„Club der Frau“ feiert 50-jähriges Bestehen So viel mehr als nur ein Kaffeekränzchen

Von Heidi Vogelhuber
Im Kronenzentrum feierte der „Club der Frau“ sein 50-jähriges Bestehen. Zehn Gründungsmitglieder wurden geehrt. Links: Vorsitzende Walburga Schell . Foto: /Martin Kalb

Der „Club der Frau“ Bietigheim-Bissingen feiert sein 50-jähriges Bestehen. Was den Club auszeichnet, was sich über die Jahre verändert hat und warum er so viel mehr als ein Kaffeekränzchen war und ist, erklärt Vereinsvorsitzende Walburga Schell.

In den 1960er-Jahren entwickelte sich das Siedlungsbauprojekt „Buch“ in Bietigheim-Bissingen rasant. 1953 als kleine Landsiedlung für Heimatvertriebene entstanden, wurde es zum beliebten Wohngebiet. „Viele Familien sind damals in das neue Wohngebiet gezogen, darunter auch viele Frauen, die sich der Familie widmeten“, berichtet Walburga Schell im Gespräch mit der BZ. Die Vorsitzende des „Clubs der Frau“, der dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, erinnert daran, dass es zu der Zeit üblich war, dass Frauen nach der Familiengründung kaum noch berufstätig waren.

Wunsch nach mehr

Unter den Frauen entstand der Wunsch, dass es neben dem Familienalltag noch etwas anderes gibt. Einige junge Frauen seien sich einig gewesen, dass es ihnen nicht reiche, „nur“ Hausfrau zu sein. Sie wollten sich weiterbilden. „Es wurden Treffen veranstaltet, auf denen Referenten über gesellschaftskritische, kulturelle und politische Themen sprachen. Auch Kreatives war dabei, um den eigenen Horizont zu erweitern. Ebenso gehörten Ausflüge und Reisen fest zum Programm“, zählt die Vorsitzende auf. Marlene Widmann ergriff Anfang der 70er-Jahre die Initiative und gründete den „Club junger Hausfrauen“ als Untergruppe des Ortsverbands des Deutschen Hausfrauenbundes Bietigheim. Die Gründungsveranstaltung wird datiert auf den 12. April 1972. Vier Jahre später wird aus dem „Club junger Hausfrauen“ der „Club der Frau Bietigheim-Bissingen“. Den Vorsitz hatte zu der Zeit Haidi Halla übernommen, die noch immer Mitglied ist und in diesem Jahr für ihre langjährige Mitgliedschaft ausgezeichnet wird. Ebenso Rosemarie Ade, Doris Bakker, Marianne Baur, Helga Dzikowski, Christa Heimberger, Monika Jacobi, Inge Noack, Margret Roßberg sowie Margrid Roth. Maria Möckl und Theresia Wilhelm sind seit 45 Jahren dabei und Eva-Maria Hennicke, Marianne Lösche und Ursula Rudolph seit 25 Jahren.

In den Anfangsjahren wurde die Hauswirtschaft viel thematisiert. „2020 haben wir unsere Satzung geändert und haben die Hauswirtschaft rausgestrichen. Das war einfach nicht mehr zeitgemäß“, sagt Schell. Das Interesse liege eher auf Kultur, Kunst und Geschichte.

Immer am Zahn der Zeit

Doch auch schon in den frühen Jahren des Vereins sei es keinesfalls nur ums Kaffeetrinken gegangen. „Es fanden Tagungen der Konrad-Adenauer-Stiftung statt, und die Landeszentrale für politische Bildung organisierte Seminare, die sehr gefragt waren“, sagt Schell. Betriebsbesichtigungen, Stadtführungen, Museumsbesuche und die beliebten Clubreisen – auch ins Ausland – führten zu einem großen Mitgliederzuwachs. 170 Mitglieder hatte der Verein zu seiner Bestzeit. Aber auch heute sind es noch 123.

1984 bot der Verein den Kurs „Neuer Start mit 35“ an, der Frauen fit machen sollte, um beruflich durchzustarten. Auch im sozialen Bereich engagierten sich die Frauen. Sammelten Geld durch Kuchenverkäufe oder Flohmärkte. Mit den Einnahmen setzten sie sich für das Frauenhaus in Ludwigsburg ein oder für Organisationen zugunsten kranker Kinder.

1993 übernahmen Heidi Hellmann und Margrid Roth den Vorsitz, und wie auch ihre Vorgängerinnen waren sie stets am Puls der Zeit. Ab 1997 wurden Computerkurse organisiert. Noch heute ist es der Vorsitzenden Walburga Schell und ihrer Stellvertreterin Mechthild Friedrich, die beide seit 2015 im Amt sind, ein großes Anliegen, eine moderne Homepage zu pflegen. Ebenfalls 2015 gab Margret Roßberg das Amt der Schatzmeisterin nach 45 Jahren an Ursel Müller weiter.

Wandel über die Jahre

Wie sich der Verein seit seiner Gründung gewandelt hat? „Wir sind älter geworden“, sagt Schell und lacht. Der Verein richte sich nun an Frauen, die das Berufsleben hinter sich haben und im Ruhestand sind. Sie selbst sei vor gut 20 Jahren dem Verein beigetreten, eben als sie Rentnerin geworden war.

Ihr Fazit zum „Club der Frau“: „Es wurde viel von Frauen für Frauen auf den Weg gebracht. Wenn es den ‚Club der Frau’ nicht gebe, müsste man ihn glatt erfinden“, sagt die Vorsitzende voller Überzeugung.

„Club der Frau“: Die Jubilare

50 Jahre
Ade Rosemarie; Bakker Doris; Baur, Marianne; Dzikowski, Helga; Halla, Haidi; Heimberger, Christa; Jacobi, Monika; Noack, Inge; Roßberg, Margret; Roth, Margrid

45 Jahre
Möckl, Maria und Wilhelm, Theresia

25 Jahre
Hennicke, Eva-Maria; Lösche, Marianne; Rudolph, Ursula

 
 
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