Darum fehlt die Torfrau der SG BBM seit Monaten Infektion am Herzen stoppt Sando

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Das Champions-League-Gruppenspiel der SG BBM Bietigheim im Februar gegen Metz war eine der letzten Partien, die Torhüterin Emily Sando bestritten hat. Eine Anfang März entdeckte Infektion in der Herzgegend hat die Karriere der 32-jährigen Norwegerin jäh unterbrochen.  ⇥ Foto: Marco Wolf

Die norwegische Torhüterin der SG BBM Bietigheim nennt erstmals die Hintergründe für ihren monatelangen Ausfall. Der Verein will kein Risiko eingehen und hofft auf eine baldige Genesung.

Mit einem emotionalen Statement hat sich Emily Sando zu Wort gemeldet und das Geheimnis gelüftet, warum sie seit mehreren Monaten nicht mehr für die SG BBM Bietigheim aufgelaufen ist. „Es war ein verrückter Frühling, und viele haben mich gefragt, warum ich nicht spiele. Der Grund ist, dass ich eine Infektion rund ums Herz habe und mich ausruhen muss“, bekannte die 32-jährige Handball- Torhüterin in englischer Sprache auf ihrem Instagram-Account, auf dem sie mehr als 6000 Abonnenten hat. Allerdings gab Sando auch gleich Entwarnung: „Alles ist gut, und ich spüre nichts außer einer großen Ruhelosigkeit. Ich kann es nicht erwarten, zurückzukommen.“

Am 3. März hatte die 1,80 Meter große norwegische Europameisterin im Bundesliga-Auswärtsduell bei den Vipers der HSG Bad Wildungen ihren bisher letzten Einsatz im Bietigheimer Kasten gehabt. Kurz vor der folgenden Champions-League- Heimpartie in Ludwigsburg gegen Györi Audi ETO KC tauchte dann bei einer medizinischen Untersuchung ein auffälliger Befund auf, worauf die Spielgemeinschaft Sando vorsorglich aus dem Kader nahm. Für den Rest der Saison war Valentyna Salamakha weitgehend allein für den Job zwischen den Pfosten zuständig. Eine Nachverpflichtung schied aus, da die Wechselfrist bereits abgelaufen war. Als Ersatztorhüterin sprang darum Rena Keller aus der eigenen Talentschmiede ein – die SG Schozach-Bottwartal, bei der die damals 17-Jährige in der Drittliga-Mannschaft mitmischte, löste das Zweitspielrecht auf und gab Keller kurzfristig frei.

Über die konkreten Gründe für Sandos Ausfall hüllten sich die Bietigheimer Verantwortlichen öffentlich lange in Schweigen. Kryptisch war allenfalls eine Infektion bestätigt worden. Doch nach der Offenbarung der Norwegerin im Internet hat sich jetzt auch der zweimalige Deutsche Meister und aktuelle Pokalsieger auf BZ-Nachfrage geäußert. „Die Gesundheit unserer Spielerinnen steht bei der SG BBM immer im absoluten Vordergrund“, sagt Sportdirektor Gerit Winnen. Der Ausfall von Sando in der abgelaufenen Rückrunde sei ein großer Verlust gewesen. „Wir hoffen alle, dass sie bald vollständig genesen in den Profisport zurückkehren kann. Diesbezüglich stehen wir im stetigen Austausch mit unserem Ärzteteam und den Spezialisten, deren Vorgaben wir strikt befolgen, um auch weiterhin keinerlei gesundheitliche Risiken einzugehen“, stellt Winnen fest.

Rege Anteilnahme

Über die rege Anteilnahme hat sich Sando sehr gefreut. „Vielen Dank für all die netten Mitteilungen“, schrieb die Torhüterin auf Instagram und hob zwei Protagonisten ausdrücklich hervor. Ihrem Verein SG BBM dankte sie für die Geduld und die Unterstützung in der schweren Zeit. Und ihrem Freund Brian Ankersen, dem Interimstrainer der Bietigheimer Zweitliga-Männer, dankte sie dafür, dass er die Situation mit ihr durchstehe. „Ich bin nicht die einfachste Person, wenn ich nicht trainieren kann“, fügte sie mit einem Kuss-Smiley hinzu.

Für die kommende Saison plant die Spielgemeinschaft nun mit drei Keeperinnen, um das erfahrungsgemäß anspruchsvolle Bundesliga- und internationale Geschäft (Champions League oder EHF-Pokal) zu stemmen. Aufgrund der unsicheren Corona-Zeiten hatte der Klub in der Spielzeit 2020/21 noch bewusst auf die Verpflichtung einer weiteren Torfrau verzichtet.

Als Neuzugang steht die ungarische Nationaltorhüterin Melinda Szikora (Siófok KC) fest. Offen ist, wie es mit Sando weitergeht – sie hatte im vergangenen Jahr einen Zweijahreskontrakt bis zum 30. Juni 2022 unterzeichnet. Salamakha, die Winnen zufolge bereits zum 31. Januar ihre Kündigungsoption im Vertrag gezogen hatte, verlässt Bietigheim nach fünf Spielzeiten im Enztal mit Ziel unbekannt. Und Toptalent Keller (18) hat schon vor längerer Zeit einen Vertrag bei der SG Schozach-Bottwartal aus der Dritten Liga Süd unterschrieben.

 
 
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