Davor Sucic geht im September in den Ruhestand Nach 35 Jahren ist Schluss

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Nach 35 Jahren hört Davor Sucic, der Pächter der BHTC-Vereinsgaststätte in Bietigheim-Buch auf. ⇥ Foto: Martin Kalb

Iva und Davor Sucic haben seit mehr als 35 Jahren das BHTC-Vereinsheim betrieben. Im September verabschieden sie sich in den Ruhestand.

Ein wenig ist die Zeit stehen geblieben im Vereinsheim des Bietigheimer Hockey- und Tennisclubs (BHTC): von den Holztischen und -stühlen, den Lampen bis zu den Vorhangstangen herrscht ein rustikaler Stil. Mit modernen hippen Restaurants hat das Vereinsheim nicht viel gemein, muss es auch nicht, denn wer hier Gast ist, kommt nicht allein des guten Essens wegen. Die Gäste kommen auch und vor allem wegen Pächter Davor Sucic und seiner Familie, die ihre Gäste stets wie ein Teil der Familie behandelt haben. Doch der 64-Jährige und seine Frau gehen im September in den Ruhestand.

Mehr Zeit für die Enkel

„Meine Frau wird 66 und ich 65 Jahre alt – es wird Zeit aufzuhören“, begründet Davor Sucic diesen Schritt. Sie wollen mehr Zeit mit den Enkeln verbringen. Die Pandemie habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt. Leicht sei ihm der Schritt dennoch nicht gefallen. Denn es hängen viele Erinnerungen an dem Vereinsheim, und auch Freundschaften entstanden über die Jahre. Sucic erinnert sich gerne zurück an die Zeit, als es noch Stammtische in seiner Gaststätte gab. „Da gibt es viele lustige Geschichten“, sagt er, „da hat immer einer Sprüche geklopft, dass sich die Balken biegen. Wir haben Glück, dass die Balken noch stehen“, sagt er lächelnd. Die Stammtische sind mit der Zeit weniger geworden. Es fehlte der Nachwuchs, sagt Davor Sucic. Den Kontakt zu den Stammtischlern halte er jedoch aufrecht. Auch das zeichnet den Gastronomen aus und macht ihn beliebt bei seinen Gästen.

Vor rund 20 Jahren begann das Ehepaar Sucic zudem eine Kleinkunstbühne in ihrem Restaurant zu etablieren. Etliche Künstler kamen ins Buch und belebten den Ortsteil. „Es gab viel Musik und die Stimmung hat gepasst“, fasst der Bietigheim-Bissinger es zusammen. Fing es am Anfang an als Werbung für den Gastronomiebetrieb entwickelte es sich schnell zu einer Herzensangelegenheit. „Ich wollte etwas bewegen“, sagt der 64-Jährige. Mit Hans Fleischle habe es angefangen und ihn wollte er gerne noch mal in seinem Vereinsheim begrüßen dürfen, doch aus gesundheitlichen Gründen sei dies nicht mehr möglich. „Er hat mir viele gute Ratschläge gegeben“, sagt Sucic über den ehemaligen Rektor der Hillerschule und Autoren mit Drang zum Dichten. „Sein Bekanntenkreis und seine Fans halfen, die Kleinkunstbühne bekannt zu machen.“ Er hofft, dass er nach dem Lockdown auch noch ein paar Veranstaltungen machen kann. Stillsitzen liege ihm eben nicht, das ist auch ein Grund, warum er mehr als 35 Jahre lang das Vereinsheim erfolgreich führte. „Tagtäglich waren wir hier – auch in der Freizeit.“ Das sei für ihn von Anfang an klar gewesen. Um seine Frau zu entlasten, steht er nun selbst in der Küche. „Dinge, die Spaß machen, sind mit Geld nicht zu bezahlen“, sagt er zu den langen Arbeitstagen.

Bereits im Dezember jährte sich Davor Sucic’ Einstieg in die Gastronomie: 35 Jahre war es her, als er das Vereinsheim als Pächter übernahm. Eine Feier war aufgrund der Pandemie jedoch nicht möglich. Nun hofft Davor Sucic auf den Sommer, um sich von seinen Gästen verabschieden zu können. „Ich will mich nicht still und leise verabschieden, sondern mit einem Handschlag.“ Doch bleibt er dem Ortsteil auf jeden Fall erhalten. „Wir bleiben natürlich hier wohnen.“ Feste organisieren für die Gemeinschaft im Buch, Reisen, das könne er sich für seine Rente vorstellen. Auf die Frage, ob er sich nicht erst mal eine Pause gönnen wolle, reagiert er mit seinem typischen Humor: „Wenn ich im September aufhöre und im Frühjahr wieder anfange, ist es ja ein bisschen Pause“, sagt er zu seiner Idee, den Ortsteil wieder durch Veranstaltungen mit Leben zu erfüllen.

Noch aber arbeitet Davor Sucic hart für das weitere Bestehen des Betriebs. Wie viele andere Gastronomen bietet er Essen zum Mitnehmen an. Im Frühjahr gab es das zunächst noch mit Einweggeschirr. Doch ein Gast fragte nach richtigen Tellern und trat damit einen anhaltenden Trend los. Während Sucic zunächst nur bei bekannten Gästen das Essen auf Porzellantellern zum Mitnehmen anbot, ist es mittlerweile für jeden so. Die Teller kommen von seiner Cousine, die, wie Sucic selbst, im Hotel Alka arbeitete. „Es schmeckt einfach besser vom Porzellanteller.“ Sowohl der 64-Jährige als auch seine Gäste werden nostalgisch beim Anblick der Alka-Teller. Schon 1965 war sein Onkel bei Alka. „Das ist vom Buch“, sagt er zu den Tellern, „ein Stück Erinnerung.“ Thermoboxen hat er ebenfalls gekauft, falls die Kunden eine längere Strecke zurücklegen.

Rose für die Gäste

Zudem wolle der gebürtige Kroate die Kunden belohnen, dafür, dass sie ihn mit Bestellungen unterstützen. Ein Großteil seines Kundenkreises sei in einem Alter, in dem eben noch die Frau koche, sagt er. „Die Frauen sollen belohnt werden und von Anfang an verteile ich eine Rose an jede Frau im Haushalt.“ Es sind solche vermeintlichen Kleinigkeiten, die es Davor Sucic ermöglichte 35 Jahre lang den Betrieb erfolgreich zu führen. „Wenn ich noch mal auf die Welt kommen würde, würde ich alles noch mal machen“, sagt er über seinen Beruf, aber auch sein Leben. Nur für seine Ausbildung würde er noch mehr Zeit investieren wollen. „Ich hatte viel Praxis in meiner Ausbildung, doch von Buchführung hatte ich beispielsweise keine Ahnung.“ In Kroatien absolvierte er von 1969 bis 1973 eine Ausbildung zur Hotelfachkraft. Von 1973 bis 1985 arbeitete der heute 64-Jährige im Hotel Alka in Bietigheim-Bissingen, bis er die Vereinsgaststätte übernahm. „Ich wollte etwas Neues ausprobieren.“

Seine Familie habe ihn dabei immer unterstützt, erklärt er und dankt Tochter Ana und Frau Iva. Seine Frau habe jahrzehntelang die Küche betrieben. „Ich war vorne stark, aber ohne starke Frau, die einem den Rücken stärkt, ist nicht viel zu machen.“ Das sei immer noch so, sagt er sehr dankbar über die Unterstützung.

Dankbar sei er auch für seine Gäste, für die er sich immer Zeit nehme und die er vermissen werde. „Man muss immer einen Blick zur Türe haben, um neue Gäste zu begrüßen“, sagt er. Hinzu komme der Blick zur Küche, damit niemand auf sein Essen warten muss. „Das ist die gute Schule meines Onkels Ivo. Er sorgte für den Feinschliff nach meiner Ausbildung.“ Diese gute Schule werden die Gäste sicherlich vermissen. Der Vollblut-Gastronom wird eine große Lücke hinterlassen, die nur schwer zu füllen sein wird.

BHTC hofft einen würdigen Nachfolger zu finden

Eigentümer des Vereinsheims ist der Bietigheimer Hockey- und Tennisclub. Wie dessen Erster Vorsitzender, Götz Andraschko, mitteilt, gibt es bislang noch keinen Nachfolger für Davor Sucic. „Es soll ein Restaurant bleiben“, fügt er jedoch hinzu. „Ich bin optimistisch“, sagt Andraschko zur Nachfolgersuche, allerdings sei dafür wichtig, dass sich die Corona-Lage verbessert oder gar die Pandemie vorüber ist.

„35 Jahre lang haben wir zusammengelebt“, sagt der Vorsitzende zu der gemeinsamen Zeit mit Davor Sucic, „wir haben Taufen, Konfirmationen, unsere Weihnachts-, Faschings-, Turnier- und Aufstiegsfeiern dort gefeiert. Das sind tolle Erlebnisse.“ Das Vereinsleben habe dort stattgefunden und das werde es auch in Zukunft noch. „Herr Sucic war derjenige, der das angenehm gestaltet hat. Es gibt nicht viele Vereine, die sagen können, dass sie einen Pächter über 35 Jahre gehabt haben.“

 
 
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