schwierige Rahmenbedingungen

Markus Gaugisch plädiert allerdings dafür, die Kirche im Dorf zu lassen „Mir ist es wichtig, dass die Situation realistisch gesehen wird“, sagte der SG-Trainer. „Man muss die Rahmenbedingungen beachten, und die waren in dieser Saison bisher nicht optimal. Alles, was wir nicht hingekriegt haben, kann man erklären.“ Zum Beispiel mit dem Verletzungspech und den Ausfällen mehrerer Stützen. Mit den Corona-Fällen im Kader nach der fragwürdigen Russland-Reise vor gut drei Wochen. Mit der Quarantäne des Teams, die zehn Tage lang kein vernünftiges Training gestattete. Und nicht zuletzt mit der Stärke der jüngsten Gegner, die gerade international zurzeit einfach eine Nummer zu groß für die Bietigheimerinnen sind.

So war es auch am Sonntagnachmittag in der Ludwigsburger MHP-Arena. Mit Metz war ein ganz heißer Titelanwärter zu Gast – oder „eine der besten Mannschaften der Welt“, wie Gaugisch anerkennend konstatierte. Unter den aktuellen Voraussetzungen verkauften seine Schützlinge ihre Haut teuer. Die Abwehr machte trotz der am Ende 33 Gegentreffer einen beweglichen, bissigen und aufmerksamen Eindruck. Hätten die Torfrauen Emily Stang Sando und in der Schlussphase Valentyna Salamakha ähnlich gut gehalten wie die Ex-Bietigheimerin Dinah Eckerle auf der Gegenseite, wäre das Resultat wohl noch wesentlich knapper ausgegangen. Zumal Spielmacherin Kim Naidzinavicius erneut einen Sahnetag erwischt hatte: Zehn Tore erzielte die Kapitänin des zweifachen Deutschen Meisters und der DHB-Auswahl bei ihren 15 Wurfversuchen. Schon vier Tage vorher in Bad Langensalza gegen den THC hatte sie zwölfmal zugeschlagen. Ansonsten fehlte im Angriff aber oft die Abstimmung, leisteten sich die Gastgeberinnen wieder einmal zu viele Fehler. „Das liegt daran, dass die Mädels nicht oft genug miteinander trainiert oder gespielt haben. Die Kombination mit Anna Loerper und Jule Maidhof zum Beispiel hatten wir noch nie. Da ist das Feintuning noch nicht da“, analysierte Gaugisch.

Ein Luxusproblem hatte dagegen Frankreichs Rekordmeister: Auch wenn gerade die zweite Garde spielte – Gästecoach Emmanuel Mayonnade wechselte munter durch –, war kein Qualitätsverlust zu erkennen. „Das sind alles Nationalspielerinnen, auch die auf der Bank. Wenn da welche krank sind, kommen zehn andere aus dem Jugendinternat nach – und bei uns kommen B-Jugendliche“, nannte Gaugisch einen Unterschied zwischen den Klubs.

Bis zum 12:13 (27.) blieb die SG BBM am hohen Favoriten aus Lothringen dran. Nach einer Auszeit von Mayonnade eilte Metz bis zur Pause dann aber noch auf 16:12 davon. In der zweiten Hälfte ließen sich die Französinnen die Butter nicht mehr vom Baguette nehmen und fuhren einen souveränen Sieg mit acht Toren Differenz ein. Mit dem achten Erfolg im zwölften Duell verdrängte Metz den HC Rostov-Don von Platz eins der Gruppe A.

Bietigheim ist mit drei Punkten aus elf Partien nach wie vor Tabellenletzter und wäre eigentlich ausgeschieden. Doch ein Modus-Wechsel bringt die SG nun mit großer Wahrscheinlichkeit zurück ins Rennen (siehe Infokasten). Am Sonntag (14 Uhr) tritt die Gaugisch-Sieben beim Team Esbjerg in Dänemark zum letzten Gruppenspiel an. Zunächst ist sie aber am Mittwoch (19.30 Uhr) im Erstliga-Verfolgerduell bei der HSG Blomberg-Lippe gefordert. Spätestens da wollen die Bietigheimerinnen auch wieder auf dem Feld groß auftrumpfen.

 

Geplante Modus-Änderung würde die SG BBM ins Achtelfinale hieven

Offiziell ist es noch nicht, aber vieles deutet darauf hin, dass der Modus in der Champions League Corona-bedingt kurzfristig angepasst wird. Das neue Modell sieht vor, dass ein Achtelfinale mit allen 16 teilnehmenden Vereinen ausgetragen wird, sollten die Gruppenspiele nicht wie geplant bis zum 14. Februar abgeschlossen werden können und/oder ausgefallene Partien nach dem Verursacherprinzip gewertet werden müssen. „Wichtig ist, dass wir trotz dieser Wertungen den Druck rausnehmen, indem wir acht Achtelfinals spielen“, sagte EHF-Boss Michael Wiederer in einem aktuellen Interview mit dem Fachmagazin „Handball inside“. Sollte es so kommen, würde also auch die SG BBM, die nach dem bisherigen Reglement als Letzter der Gruppe A ausgeschieden wäre, in den Genuss einer weiteren Runde mit Hin- und Rückspiel kommen. Stand heute wäre am 6./7. und 13./14. März ZSKA Moskau, Spitzenreiter der Gruppe B, der Bietigheimer Achtelfinalgegner. In Frage kommt aber auch noch der Zweite Györi Audi ETO KC aus Ungarn. ⇥ae

 
 
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