Claudia Braun leitet eine Sachsenheimer Gebäudereinigungsfirma Das Geschäft mit dem Putzlappen

Von
Regina Breitenbücher zeigt einen Teil ihrer Arbeit als Reinigungskraft der Gebäudereinigung von Claudia Braun: Sie reinigt und desinfiziert einen Türgriff mit Einweg-Desinfektionstüchern.⇥⇥ Foto: Thomas Bartsch

Claudia Braun ist Geschäftsführerin der gleichnamigen Gebäudereinigung. Neben Privatkunden hat sie auch Kunden aus der Industrie und dem medizinischen Bereich.

Hände regelmäßig und gründlich waschen und alles, was viel in Berührung mit Menschen ist regelmäßig zu desinfizieren. Diese Regeln sind aktuell auf der ganzen Welt bekannt. Da kommt die Vermutung auf, dass Reinigungsunternehmen eine der wenigen Gewinner in der Corona-Krise sind. Doch so vereinfacht lässt sich das nicht darstellen, stellt Claudia Braun vom gleichnamigen Unternehmen klar. Zwar sind es in der Summe weniger Aufträge, doch durch die angemeldete Kurzarbeit sei das Unternehmen aktuell ausgebucht.

Mehr Desinfektion gefragt

Die Inhaberin einer Gebäudereinigung mit Sitz in Sachsenheim hat Kunden im gesamten Kreis Ludwigsburg. Auf der einen Seite haben ihre Mitarbeiter bei den bestehenden Kunden, die aktuell auch arbeiten, mehr zu tun. Auf der anderen Seite brechen auch Kunden weg, weil die Mitarbeiter im Homeoffice sind oder selbst Kurzarbeit angemeldet haben, sagt Braun.

Das sei allerdings branchenabhängig. Die Sachsenheimer Gebäudereinigung hat unter anderem Kunden in der Industrie, im Gewerbe, kommunale Einrichtungen zählen dazu, aber auch Privatpersonen sowie medizinische Einrichtungen. „Bei unseren Industriekunden ist es beispielsweise so, dass wir desinfizieren müssen“, sagt die Unternehmerin, „das war vorher nicht in dem Umfang nötig.“ So werden auch Flächen desinfiziert, bei denen dies vorher nicht der Fall gewesen sei, weil eine einfache Reinigung ausreichte. „Das passiert je nach Absprache mit dem Kunden.“

Knapper Bestand

Ihre Mitarbeiter tragen dabei Masken. „Unser Bestand war knapp, aber wir haben jetzt wieder welche geliefert bekommen.“ Neben einem bemühten Großhändler helfe dabei auch eine Mitarbeiterin mit selbst genähten Masken aus. Auch das Handdesinfektionsmittel war eine Zeit lang knapp, das Mittel für die Flächendesinfektion jedoch nicht, so Braun, das war vorrätig. Das wiederum bleibt bei dem einen oder anderen Kunden im Betrieb.

So gebe es Unternehmen, in denen die Mitarbeiter angehalten sind, ihre Schreibtische regelmäßig zu bestimmten Uhrzeiten zu desinfizieren. „Wir kommen dann abends und reinigen und desinfizieren erneut.“

Eine Sache habe sich ebenfalls nicht geändert: „Meine Mitarbeiter tragen immer Handschuhe.“ Je nachdem wie lange die Reinigungskräfte im Dienst sind und welche Flächen sie reinigen, müssen sie die Handschuhe wechseln. Nach jedem Mal Waschen und im Moment auch Desinfizieren sich die Mitarbeiter ihre Hände. „Das kommt allerdings auch darauf an, was sie putzen.“

Die Einmalhandschuhe werden danach entsorgt. Wie genau die Handschuhe an- und ausgezogen werden sollen, um eine Infektion zu vermeiden, das ist beispielsweise vom Robert-Koch-Institut (RKI) vorgegeben. „Da einer unserer Schwerpunkte im Bereich der medizinischen Einrichtungen liegt, ist es uns wichtig, nach diesen Vorgaben zu reinigen“, sagt Claudia Braun. Wenn sie jedoch beim Einkaufen beispielsweise sieht, wie Menschen ihre Masken und Handschuhe ausziehen, sei sie schockiert: „Es ist eine Katastrophe, wenn ich sehe, wie die Leute ihre Handschuhe und Masken an- und ausziehen. Dann kann ich es auch lassen.“ (Mehr dazu im Infokasten).

Weitere Vorgaben beschreiben beispielsweise das richtige Desinfizieren der Hände und auch die Pflege danach. „Die Menschen vergessen, sich einzucremen und bekommen inzwischen alle Probleme mit den Händen.“ Seife und alkoholhaltige Desinfektionsmittel greifen den natürlichen Säureschutzmantel der Hände an, das hat zur Folge, dass sie spröde und rissig werden, aber auch dass sie brennen und jucken können. Es ist also nicht der Schönheitsfaktor, der eine Rolle spielt, geschädigte Haut lässt sich schlechter desinfizieren.

Arbeiten nach RKI-Vorgaben

Claudia Braun und ihre Mitarbeiter wissen, wie es richtig geht, denn das Unternehmen arbeitet nicht nur nach den RKI-Vorgaben, ihre Reinigungsmittel sind zusätzlich von der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie zugelassen. Daher habe sich beim Reinigen der medizinischen Bereiche nichts verändert. „Es wird jetzt nicht mehr Reinigungsmittel verwendet, das nützt nichts“, nennt Braun ein Beispiel.

Rund 30 Prozent ihrer Kundschaft ist im medizinischen Bereich tätig. Dazu zählen Arztpraxen, „allerdings auch größere mit Operationssälen.“ Neben der Reinigung der Praxisräume nach speziell erstellten Pflege- und Hygieneplänen für jeden einzelnen Kunden ist das Sachsenheimer Unternehmen zusätzlich berechtigt, Böden und Flächen in Operationsräumen zu reinigen. Angst in den Praxen zu arbeiten und sich so einem erhöhten Risiko auszusetzen, haben ihre Mitarbeiter nicht, sagt Claudia Braun. Das sei eher bei Privatkunden der Fall, die 20 Prozent der Kunden ausmachen.

„Unsere privaten Kunden sind aktuell eher auf Eis“, erklärt Braun, „weil wir viele ältere Kunden haben, die nicht möchten, dass jemand Fremdes zu ihnen nach Hause kommt.“ So seien es insgesamt weniger Aufträge, sagt Braun. Das liege unter anderem daran, dass sie und ihr Team auch Sportstudios gereinigt hatten. Diese fallen nun komplett weg. Claudia Braun nennt einen weiteren Grund: „Ich schaue danach, dass meine Mitarbeiter geschützt sind. Daher nehme ich aktuell nicht jeden Auftrag an.“ Vor allem bei Privatpersonen, die sie nicht kennt, ist die Unternehmerin vorsichtig. „Es ist uns aufgefallen, dass sich nicht alle an den Mindestabstand halten. Das tue ich meinen Mitarbeitern nicht an.“ Dies sei beispielsweise schon bei Fenster- und Glasreinigern vorgekommen mit Anfassen inklusive. „Das geht natürlich gar nicht.“ Zwei ihrer Mitarbeiter haben daraufhin gesagt, dass sie nicht mehr zum jeweiligen Kunden gehen werden.

 
 
- Anzeige -