Corona-Bekämpfung im Kreis Ludwigsburg Mehr Impfstoff und 300 000 Masken

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Jana Stein, Mitarbeiterin des ASB, war eine der ersten Impflinge im Kreisimpfzentrum, das zu Beginn nur auf Sparflamme lief, weil  Impfstoff fehlte. ⇥ Foto: Martin Kalb

Im Kreisimpfzentrum gibt es nun einen dritten Impfstoff. Ab Ende nächster Woche wird mehr geimpft. Zudem sollen Lehrer und Erzieher mit Tests und Masken geschützt werden.

Die Corona-Inzidenz sinkt, gleichzeitig sollen sich ansteckendere Mutationen weiter verbreiten. Es gibt immer noch einen Impfstoffmangel, aber ab Montag öffnen Grundschulen und Kindergärten. Die BZ beantwortet die wichtigsten Fragen zum aktuellen Pandemie-Geschehen aus Kreissicht.

Wie läuft der Schulstart ab Montag mit Wechselunterricht?

In Bietigheim-Bissingen haben die Rektoren laut dem geschäftsführenden Schulleiter (außer Ellental) Claus Stöckle bereits vor Weihnachten das Thema Wechselunterricht angestoßen. In den Gymnasien im Ellental kommen die beiden Kursstufen ab Montag versetzt an die Schule. Jeder Schüler soll pro Woche eine Doppelstunde in jedem Leistungsfach haben. Große Kurse werden geteilt, sodass nur zwei Drittel der Schüler im Raum unterrichtet werden.

In Sachsenheim laufen die Planungen zum Teil noch. An der Gemeinschaftsschule am Sonnenfeld in Großsachsenheim werden die Klassen halbiert und erhalten im wöchentlichen Wechsel Präsenzunterricht. An der Kirbachschule in Hohenhaslach werden die Klassen ebenfalls geteilt. In einer Woche kommen die halben Klassen 1 und 3 im täglichen Wechsel, in der Folgewoche sind die Stufen 2 und 4 dran.

An der Schillerschule in Ingersheim beginnen die Klassen 1 und 4 mit Präsenzunterricht. In der Woche darauf folgen die Klassen 2 und 3. Die jeweiligen Klassen werden in zwei Gruppen geteilt, die in zwei Schichten kommen.

Wie werden Lehrer und Erzieher für den ab Montag startetenden Betrieb in Kitas und Grundschulen geschützt?

Das Land stellt Masken für Erzieher und Lehrer bereit. Die Logistik der Lieferung für die Masken für Erzieher hat Steffen Bühler, Bürgermeister von Besigheim und Kreisvorsitzender des Gemeindetags, organisiert. Eine Monatsration an Masken soll dieser Tage im Kreis ankommen. Es kommen insgesamt 317 000 OP-Masken an fünf Standorten,  unter anderem Bietigheim-Bissingen an. „Wir werden die Masken in der Kelter lagern und dort holen sie die Gemeinden ab und bringen sie in die einzelnen Einrichtungen“, erklärt Stadtsprecherin Anette Hochmuth.  Pro Erzieherin in Vollzeit sollten laut Sozialministerium maximal drei OP-Masken pro Tag analog dem Verfahren bei den Schulen angesetzt werden.

Wie und wo können sich Lehrer und Erzieher testen lassen?

„Es gibt vom Land Berechtigungsscheine“, erklärt Landrat Dietmar Allgaier. Mit diesen könne Personal sich etwa in Apotheken testen lassen. Klar sei aber auch, dass es zentrale Teststellen in den Gemeinden geben solle. Dafür wirbt auch das Kultusministerium. Die Stadt Bietigheim-Bissingen hat sich laut Hochmuth mit Apotheken, Ärzten, DRK und DLRG wegen der Testungen abgestimmt. In Ingersheim arbeitet Bürgermeisterin Simone Lehnert mit der Corona-Schwerpunktpraxis Loibl und dem DRK an einem Konzept. Ab kommender Woche soll sich Bildungspersonal in der Praxis testen lassen können.

Auch Oberriexingen bereitet „in aller gebotenen Eile ein kommunales Schnelltestzentrum im Ort vor“, wie Bürgermeister Frank Wittendorfer auf Facebook schreibt. Die Stadt rechnet mit bis zu 800 Schnelltests bis Ende März – nur fürs Personal. In Sachsenheim gibt es laut Sprecherin Nicole Raichle „schon erste Überlegungen zusammen mit Apotheken das Thema Tests anzugehen“. Hier wartet man noch auf die Vorgaben aus Sozial- und Kultusministerium. Darauf wartet man auch in Bönnigheim. Dort ist laut Bürgermeister Albrecht Dautel kein lokales Testzentrum geplant.

Was macht das Landratsamt?

Das testet in den Schulen, für die es zuständig ist, also Berufsschulen und Sonderpädagogischen Bildungszentren mit mobilen Teams. „Für Gemeinden, die Bedarf haben, weil sie keine Testzentren aufbauen, bietet der Kreis Unterstützung mit zwei mobilen Testteams an“, sagt Allgaier. Zudem werde das Testzentrum in der MHP-Arena wieder hochgefahren.  „Klar ist aber auch, dass wir hier über einen Zeitraum von drei bis vielleicht vier Wochen sprechen“, so der Landrat. Ab da rechnet er durch die Zulassung von Selbsttests mit einer Entspannung.

Wie viele Menschen sind bislang  im Kreisimpfzentrum geimpft worden?

Im Kreisimpfzentrum (KIZ) sind bislang 3301 Menschen geimpft worden, hinzu kommen noch 3399 durch mobile Impfteams des Kreises. Am Donnerstag wurden 181 Impfungen im KIZ und 162 durch mobile Teams vorgenommen. „Ab 26. Februar wird es bis auf Weiteres 636 Impfungen pro Tag geben. Dies ist auf die zusätzliche Belieferung mit Astrazeneca-Impfstoff zurückzuführen“, sagt Dr. Andreas Fritz, Sprecher des Landratsamts. Das Vakzin ist vor Kurzem eingetroffen.

Wie wird auf Mutationen getestet?

Beim MVZ-Labor in Ludwigsburg, wo wöchentlich mehrere tausend PCR-Tests analysiert werden, spielt die häufig genannten Sequenzierung zur akuten Bestimmung von Mutationen eine nachgeordnete Rolle. Wie der Labor-Leiter und Virologe Professor Dr. Rüdiger Braun im Gespräch mit der BZ erklärt, dauere es fünf bis zehn Tage, bis man das Ergebnis einer vollständigen Sequenzierung erhalte.

„Das bringt in der Nachverfolgung wenig“, so Braun. Deshalb mache man das bei den meisten Laboren in Baden-Württemberg so, dass man nach einem positiven Test weitere PCR-Test folgen lasse. Auch so erkenne man, ob eine der aktuell grassierenden Mutationen vorliege. Neue könne man so allerdings nicht finden, weshalb im Anschluss doch noch sequenziert wird. Durch die schnellere Methode habe man noch am selben Tag, spätestens am nächsten das Ergebnis, ob eine Mutation vorliege.

Welche Bedeutung haben die Mutationen im Kreis?

Von den tausenden Tests im MVZ-Labor sind derzeit etwa acht Prozent Corona-positiv, erklärt Braun. Die Mutation sei aber schon wesentlich weiter verbreitet als das bisher kommuniziert wurde. „70 bis 80 Prozent der positiven Proben weise eine der bekannten Mutationen auf“, sagt Braun. Gleichzeitig warnt er vor Panik vor dem Virus. Man gehe davon aus, dass die nun bekannten Mutationen, vor allem die sogenannte Englische Mutante ansteckender ist und der R-Wert damit um 0,3 bis 0,7 höher liegt, aber Braun verweist auf positive Entwicklungen. So seien die weltweite Fallzahlen insgesamt rückläufig und die Impfstoffe, auch der von AstraZeneca, beugten auch bei den Mutationen schweren Verläufen wohl vor. „Betrachten wir vergangene Pandemien bleibt zudem festzuhalten, dass Viren mit der Zeit harmloser werden“, sagt der Labor-Geschäftsführer.

Karlin Stark, Leiterin des Gesundheitsamtes zeigte sich von den Zahlen im MVZ Labor auf BZ-Nachfrage überrascht. Derzeit seien dem Amt insgesamt 25 Fälle von Menschen gemeldet, bei denen eine Corona-Mutante festgestellt wurde. „Aber es ist klar, dass diese Zahl steigen wird“, fügte Stark an.

Wie sieht es angesichts des sinkenden Inzidenzwertes im Kreis mit Lockerungen aus?

„Lockerungen kann ich als Landrat nicht verfügen“, sagt Allgaier. Durch die gesunkene Inzidenz gelte nur noch die Coronaverordnung des Landes und nicht mehr die Anordnungen des Kreises. Die sinkende Inzidenz zeige aber, dass sich die Menschen an die Vorgaben halten. „Deswegen bin ich dafür, dass man Öffnungsperspektiven aufzeigt“, so Allgaier.

 
 
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