Dämpfer für die Fusionspläne der Feuerwehren Absage für Kirbachtalwehr-Standort

Von
Sonne und Wolken über dem Standort für die gemeinsame Feuerwache im Kirbachtal (auf den Feldern). Ob diese dort kommt, ist nach BZ-Informationen fraglicher denn je. Können sich die Parteien noch einigen?⇥ Foto: Helmut Pangerl

Rückschlag für die Fusionspläne der Feuerwehren im Kirbachtal: Das Land will das das auserkorene Grundstück nicht verkaufen. Die Stadt droht, auf Kosten sitzen zu bleiben.

Seit Jahren arbeiten die Feuerwehren in Hohenhaslach, Ochsenbach und Spielberg auf eine gemeinsame Kirbachtalwehr hin. Die drei Abteilungen der Sachsenheimer Feuerwehr sind sich einig, keine Selbstverständlichkeit. Alle hofften darauf, dass die neue Wache schnell gebaut wird. Bezüglich des Grundstücks an der Straße zwischen Hohenhaslach und Ochsenbach hatte die Stadt zwar noch keinen Vollzug, sprach aber von guten Gesprächen. Dem widerspricht die Behörde Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ludwigsburg, die für das Land die Fläche verwaltet: Die Stadt hat demnach nie Kontakt zu dieser aufgenommen. Und: Ein Verkauf komme aus Naturschutzgründen nicht in Betracht.

Für die Stadt ein Fiasko: Nicht nur, dass rund 100 000 Euro Planungskosten in den Sand gesetzt sein könnten, die Zusammenlegung gilt auch aus strategischer Sicht als zwingend notwendig. Einen alternativen Standort als den gegenüber des Bromberghofs gebe es aber nicht (siehe Infobox). Erst kürzlich hatten sich die Feuerwehren der drei Ortsteile feierlich zur ersten gemeinsamen Abteilungvsersammlung getroffen. Dort bekräftigten der Kommandant der Gesamtstadt, Philipp Rousta, und die drei Abteilungskommandanten die Wichtigkeit der Zusammenlegung.

Bürgermeister: "Nicht vermittelbar"

Die steht durch die neuen Erkenntnisse nun grundsätzlich in Frage. Bürgermeister Holger Albrich hat keinen Plan B: „Das wäre natürlich ein Problem, wenn das nicht klappen würde. Das würde den Zusammenschluss der drei Feuerwehren in Luft auflösen. Das wäre nicht vermittelbar – weder gegenüber der Feuerwehr noch der Bevölkerung.“

Zumindest aber dürfte der zeitliche Ablauf gehörig über den Haufen geworfen werden. Und das würde die Stadt teuer zu stehen kommen. Denn die drei bisherigen Häuser in Ochsenbach, Spielberg und Hohenhaslach sind in einem miserablen Zustand. Sie müssen ertüchtigt werden, entsprechen nicht den aktuellen Standards. Mit einer zeitnahen neuen Wache hätte man das umgehen können. Werden alle komplett saniert und erneuert, kostet das laut Feuerwehrbedarfsplan auf mehrere Millionen Euro.

Die Worte von Vermögen und Bau wiegen schwer: „Gespräche über einen Verkauf (…) wurden bislang nicht geführt“, heißt es von Amtsleiterin Corinna Bosch in einer Stellungnahme auf BZ-Nachfrage zum Verfahrensstand. Und: „Mit mehreren Schreiben an die Stadt Sachsenheim haben wir dies bemängelt und der anderslautenden Darstellung der Stadt Sachsenheim in der Öffentlichkeit (…) widersprochen.“

Stadt gibt sich überrascht

Die Stadt ist überrascht vom klaren Nein und widerspricht ihrerseits. Einen Fehler kann Bürgermeister  Albrich nicht erkennen. Seit 2017 sei man „schriftlich im Kontakt und steht im regelmäßigen Austausch“. Der Schriftverkehr liegt der BZ in Teilen vor. Auch Telefonate habe es gegeben, so Verwaltungs-Teamchef Stefan Trunzer. Der Austausch sei positiv verlaufen, ein persönliches Treffen, habe es trotz Angebots der Stadt noch nicht gegeben. „Erst im letzten Schreiben, das heute am 19. Februar einging, wurde uns eine relativ klare Absage für das Grundstück erteilt“, sagt Stadtsprecherin Nicole Raichle. Bisher habe man dagegen die mündliche Zusage gehabt, dass das Vorhaben wohlwollend begleitet werde, wenn das Ja vom Landratsamt aus bau- und naturschutzrechtlicher Sicht vorliegt.

Die Stadt will trotz des klaren Neins weiterverhandeln. Die Gründe für die Ablehnung seien zudem „für die Stadt nicht nachvollziehbar, da dieser Standort nach der feuerwehrtechnischen Prüfung der einzig sinnvolle für das Kirbachtal ist. Aspekte hierfür sind die zehnminütige Hilfsfrist und die Tagesverfügbarkeit“, betont Raichle.

Ähnlich deutlich führt allerdings Vermögen und Bau seine Gründe für die Ablehnung auf. Es gebe „größte Bedenken gegen das Planungsvorhaben“. Eigentümer ist das Land Baden-Württemberg. Aktuell sind die Flächen von einem Landwirt für seine Bio-Hühner und -Rinder sowie Bio-Honig verpachtet. Und das ist genau ein Knackpunkt. „Ein zentraler Standort der Feuerwehr wird den Betrieb unseres Pächters aller Voraussicht nach massiv stören“, schreibt das Amt. Die Landesregierung habe sich aber „als Ziel gesetzt, die bestehende Bio-Betriebe tatkräftig zu unterstützen“. Weiter wird angeführt, dass sich das Grundstück „im Bereich der im Regionalplan als regionale Grünzüge und Grünzäsuren eingestuften Flächen befindet.“ Und: „Gleichzeitig handelt es sich um ein Landschaftsschutzgebiet, ein Vogelschutzgebiet, ein FFH-Gebiet und Naturpark.“ Die Regionalplanung habe „das verbindliche Ziel, diese Grünzüge zu schützen“.

Stefan Trunzer sagt: „Das ist uns alles bewusst. Wir haben entsprechende Voruntersuchung gemacht“, meint er mit Blick auf die Schutzgebiete. Diese seien auch schon vor einem Jahr an das Amt gegangen. „Wir werden das Schreiben so nicht stehen lassen. Das ist eine absolute Besonderheit, dass sich drei Wehren zusammenschließen wollen“, so Trunzer weiter. Auch Bürgermeister Albrich betont: „Wir geben nicht auf.“ Ausgang offen.

 
 
- Anzeige -