Corona-Schutzimpfung Ärzte wollen Ende der Priorisierung

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Die Ärzte könnten in ihren Praxen mehr impfen und damit die Impfzahlen um einiges nach vorne bringen⇥ Foto: Christoph Schmidt/dpa

Rund 30 Patienten impft ein Hausarzt pro Woche. Mit mehr Impfstoff und ohne Priorisierung wären es noch mehr.

Seit zwei Wochen verabreichen die Hausärzte im Kreis die Corona-Schutzimpfung. Im Schnitt impfen sie 30 Patienten pro Woche, insgesamt wurden seither 13 000 Impfungen im Kreis Ludwigsburg in Hausarztpraxen verabreicht, sagt Kai Sonntag, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Sie könnten noch mehr, würde ihnen mehr Impfstoff zugeteilt. In dieser Woche beginnen auch Fachärzte mit dem Impfen, so Sonntag. Gleichzeitig fordert der Bundesvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Andreas Gassen, dass die Praxen ab Mai, wenn es größere Impfstofflieferungen gibt, mehr Impfstoff als die Impfzentren bekommen und die Impfpriorisierung aufgehoben wird.

Problemlose Durchführung
der Impfung

„Wir hoffen wirklich, dass Anfang Mai die Priorisierung aufgehoben wird“, sagt der Ingersheimer Arzt Holger Loibl. „Wir Hausärzte könnten viel mehr impfen“. Seine Praxis gehört zu den Corona-Schwerpunktpraxen und bekommt aufgrund ihrer Größe und ihrem großen Einzugsgebiet einen größeren Anteil an Impfdosen, 82 Impfungen konnte Loibl in den vergangenen zwei Wochen durchführen.

Problemlos, so Holger Loibl, seien die Impfungen gelaufen. „Ich denke, mit den über 80-jährigen Ingersheimern sind wir durch“, so Loibl. Kritik habe er an der „Zettelwirtschaft“: „Wir sind mehr mit dem Ausfüllen der Bögen beschäftigt als mit dem Impfen.“ Zudem koste das Beratungsgespräch, wenn Astrazeneca geimpft werde, viel mehr Zeit als das mit Biontech.

Derzeit impft er seine über 70-jährigen Patienten, „damit sind wir kommende Woche durch“. Er beginnt dann mit den über 60-Jährigen und mit jüngeren Risikopatienten. Die Bundesimpfverordnung sieht vor, dass die Ärzte, „der Priorität entsprechend nach unten gehen, wenn es bei ihnen keine Priorität-1- und -2-Patienten mehr gibt“, sagt Kai Sonntag.

  „100 Patienten in der Woche zu impfen ist kein Problem“, sagt Loibl, für dessen Praxis am Dienstag der Ortsverein Ingersheim des Deutschen Roten Kreuzes auf dem Parkplatz der Metzgerei „Einhorn“ einen Pavillon aufstellte, der als Warteraum für die Impfpatienten verwendet wird. „So können wir die Nachbeobachtung unserer Geimpften aus dem Wartezimmer heraushalten“, sagt er. Er sei froh, dass er in Ingersheim so unterstützt werde.

Mehrere hundert Menschen auf der Warteliste

In Bietigheim impft Dr. Stefan Göpfert pro Woche 30 Patienten. Mehrere hundert Menschen haben sich schon auf seine Warteliste eintragen lassen. „Zwei Tage nach Beginn hatten wir schon 220 Patienten auf der Warteliste“, erklärt der Hausarzt. Dienstags bestelle er den Impfstoff bei der Apotheke, Donnerstags erfahre er, wie viel Impfstoff er erhalte, und jeweils am folgenden Montag treffe die wöchentliche Lieferung dann ein, erklärt Göpfert das Prozedere. Bislang habe er immer die bestellte Menge erhalten. Demnächst soll er Anspruch auf 48 Impfdosen pro Woche haben.

Auch der Bietigheimer Mediziner wünscht sich eine Aufhebung der Priorisierung: „Das würde die Sache schon erleichtern“, sagt er. Mittlerweile seien weitestgehend die Menschen mit sehr hohem Risiko für ein schweren Verlauf unter seinen Patienten geimpft. Impfwilligen rät er, zweigleisig zu fahren, sich auf die Warteliste beim Hausarzt setzen zu lassen und parallel zu versuchen, einen Termin im Kreisimpfzentrum zu erhalten: „Wichtig ist, dass jetzt alle geimpft werden“, so Göpfert

Wie viele Fachärzte ab kommende Woche impfen werden, weiß Kai Sonntag noch nicht, da die Ärzte lediglich bei ihrer Hausapotheke einen Bedarf anmelden müssen. In dieser Woche werde vor allem Astrazeneca-Impfstoff ausgeliefert, kommende Woche nur Biontech-Pfizer.

 
 
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