Das Ringen um die Zukunft des Judo Clubs in Bietigheim geht weiter Gericht ordnet Versammlung an

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Der Haussegen im Dojo, dem Vereinsdomizil des Judo-Clubs Bietigheim, hängt immer noch schief. Foto: rtin Kalb

Die Vertreter der Judo- und Ju-Jutsu Abteilungen im zerstrittenen Bietigheimer Verein sehen sich nach zwei Gerichtsterminen bestätigt.

Statt auf der Matte wurden die Kämpfe im Judo Club Bietigheim (JCB) in jüngster Zeit vor Gericht ausgetragen – jedenfalls zwischen den Vertretern der Abteilungen Aikido, Karate und Tai Chi auf der einen, Judo und Ju-Jutsu auf der anderen Seite. Letztere reklamieren dabei den Sieg für sich.

Zum Hintergrund: Wie berichtet, war nach anhaltenden Querelen im Januar 2020 ein mehrheitlicher Beschluss des dreiköpfigen Vorstands (durch den 1. Vorsitzenden Uwe Careni und den 2. Vorsitzenden Hubert Kohlhepp) und des 15-köpfigen Hauptausschusses gefallen, den Sportbetrieb der Abteilungen  Judo und Ju-Jutsu mit circa 400 Mitgliedern zum 30. Juni einzustellen. Das Heilbronner Landgericht, das von den Judo- und Ju-Jutsu-Vertretern deshalb angerufen wurde, hatte jedoch entschieden, dass dies erst nach Abhaltung einer Versammlung des rund 860 Mitglieder zählenden Vereins möglich sei. Dazu fand nun am 27. Januar dieses Jahres vor dem 3. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart (OLG) eine weitere Verhandlung statt, da der beklagte Vorstand in Berufung gegangen war.

Berufungsklage zurückgezogen

Laut Markus Gruber, dem 3. Vorsitzenden des JCB, habe das OLG in einer umfangreichen rechtlichen Einschätzung den Vorstandsbeschluss vom Januar 2020 für nichtig erklärt, da dieser in die Rechte der Mitgliederversammlung in unzulässiger Weise eingreife. Nachdem auch kein Vergleich zustande kam, habe Vorsitzender Careni schließlich die Berufungsklage vor Ort zurückgezogen.

Gruber wertet das als Erfolg: Auch wenn es nun kein Urteil gebe, sei die rechtliche Würdigung in der Verhandlung so eindeutig ausgefallen, dass die Mitglieder künftig auf einen Rechtsfrieden hoffen dürften, um in Ruhe an einer vereinsinternen Lösung arbeiten zu können. Das Oberlandesgericht habe auch eindringlich auf die Notwendigkeit eines Mitgliederentscheids hingewiesen.

Diesbezüglich hatten die Judo- und Ju-Jutsu-Vertreter zudem bereits bei einem zweiten Gerichtstermin am 20. Januar Rückenwind erhalten. Denn das Registergericht am Amtsgericht Stuttgart ordnete an, dass spätestens bis zum 30. März eine Mitgliederversammlung einberufen werden müsse. Das ist mittlerweile geschehen, die Versammlung soll am 8. Mai online stattfinden. Das Registergericht gab damit einem Minderheitenverlangen auf eine außerordentliche Versammlung Recht, wogegen der Mehrheitsvorstand der Ansicht gewesen war, dass das notwendige Quorum von einem Fünftel der Mitglieder nicht erreicht gewesen sei, da auch Mitglieder unter 18 darunter waren.

Die Tagesordnung umfasst drei Punkte: Die Annullierung des Vorstandsbeschlusses vom Januar 2020 zur Auflösung der Abteilung Judo und Ju-Jutsu, die Abwahl des ersten und zweiten Vorstands Uwe Careni und Hubert Kohlhepp und die Abstimmung über eine Aufteilung des Vereins. Letzteres ist nach Ansicht von Gruber aber eigentlich nicht mehr nötig, denn nach den Gerichtsterminen stehe fest: „Die Trennung ist vom Tisch.“

Gespräche gehen weiter

Derweil verhandeln die Vertreter der verschiedenen Abteilungen wieder, um doch noch eine Lösung zu erzielen, mit der beide Seiten leben können – allerdings ohne den ersten Vorsitzenden Uwe Careni. Dieser wollte sich angesichts der laufenden Verhandlungen auch nicht zur aktuellen Lage äußern. Das sei zwischen den Vertretern beider Seiten so vereinbart worden, und er wolle sich daran halten.

Laut Markus Gruber ist im Gespräch, dass diejenigen, die mit einem Fortbestand des Vereins in bisheriger Form nicht einverstanden seien, austreten und einen eigenen Verein bilden. Über die Bedingungen werde derzeit diskutiert. Er hoffe auf eine Lösung, so der 3. Vorsitzende, denn die Schäden durch die Kosten des Rechtsstreites, den Beschluss, keine Mitglieder mehr aufzunehmen, den Imageverlust sowie rapide gesunkene Mitgliederzahlen seien groß.

 
 
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