Cyriakuskirche in Bönnigheim Warum der Altar in der Karwoche geschlossen ist

Von Heidi Vogelhuber
Kurt Sartorius (links) und Pfarrer Ulrich Harst vor dem Altar der evangelischen Cyriakuskirche in Bönnigheim, der in der Karwoche geschlossen ist. Beide entdecken immer wieder Neues – ob aus künstlerischer, historischer oder religiöser Sicht. ⇥ Foto: Martin Kalb

Pfarrer Ulrich Harst und Heimatforscher Kurt Sartorius reden kurz vor Ostern mit der BZ über den Hochaltar, das Wort im Bild und Brauchtum.

Der gesamte Chorraum ist vom goldenen Glanz erfüllt. Noch bis in die hinterste Kirchenbank strahlt der spätgotische Altar. Dargestellt ist die Anbetung der Könige. Die prachtvoll geschnitzten Figuren aus Holz sind von goldenen Ranken gerahmt und auch der Hintergrund ist golden und reflektiert das einfallende Sonnenlicht. Nicht jedoch derzeit. Denn in den Karwoche ist der Hochaltar in der Cyriakuskirche in Bönnigheim geschlossen.

Darstellungen Mariens

Nicht weniger kunstvoll ist die Bemalung auf den Außenseiten der Flügel des Altars, jedoch wurde dort auf Gold verzichtet. Zu sehen ist die Verkündigung des Engels sowie Mariens Tod. Im offenen und geschlossenen Zustand sind der Gekreuzigte im Gesprenge sowie das Abendmahl in der Predella zu sehen. „Wenn der Altar geschlossen ist, geht es um den Leidensweg Christi“, erklärt Pfarrer Ulrich Harst.

Heutzutage ist der Flügelaltar nur noch in der Karwoche geschlossen, sonst immer geöffnet. Einerseits, um den Kirchgängern den Blick auf die beeindruckende Innenseite zu ermöglichen, andererseits, um den Hochaltar zu schonen. Denn das Auf- und Zuklappen hinterlässt seine Spuren; jede Erschütterung zieht die Schnitzereien in Mitleidenschaft. Umkehrte Welt, ist früher doch die Außenseite der Alltagsanblick gewesen. „Sonntags wurde der Altar aufgeklappt“, so der Pfarrer. Auch jetzt wird er am Sonntag, zu Ostern, wieder geöffnet.

„Für mich ist der Bönnigheimer Altar ein Beispiel für die Religiosität unserer Vorfahren“, sagt Kurt Sartorius, der unter anderem Vorsitzender der Historischen Gesellschaft ist, aber auch Führungen durch die Cyriakuskirche anbietet. Natürlich sei der Altar Kulturerbe und künstlerisch wertvoll. Aber er sei auch zentraler Ort in der Kirche – eigentlich der katholischen Kirche. Prunkvoll ausgeschmückte Altäre sind Teil des katholischen Brauchtums. Wegen Darstellungen wie jener auf dem rechten Innenflügel wurden nach der Reformation und während des Bildersturms die katholischen Relikte aus evangelischen Kirchen entfernt. Zu sehen ist Jesus, der den Himmelsschlüssel an Petrus übergibt. Petrus ist dabei als Papst und Stellvertreter Gottes dargestellt. Dieses Stellvertretertum lehnt die evangelische Kirche ab.

In Bönnigheim ist jedoch nicht nur der Altar, sondern sogar der Lettner erhalten. „Bönnigheim wurde zwar evangelisch, aber der Erzbischof von Mainz blieb weiterhin oberster Stadtherr und verhinderte die Zerstörung“, erklärt Sartorius den seltenen Glücksfall.

Der Altar als Inspirationsquelle

Wie sich Pfarrer Harst (seit 2017 in Bönnigheim) mit dem Altar vertraut gemacht hat? „Ich habe an zwei Führungen von Herrn Sartorius teilgenommen“, sagt er schmunzelnd. Außerdem habe er viel darüber gelesen. „Oft stehe ich in der leeren Kirche und lasse den Altar auf mich wirken.“ Immer wieder entdecke er neue Details, finde neue Interpretationen für die Bilder, die, wenn auch katholischen Ursprungs, ebenso die protestantische Botschaft in sich tragen. Im Gesprenge etwa ist der segnende Gekreuzigte dargestellt. „Diese starke Aussage habe ich in der Vergangenheit schon am Karfreitag gepredigt: Jesus, der am Kreuz noch dafür sorgt, dass es anderen gut geht.“ In der Predella ist das Abendmahl zu sehen – neben der Taufe das einzige Sakrament im evangelischen Glauben. Der Altar sei ein sakrales Objekte, das man bewundere, und das der Kirche eine ganz besondere Atmosphäre verleihe, so der Pfarrer. Darin sei aber auch das biblische Wort zu finden, das wiederum im evangelischen Glauben entscheidend sei.

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