Ein tiefes Röhren hallt durch das Wildparadies Tripsdrill. Nur wenige Augenblicke später folgt der nächste Ruf. Wer in diesen Tagen im Gehege der Rothirsche unterwegs ist, muss nicht lange auf die beeindruckende Geräuschkulisse warten: Mitte September hat die Brunft begonnen.
Cleebronn Der Kavalier im Dauerstress
Im Wildparadies Tripsdrill hat die Brunft der Rothirsche begonnen. Tierpfleger Benedikt Stirblies erklärt, warum das gewaltige Röhren vor allem Energie sparen soll.
Anstrengendste Zeit des Jahre für die männlichen Tiere
Für die männlichen Tiere bricht damit die anstrengendste Zeit des Jahres an. Bei der ersten von zwei Exkursionen unter dem Titel „Wenn die Hirsche röhren“ führte Tierpfleger Benedikt Stirblies am Samstag, 19. September, Besucher durch den Park, um das Verhalten der Tiere während der Paarungszeit genauer zu beleuchten.
Das weithin hörbare Röhren hat eine klare Funktion: Die Hirsche machen auf sich aufmerksam, zeigen Präsenz und versuchen, mögliche Konkurrenten auf Distanz zu halten. Je kräftiger ein Tier auftritt, desto eher signalisiert es seinen Rivalen, dass sich ein Kampf nicht lohnt.
An diesem Abend bleibt es bei einer akustischen Machtdemonstration. Die Hirsche rufen zwar intensiv, ein ernsthafter Nebenbuhler zeigt sich jedoch nicht. Für den dominanten Platzhirsch ist das ein Vorteil – denn jeder direkte Kampf kostet wertvolle Energie.
Nähert sich dennoch ein Konkurrent, kann aus den Drohgebärden schnell ein körperlicher Kampf werden. Die Hirsche senken die Köpfe und verhaken ihre Geweihe, um den Gegner zurückzudrängen. Solche Duelle wirken auf Beobachter zwar spektakulär, sind für die Tiere jedoch mit erheblichem Verletzungsrisiko und extremem Kraftaufwand verbunden. Deshalb wird ein Großteil der Rangordnung schon vorher geregelt: Zeigt sich ein Hirsch durch Röhren und Imponierverhalten deutlich überlegen, zieht sich der Schwächere meist kampflos zurück.
Hirsche verlieren Viertel des Gewichts
Während der rund vierwöchigen Brunft versucht der dominante Hirsch, sein Weibchen-Rudel zusammenzuhalten und andere Männchen fernzuhalten. Das bedeutet Dauerstress: „Die Hirsche sind fast ständig in Alarmbereitschaft. Sie haben die Weibchen im Blick, achten auf Konkurrenten und kommen kaum zur Ruhe. In den vier Wochen verlieren sie etwa 20 bis 25 Prozent ihres Körpergewichts, weil sie in dieser Zeit nahezu nichts fressen“, erklärt Tierpfleger Benedikt Stirblies. Die Nahrungsaufnahme, die sonst den Großteil des Tages einnimmt, rückt komplett in den Hintergrund.
Für Besucher bietet die Brunft eine seltene Gelegenheit, Verhaltensweisen zu beobachten, die im restlichen Jahr kaum zu sehen sind. Die Kombination aus den tiefen Rufen, dem Imponiergehabe und der herbstlichen Atmosphäre macht diesen Zeitraum zu einem besonderen Naturerlebnis. Wer den Auftakt an diesem Samstag verpasst hat, bekommt eine zweite Chance: Am Samstag, 26. September, ist eine weitere Führung im Angebot. Einlass ist ab 16.30 Uhr, der von einem Tierpfleger begleitete Rundgang beginnt um 17.30 Uhr. Tickets für die Exkursion sind ausschließlich online über den Ticketshop von Tripsdrill erhältlich. Das Wildparadies mit seinen mehr als 60 Tierarten ist ganzjährig geöffnet
