Corona-Krise: Hotels bleiben noch zu Gastronomen fordern eine klare Linie

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Noch stehen sie alleine an der Rezeption des Hotels und Restaurants Otterbach in Bissingen. Von links: Geschäftsführerin Silvia Schmid, Tabea Schmid, Assistentin der Geschäftsführung, und Geschäftsführerin Gaby Otterbach. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Während Restaurants seit Montag wieder unter Einhaltung von Auflagen öffnen durften, bleiben Hotels weiterhin geschlossen. Die BZ befragte Gastronomen im Kreis, der Schaden sei enorm.

Entspannt in einem Restaurant zu Abend zu essen – in diesen Genuss sind Bürger aufgrund des Coronavirus lange nicht gekommen. Seit Montag ist das wieder möglich. Die Landesregierung beschloss eine schrittweise Öffnung der Gastronomie. Während jedoch eifrig gekocht und ausgeschenkt werden darf, bleiben Beherbergungsbetriebe wie Hotels noch voraussichtlich bis 29. Mai geschlossen. Gerade Hotels haben eine schwere Zeit hinter, aber auch noch vor sich. Die BZ befragte Hotelbetreiber im Kreis.

„Der Schaden ist immens, da man die Veranstaltungen, den Restaurantumsatz und auch die Hotelübernachtungen nicht nachholen kann“, sagt Tabea Schmid, Assistentin der Geschäftsführung des Hotels Otterbach in Bietigheim-Bissingen, auf Anfrage der BZ. „Wir können weniger Plätze belegen, alle Veranstaltungen wurden storniert, sogar eine Feierlichkeit im November“, so Schmid. „Viele unserer Gäste kamen aus Frankreich und Italien. In diesen Ländern ist momentan noch nicht an Geschäftsreisen zu denken.“ Der Bietigheimer Betrieb habe volles Verständnis, dass die aktuelle Situation auch von der Regierung schwer einzuschätzen sei, „allerdings würden wir uns eine klare Linie wünschen. Die Bevölkerung – und auch wir – kommen gar nicht mehr hinterher, welche Verordnung nun aktuell ist und an was man sich halten muss.“

„Mai und Juni sind wichtige Monate für uns. Normalerweise kommen Gäste zum Wandern oder Rad fahren, ebenso ist der Weintourismus stark vertreten in der Region“, sagt Manfred Gemrig, Geschäftsführer des Naturparkhotels und Landgasthofs Stromberg in Ochsenbach. Während sich das Hotel sonst eher auf Gruppen konzentriert, habe man im Hinblick auf die baldige Öffnung das Angebot eher auf Individualreisen für Paare umgestellt. „In der Haupturlaubszeit reisen die Deutschen eher ins Ausland, wir hoffen dieses Jahr aber auf genau diese Monate“, sagt er. In der Corona-Zeit habe das Ochsenbacher Unternehmen auch Hotelzimmer fürs Homeoffice angeboten. „Nicht jeder hat bei sich die Möglichkeit, vor allem wenn beide Partner von zu Hause aus arbeiten müssen“, erklärt Gemrig die Idee. Die Nachfrage jedoch sei gering gewesen. „Es war ein Versuch, das Hotel auszulasten.“ Denn die Situation sei ernst.

„Der wirtschaftliche Schaden ist enorm“, erklärt Gemrig. Den Landgasthof gebe es zwar seit 30 Jahren, das Hotel jedoch habe erst 2017 eröffnet. „Die Kredite laufen natürlich weiter, die Kosten sind fast gleich geblieben.“ Lediglich zehn Prozent der Kosten wurden in der Corona-Krise eingespart, der Umsatz jedoch liege unter der Hälfte des normalen Geschäfts. „Wir haben Soforthilfen beantragt, das hat auch schnell geklappt. Ebenso mit dem Kurzarbeitergeld, jedoch tun sich unsere Mitarbeiter schwer mit nur 60 Prozent ihres Einkommens“, so Gemrig. Eine Person habe er auch kündigen müssen.

„Ich mache der Politik keine Vorwürfe, jedoch wären Vorgaben und Zeitfenster gut“, sagt Gemrig. Nur durch die Gastronomenbrille geschaut, fände er es toll, weiter im Voraus planen zu können, „aber ich verstehe auch, dass niemand die Situation abschätzen kann.“ Noch immer prasseln viele Stornierungen auf das Hotel ein, bis in den August hinein. „Alle müssen ja irgendwie planen, es gibt aber keine Sicherheiten“, sagt er besorgt.

Durch eine schwere Zeit

Auch Benjamin Maerz vom Bietigheim-Bissinger Restaurant und Hotel Rose, das er gemeinsam mit seinem Bruder Christian führt, stimmt zu, „der Schaden ist immens. Ich denke aber, dass der richtig schwerwiegende Schaden erst noch kommen wird. Es wird für meine Begriffe sehr lange dauern, bis wir auf das wirtschaftliche Niveau vor der Krise kommen werden.“ Das Bietigheimer Hotel und Restaurant sei für ein anderes Level der Auslastung ausgelegt, nun müsse man sich mit anderen wirtschaftlichen Kennzahlen auseinandersetzen. „Das ist aber unsere Aufgabe als Unternehmen, Maßnahmen zu ergreifen, damit wir auch diese Zeiten überstehen können. Jammern bringt hier aus meiner Sicht nicht wirklich viel“, sagt Maerz. „Die Situation ist für alle schwer, aber es werden uns ja auch viele Möglichkeiten an die Hand gegeben.“ Er könne nur positiv über die Zusammenarbeit und Kommunikation mit Finanzamt, Stadtverwaltung, Agentur für Arbeit oder die Regionalpolitiker berichten, sagt der Sternekoch.

Dauerhafte Steuersenkung

Auch wenn die staatlichen finanziellen Hilfen nicht reichen, um den Umsatzverlust auszugleichen. „Wünschenswert wäre für mich die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent“, antwortet Maerz auf die Frage, welche Maßnahme der Branche nachhaltig helfen würde.

„Selbst wenn die Restaurants wieder öffnen dürfen ist ein großer Teil unseres Geschäftes, Tagungsgruppen und Businessreisende sowie die Großevents noch mindestens bis Ende August nicht vorhanden. Derzeit haben wir Einbußen von zirka 90 Prozent“, sagt Felix Sommerrock, Direktor des Schlosshotels Monrepos in Ludwigsburg. Über den Beschluss der Bundesregierung, die Mehrwertsteuer für Speisen ab dem 1. Juli auf einen ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent zu senken, freue er sich, sagt aber auch: „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, da die Maßnahme auf ein Jahr befristet ist. „Zusätzlich gab es ja noch weitere Hilfsmaßnahmen je nach Größe, die mal kurzfristig helfen, aber auf längere Sicht für viele das Problem nur verschleppen“, merkt er an. Helfen würden der Branche aus seiner Sicht nachhaltige Maßnahmen, wie weniger Vorschriften und Verordnungen.

 
 
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