Das leere Gebäude in Bietigheim-Buch soll anderweitig genutzt werden Waldkindergarten statt Jugendtreff

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Der Jugendtreff im Buch ist seit Monaten zu. Hier könnte jedoch bald eine Kindergartengruppe ein neues Zuhause finden.&x21e5; Foto: Helmut Pangerl

Seit Mitte des Jahres 2019 ist der Jugendtreff in der Freiberstraße zu. Nun überlegt die Stadt, ob sie in dem Gebäude für einen Waldkindergarten nutzt.

Zuletzt war der Jugendtreff im Buch Thema im Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Bietigheim-Bissingen. Nach den Pfingstferien 2019 musste der Treff, der von der Bietigheim-Bissinger Initiative und Jugendförderung „Das Netz“ betrieben wird, geschlossen werden. Grund für die Schließung war, dass das Jugendhaus von den Jugendlichen nicht genutzt wurde, berichtete Harald Finkbeiner-Loreth, Leiter der städtischen Jugendförderung „Das Netz“, vergangenes Jahr beim Jugendausschuss. Ideen, für was das leer stehende Gebäude genutzt werden könnte, sind da.

„Derzeit wird daran gedacht, eine Kinderbetreuung dort einzurichten. Die Überlegungen sind noch nicht ganz abgeschlossen, aber wir hoffen, dass es klappt“, sagt Anette Hochmuth, Pressesprecherin der Stadt auf Nachfrage. „Da wir ja immer noch Bedarf für weitere Plätze haben, wäre es eine kleine Entlastung, wenn dort eine Gruppe in der Form eines Waldkindergartens öffnen könnte.“ Allerdings gilt es, diese Überlegung zu prüfen und die Machbarkeit zu klären. Wann die Stadt eine Entscheidung treffen werde, sei noch nicht bekannt.

Kein Jugendtreff mehr

Für die Stadt, den Ortsteil Buch und auch die Bewohner wäre es wünschenswert, wenn das Gebäude wieder sinnvoll genutzt werde. Doch einen Jugendtreff wird es so nicht mehr geben. Das zeigten die letzten erfolglosen Jahre. Bis Januar 2016 hatten die Jugendlichen aus dem Wohngebiet eine feste Anlaufstelle in der Freibergerstraße 81. Dort wurden Boxkurse und Filmabende veranstaltet. Seit der ehemalige Leiter des Jugendtreffs aus privaten Gründen weggezogen ist, sind die Rollläden des Gebäudes unten und die Jugendlichen ohne Treffpunkt.

Von Januar 2016 bis November 2017 war die Stelle des Sozialarbeiters unbesetzt. Bemühungen, die Stelle so schnell wie möglich zu besetzen, liefen auf Hochtouren. Während jedoch die Stelle für das zentrale Jugendhaus 4D zum Anfang des Jahres 2016 besetzt werden konnte, blieb die Halbtagsstelle im Buch unbesetzt. Diese Situation wurde von den Bewohnern im Buch bedauert. Denn die Jugendlichen hätten – hauptsächlich in den Abendstunden – keinerlei Möglichkeiten, sich im Buch in gemeinsamen Räumen, wie in einem Jugend-Café, zurückzuziehen oder selbstständig etwas zu organisieren.

Zwar kamen Mitarbeiter der mobilen Jugendarbeit regelmäßig im Buch vorbei, eine Zeit lang habe es im Winter auch eine Montagsgruppe gegeben, die sich allerdings aufgelöst hat. Den „Silberstreif am Horizont“ hatte Finkbeiner-Loreth dann im Dezember 2016 versprochen. Markus Graf trat am 1. November 2017 die Stelle an, die im Sommer 2017 vom Gemeinderat auf eine Vollzeitstelle erhöht wurde. Damit wollte die Stadt die Stelle attraktiver gestalten. Markus Graf war der Jugendförderung kein Unbekannter. Er hatte bereits ein Jahr lang ehrenamtlich neben dem Studium im Jugendhaus „Das Netz“ im Ellental mitgearbeitet. Der damals 25-Jährige hat Soziale Arbeit auf Bachelor studiert.

Mit Markus Graf sollte es einen Neuanfang im Jugendtreff Buch geben. Das 100 Quadratmeter große Haus wurde für rund 7000 Euro renoviert. Der Boden wurde komplett abgeschliffen und geputzt, Wände gestrichen und die Toiletten wurden neu gemacht. Im März 2018 war der Jugendtreff dann endlich wieder geöffnet – für zwei Tage die Woche. Doch schon die Eröffnung sollte ein Vorbote sein, denn kein einziger Jugendlicher kam vorbei. Für Markus Graf damals kein Scheitern: „Das muss sich erst rumsprechen.“ Es wurde auch keine plakative Werbung gestaltet, weil sich die Jugendlichen nicht gezwungen fühlen sollen, hierher zu müssen, sondern sie sollen kommen, wenn „sie selbst Lust dazu haben“, erklärte Graf.

Von zwei auf einen Tag

Noch im Januar 2019 sagte der Sozialarbeiter zwar, dass 15 Jugendliche regelmäßig kommen. Zur Wiedereröffnung hatte man sich noch um die 20 Jugendlichen als regelmäßig Treffbesucher erhofft. Doch schon Anfang 2019 zweifelten Graf und „Das Netz“ am Erfolg. „Es ist sehr wechselhaft. Wir finden gerade noch unseren Weg.“ Von Anfangs zwei Tagen wurden die Öffnungszeiten auf einen Tag verkürzt. Nachdem sich nach den Sommerferien 2018 eine Clique aufgelöst hatte, die dorthin kam, habe sich die Besucherzahl zum Winter hin immer weiter ausgedünnt, berichtete der Leiter der Jugendförderung im Jugendausschuss. Die Folge: Seit März 2019 gab es gar keine Besucher mehr.

Die Stadt und Harald Finkbeiner-Loreth sprachen sich daher dafür aus, das Personal ganz ans Jugendhaus 4D anzudocken.

 
 
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