DEL-Halbjahreszeugnis Bietigheim Steelers Viele Tops und einige Flops

Von Andreas Eberle
Steelers-Stürmer Riley Sheen sorgt bisher auch in der DEL für Furore. Mit 19 Toren führt der 26-jährige Kanadier zur Saisonhalbzeit sogar die Torschützenliste an. ⇥ Foto: Ralf Poller/Avanti

Halbzeit in der DEL: Die BZ beleuchtet, wie sich der Neuling Bietigheim Steelers bisher in seiner Premierensaison geschlagen hat. Von Andreas Eberle

Die Bietigheim Steelers haben die ersten 28 Hauptrundenspiele im Eishockey-Oberhaus hinter sich. An diesem Freitag (19.30 Uhr) beginnt für den Aufsteiger nun bei den Iserlohn Roosters die zweite Saisonhälfte. Wie fällt das Fazit zum Bergfest in der Eliteklasse aus? Wer hat bisher überzeugt, wer ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben? Wo besteht Steigerungsbedarf? Die BZ gibt in ihrer Analyse Antworten.

Der Saisonverlauf der Steelers

Nach 30 von 60 DEL-Spieltagen (jedes Team hat 56 Spiele) steht Bietigheim am Tabellenende, mit drei Zählern Rückstand auf Schwenningen und deren vier auf Iserlohn. Zur Erinnerung: Der Klub, der die Hauptrunde als Schlusslicht beendet, steigt ab. Sollten die Löwen Frankfurt als DEL2-Meister aufsteigen, muss auch der Vorletzte runter.

Mit der Aufstiegseuphorie im Rücken holte das Team von Trainer Daniel Naud zu Saisonbeginn Siege gegen Ingolstadt, Köln, Straubing, Krefeld, Düsseldorf und Iserlohn. Nach dem zwölften Spieltag grüßten die Schwaben sogar von Rang neun. Doch nach einer Talfahrt mit elf Pleiten aus zwölf Begegnungen rutschte der Neuling immer weiter ab – bis auf den aktuellen letzten Rang. Zuletzt zeigte die Tendenz wieder nach oben: Mit neun von 15 möglichen Punkten aus den vergangenen fünf Partien stellte der SCB den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze her.

Die bisherigen Höhepunkte in der DEL

Unvergessen bleibt das historische erste DEL-Spiel der Vereinsgeschichte: Bei der Premiere feierten die Steelers am 10. September vor 2834 Fans in der EgeTrans-Arena auf Anhieb den ersten Sieg – ein 5:4 gegen den ERC Ingolstadt. Zum ersten und bisher einzigen Mal mit 4517 Zuschauern ausverkauft war die Halle im Heimspiel gegen die Adler Mannheim. Die Kulisse beflügelte auch das Naud-Team, das den Kurpfälzern beim 2:4 einen heißen Kampf lieferte. Vor einer Woche schlug der Aufsteiger dann zum ersten Mal einen „Großen“: Gegen den als Spitzenreiter angereisten EHC Red Bull München gab es in der EgeTrans-Arena einen 6:3-Sensationscoup.

Die bittersten Momente für Bietigheim

Zu den Tiefpunkten zählten die Pleiten gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven. Der 3:10-Heimschmach folgte elf Tage später ein 2:8 an der Nordsee – die beiden bisher höchsten Bietigheimer Saisonniederlagen. Wenig ruhmreich war auch der erste Auftritt Ende Oktober in München. Obwohl Red Bull aufgrund von 16 Corona-Fällen im Kader mit einem blutjungen Team und nur 14 Feldspielern antrat, unterlag der SCB mit 0:2.

Die Stärken

Der Underdog aus dem Ellental lebt von Fleiß, Einsatzbereitschaft, Kampfgeist und Zusammenhalt. Mit diesen Tugenden haben die Steelers ihre Defizite in Sachen Kaderqualität, Spielkunst, Dynamik und Präzision bisher gut kompensiert. Zu einer Waffe hat sich der erste Sturm entwickelt: Riley Sheen, Evan Jasper und C.J. Stretch brauchen sich vor den übrigen DEL-Paradereihen nicht zu verstecken. Die drei Nordamerikaner haben allein 35 der aktuell 73 Tore beigesteuert. Immerhin drei Teams haben bisher generell seltener getroffen als Bietigheim: Schwenningen, Augsburg und Nürnberg.

Der Schwachpunkt

Die Abwehr ist die große Baustelle bei den Steelers. Als einzige Mannschaft hat der Aufsteiger bereits mehr als 100 Treffer kassiert: 105 und damit im Schnitt 3,75 pro Spiel. Ähnlich schlecht stehen Augsburg (3,7) und Iserlohn (3,4) da. Mannheim stellt statistisch mit 2,3 Gegentoren die beste Hintermannschaft. Die schlechte Defensivleistung korrespondiert mit einem schwachen Penaltykilling: Mit einer Erfolgsquote von nur 69 Prozent belegt der SCB hier im Liga-Ranking abgeschlagen den letzten Platz. Bei fast jeder dritten Unterzahl klingelt es also im Bietigheimer Kasten.

Die Topspieler

Riley Sheen, der bereits in Liga zwei als Topscorer maßgeblich am Aufstieg beteiligt war, zählt auch in der DEL zu den auffälligsten Stürmern und führt, gemeinsam mit Wolfsburgs Chris DeSousa, mit 19 Treffern die Torschützenliste an. Die Topscorer-Rolle teilt sich Sheen aktuell mit seinem kanadischen Landsmann Brendan Ranford. Der kurz vor Saisonbeginn verpflichtete Ex-Berliner hat bisher ebenfalls 28 Punkte gesammelt und ist mit 21 Vorlagen der Assistkönig im Team.

Auch Sami Aittokallio hat sich als Glücksgriff erwiesen. Der 29-jährige Finne zählt mit einer Fangquote von 92,31 Prozent zu den besten Torhütern der Liga und kassiert im Schnitt nur 2,7 Treffer – für einen Klub aus dem Tabellenkeller ein Spitzenwert. Mit Aittokallio im Kasten gewannen die Steelers acht von 14 Partien; in den 14 Duellen ohne ihn gingen sie zwölfmal als Verlierer vom Eis.

Ein weiterer Volltreffer ist Constantin Braun. Der aus Berlin ausgeliehene Kapitän ist die Führungs- und Integrationsfigur schlechthin. Wenn er auf dem Eis ist, steht die Abwehr. Er ist mit 15 Zählern auch der punktbeste Verteidiger, gefolgt von Jalen Smereck (11). Der Mitte Oktober aus der Ukraine geholte US-Amerikaner wusste bei seinen bisher 18 Einsätzen zu gefallen.

Die Verlierer

Mitchell Heard war mit elf Punkten, darunter sieben Toren, bei seinen 19 Einsätzen im Bietigheimer Trikot sportlich durchaus ein Aktivposten. Allerdings flog der in der Szene als schwieriger Charakter geltende Kanadier Ende Oktober aus internen Gründen erstmals aus dem Aufgebot. Auch nach seiner Begnadigung und der Rückkehr aufs Eis hielt der Burgfrieden nicht lange. Vor knapp drei Wochen trennte sich der Klub endgültig von Heard. Er stürmt nun für Toledo Walleye in der drittklassigen nordamerikanischen Profiliga ECHL.

Der derzeit verletzte Angreifer Daniel Weiß blieb mit seinen bisher fünf Scorerpunkten hinter den Erwartungen zurück. Speziell zu Rundenbeginn taten sich auch Tim Schüle und der Finne Markus Kojo schwer – beide Verteidiger standen bei besonders vielen Gegentoren auf dem Eis und weisen einen negativen Plus-Minus-Wert im zweistelligen Bereich auf. Zuletzt zeigten ihre Formkurven nach oben.

 

Steelers treten beim Abstiegsrivalen Iserlohn an

Das Kellerduell an diesem Freitag (19.30 Uhr) bei den Iserlohn Roosters ist für die Bietigheim Steelers aufgrund der Tabellenlage extrem wichtig. Schließlich zählt der Drittletzte aus dem Sauerland zu den Abstiegsrivalen. „Wir müssen Punkte holen, wenn wir die Gelegenheit dazu haben – egal gegen wen. Auf die Tabelle gucken wir da gar nicht“, nimmt Coach Daniel Naud vor dem Schlüsselspiel etwas den Druck von der Mannschaft.

Wie gehabt fehlen ihm die verletzten Stürmer Norman Hauner, Benjamin Zientek und Daniel Weiß. Letzterer trainiert aber bereits wieder mit und kehrt eventuell schon nächste Woche ins Team zurück – so zumindest Nauds Hoffnung. In Iserlohn stehen auch jene vier Förderlizenzspieler im Kader, die am Dienstag noch für den DEL2-Kooperationspartner Selber Wölfe beim 3:12 in Kaufbeuren im Einsatz waren: Torwart-Talent Leon Doubrawa, Jimmy Martinovic, Fabjon Kuqi und Robert Kneisler.

 
 
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