Corona-Lage im Landkreis Ludwigsburg Impfmüdigkeit führt auch im Kreis zum Strategiewechsel

Von Frank Ruppert
Zum Start der Kreisimpfzentren waren die wenigen Termine dort äußerst begehrt. Nun schließt am 30. September auch in Ludwigsburg das Zentrum. Die Nachfrage sinkt. ⇥ Foto: MARTIN KALB

Experten im Landkreis Ludwigsburg sehen die neuen Regelungen der Landesregierung positiv. Die Lage in der Ludwigsburger Klinik sei angespannt.

Der Druck auf Ungeimpfte nimmt zu. Die Landesregierung baut bei der Bewertung der Corona-Lage und den Einschränkungen auf die Zahlen der Intensivpatienten, so dass bei gleichbleibender Tendenz bald schon eine PCR-Testpflicht für die Teilnahme am öffentlichen Leben besteht. Steigen die Zahlen weiter, gibt es für Ungeimpfte wohl kaum eine Chance mehr ins Restaurant zu gehen oder Ähnliches. Die BZ hat im Kreis nachgefragt, wie Experten die Situation bewerten.

Wie sind die neuen Einschränkungen für Ungeimpfte zu bewerten?

Die Erhöhung der Impfquote habe hohe Wichtigkeit und sei ein entscheidender Faktor bei der weiteren Entwicklung des Infektionsgeschehens mit Corona, teilt das Landratsamt mit. „Nicht immunisierte Personen tragen ein höheres Risiko, an Covid schwer zu erkranken und bei einer Infektion andere Menschen anzustecken. Vor diesem Hintergrund scheint es angemessen, diese Personengruppe einzuschränken, wenn in den Krankenhäusern wieder eine Überlastung droht“, so die Stellungnahme von Landrat Dietmar Allgaier.

Dr. Carola Maitra, Vorsitzende der Kreisärzteschaft, erklärt, es habe sich gezeigt, dass die reine Betrachtung der Sieben-Tage-Inzidenz nicht ausreichend sei. Trotz der aktuellen vierten Welle sei man deutlich entfernt von einer Überlastung des Gesundheitswesens. „Da die schweren Verläufe ganz überwiegend Nichtgeimpfte betreffen, ist diese Kennzahl (Intensivbettenaulastung, Anm. d. Red.) aus unserer Sicht eine wichtige Ergänzung zur Beurteilung des Gesamtgeschehens“, sagt Maitra.

Besucher, die keinen Immunstatus haben, stellten für Krankenhäuser natürlich ein hohes Risiko dar, auch wenn sie getestet seien, erklärt Dorothee Hüppauf, Sprecherin der RKH Kliniken. „Die 2G-Regel und die Koppelung an die Krankenhaus- beziehungsweise Intensivstationsbelegung ist ein sehr gutes Mittel, um die Infektionen einzudämmen“, sagt Hüppauf. Das beste Mittel sei allerdings eine möglichst hohe Impfquote.

Wie angespannt ist die Situation in den Kliniken aktuell?

„Derzeit haben wir in Ludwigsburg 17 Covid-19-Patienten auf der Normalstation, fünf auf Intensivstation, zwei davon beatmet. Das sind insgesamt 22 Covid-19-Patienten“, teilt Dorothee Hüppauf von den RKH Kliniken mit. In Bietigheim gebe es  einen Patienten auf Normal- und einen beatmeten Patienten auf Intensivstation. „Da wir momentan eine allgemein sehr hohe Belegung der Intensivstation in Ludwigsburg haben, kann man die Situation als angespannt bezeichnen.“ Etwa 2000 Mitarbeiter in den RKH Kliniken im Kreis haben sich bisher impfen lassen. Manche Stationen hätten eine Impfquote von mehr als 90 Prozent, andere deutlich weniger.

Wie viele der aktuell Infizierten im Landkreis sind doppelt geimpft?

Aktuell (in den letzten 14 Tagen) infiziert sind: 824 Personen, davon sind 189 (22,94 Prozent) doppelt geimpft.

Die Kreisimpfzentren schließen zum zum Ende des Monats. Wie ist die Auslastung dort aktuell?

Bis um 19 Uhr am 30. September wird in den Kreisimpfzentren in Ludwigsburg geimpft. Laut Landratsamt werden dort derzeit rund 450 Menschen pro Tag geimpft, mit sinkender Tendenz. Schätzungsweise zwei Drittel aller Impfungen sind auch derzeit noch Erstimpfungen. Rund ein Fünftel der Impflinge täglich seien Kinder und Jugendliche. Etwa 50 Menschen erhalten pro Tag die Drittimpfung dort.

Wie sieht es mit der Impfnachfrage bei den niedergelassenen Ärzten im Kreis aus?

Die Nachfrage sei weiterhin leider sehr gering, erklärt Dr. Carola Maitra, Vorsitzende der Kreisärzteschaft. Möglicherweise zeige ein doch nicht unerheblicher Anteil der Menschen Zurückhaltung oder sogar Skepsis gegen die Impfung. „Die derzeit weiterhin verhältnismäßig geringen Inzidenzen in Verbindung mit den weitgehenden Lockerungen tragen sicherlich auch nicht dazu bei, die Impfbereitschaft zu erhöhen“, so Maitra. Viel Überzeugungsarbeit sei nötig. Sie glaubt, dass man höhere Impfquoten  nur erreiche, indem die Erleichterungen für Impfwillige erhöht werden.

Rechnet man im Kreisgesundheitsamt mit steigenden Zahlen an Infizierten wegen des Endes der Sommerferien? Wie bereitet man sich darauf vor?

„Aufgrund der Reiserückkehrer und dem Schulbeginn rechnen wir mit weiter steigenden Infektionszahlen in den nächsten Wochen“, sagt der Sprecher des Landratsamts, Dr. Andreas Fritz. Derzeit schaffe man es im Gesundheitsamt tagesaktuell oder am Folgetag, die Kontakte der Infektionsfälle zu ermitteln. Die geänderten Bedingungen mit einem steigenden Anteil an immunisierten Menschen und einer Verlagerung des Erkrankungsgeschehens in jüngere Altersgruppen, die in der Regel weniger schwer erkranken, haben eine weitreichende Öffnung im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben ermöglicht.

Vor diesem Hintergrund sei ein Strategiewechsel geplant. „Die Grundidee des geplanten Strategiewechsels ist, die Eindämmung von Ausbrüchen und den Schutz von vulnerablen Gruppen in den Fokus zu stellen und die Maßnahmen in den anderen Bereichen zurückzufahren“, so Fritz zur neuen Strategie des Gesundheitsamts. 

 
 
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