Dekanat Ludwigsburg Aus dem Dekanat Ludwigsburg werden drei Raumschaften

Von Gabriele Szczegulski

Pfarrer Jens-Uwe Schwab stellt in Sankt Johannes die neue Dekanatsstruktur für die Diözese Rottenburg-Stuttgart vor.

Raumschaften finde ich ein fürchterliches Wort, ich sage lieber Großgemeinden“, so begann am Donnerstagabend der Pfarrer der katholischen Gemeinden Bietigheim-Bissingen sowie der Seelsorgeeinheit Freiberg, Ingersheim Pleidelsheim, Jens-Uwe Schwab, als er die geplanten Strukturänderungen des katholischen Dekanats Ludwigsburg vorstellte. In Raumschaften soll dieses nämlich umstrukturiert werden. In ihrer Gemeindeversammlung im Gemeindesaal von Sankt Johannes in Bietigheim waren die rund 150 Mitglieder der insgesamt sechs Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit die ersten im Dekanat Ludwigsburg, die diese Pläne zu Ohren bekamen.

Das Bietigheimer Publikum erfährt es als erstes

Denn erst einen Abend zuvor, am vergangenen Mittwoch, waren die Pfarrer und Kirchengemeinderatsvorsitzenden aller Gemeinden des Dekanats zu Dekan Alexander König geladen worden, der die Struktur der Raumschaften, erdacht von Bischof Dr. Klaus Krämer und der Diözese Rottenburg-Stuttgart, erläuterte. Grund für die Umstrukturierung ist der starke Schwund der Gläubigen, der in den kommenden Jahren um die 30 Prozent weniger zahlende Kirchenmitglieder bescheren wird. Zudem wird die Zahl der pastoralen Mitarbeiter – Pfarrer, Referenten und Diakone – bis 2040 um 50 Prozent zurückgehen. Das erfordere, so Krämer, eine Veränderung der Strukturen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Demnach werden die 1025 Kirchengemeinden und 268 Seelsorgeeinheiten der katholischen Diözese in Raumschaften strukturiert. Gemeinsam mit dem kleinen Dekanat Mühlacker wird es im bisherigen Dekanat Ludwigsburg drei dieser Großgemeinden geben. Dekan König hatte den Kirchengemeindevertretern fünf Modelle der Aufteilung vorgestellt. Die betroffenen Gemeinden und Seelsorgeeinheiten sollen nun bis April Stellung beziehen, welches Modell sie als machbar ansehen. Zudem sollen die einzelnen Gemeinden ein Profil für sich erarbeiten, so Pirmin Weissensee, Kirchengemeinderatsvorsitzender der Seelsorgeeinheit. Ende des Jahres wird Bischof Krämer dann über die Aufteilung entscheiden.

Danach geht es in die Details. Jede Raumschaft muss eine Zentralkirche bestimmen, die sogenannte Unionskirche, und damit den Sitz der Körperschaft des öffentlichen Rechts. Das bedeutet, alle Verwaltungs- und Organisationsaufgaben werden von diesem Ort ausgehen. Die anderen Gemeinden werden zu sogenannten Kirchorten, die, so Schwab, weiterhin Seelsorge vor Ort betreiben. Aber, so Weissensee, die Schwerpunkte der Nutzung vor Ort werden anhand des Profils der Gemeinden bestimmt. So sei es beispielsweise möglich, dass in Sankt Maria in Freiberg der Schwerpunkt auf der Jugendarbeit liege, an Sankt Laurentius in Bietigheim auf der Kirchenmusik. Es sei nun Aufgabe der Gemeinden, ihr Profil zu definieren. Aber die Gemeinden müssen auch bluten: Die Immobilien werden geprüft und eventuell verkauft, vermietet oder einem anderen Zweck zugeführt. Zwei der fünf Modelle, so erklärte Pfarrer Schwab, wären schon aus dem Rennen, denn diese schneiden das Dekanat mit einem Längs- oder einem Querschnitt in drei Teile, ohne Rücksicht auf Verbünde oder Seelsorgeeinheiten zu nehmen. Wie auf die Seelsorgeeinheit Bietigheim-Bissingen, Freiberg, Ingersheim, Pleidelsheim, die vor einem Jahr entstanden ist und schon jetzt eine enge Verbundenheit zeigt.

Bietigheim-Bissingen und Ludwigsburg werden nicht vereint

Es gebe nur eine Prämisse in der Bildung der Raumschaften, so Schwab, und das sei der Fakt, dass die beiden größten katholischen Gemeinden Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen nicht in einer Raumschaft vereint werden sollen. Favorisiert, so Pfarrer Schwab, werde bisher von den Verantwortlichen seiner Seelsorgeeinheit das Modell 4.

Die Umsetzung dessen würde bedeuten, dass Bietigheim-Bissingen, Freiberg, Pleidelsheim und Ingersheim mit der Seelsorgeeinheit Mittlerer Neckar-Unterm Michaelsberg (Bönnigheim, Besigheim, Gemmrigheim, Walheim, Freudental) und der Seelsorgeeinheit Stromberg (Sachsenheim, Enzweihingen und Sersheim) sowie Vaihingen und der Seelsorgeeinheit Bottwartal mit Steinheim und Großbottwar vereint würde. Zudem, so Schwab, hätte auch die Seelsorgeeinheit rund um den Hohenasperg mit Tamm, Asperg und Markgröningen Interesse angemeldet, dieser Union beizutreten. Die Anzahl der pastoralen Bediensteten werde beibehalten, auch die drei Pfarrer Jens-Uwe Schwab, Hans Drescher (Mittlerer Neckar) und Sunny Muckumkal (Stromberg), sagte Schwab auf Nachfrage. Aber, so betonte er, die Modelle seien nicht fix, genau dies sei die Aufgabe, jetzt Verbindungen über Gemeindegrenzen zu definieren und Veränderungen vorzuschlagen.

Ende 2027 werden alle Kirchengemeinden aufgelöst

Sicher sei, dass Bietigheim-Bissingen Sitz der künftigen Union werde. Denn das sei die größte Seelsorgeeinheit mit den meisten Mitgliedern und läge zentral. Alle Vorschläge zur Neustrukturierung werden bis April gebündelt und dem Bischof übergeben. Dieser entscheide, so Schwab, bis Ende 2026 über die Raumschaften. Zum 31. Dezember 2027 würden dann alle Kirchengemeinden aufgelöst und am 1. Januar 2028 die drei Raumschaften als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet. Damit wird es auch das katholische Dekanat Ludwigsburg nicht mehr geben.

 
 
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