DEL-Neuling düpiert Red Bull München Jasper schießt Steelers zur Sensation

Von Andreas Eberle
Der kanadische Stürmer Evan Jasper (links) war am Freitag gegen Red Bull München mit seinem Hattrick der Bietigheimer Matchwinner. Auch in dieser Szene hat EHC-Schlussmann Daniel Fießinger das Nachsehen. ⇥ Foto: Tobias Baur/Eibner-Pressefoto

Der DEL-Tabellenletzte aus Bietigheim besiegt den Spitzenreiter EHC Red Bull München nach einem 1:3-Rückstand noch mit 6:3. Das kanadische Duo Evan Jasper und Riley Sheen trägt fünf Tore bei. Von Andreas Eberle

Geisterspiele sind eine trostlose Angelegenheit. „Es fehlen einfach die Emotionen“, sagt Daniel Naud, der Trainer der Bietigheim Steelers, über Eishockey-Begegnungen ohne Publikum. Einige Anhänger des DEL-Neulings taten vor dem Heimspiel gegen den EHC Red Bull München ihr Möglichstes, um ihr Team zumindest optisch zu unterstützen: Der gesamte Fanblock war von zig Fahnen in den Vereinsfarben Grün-Weiß-Blau geschmückt. „Können wir nicht bei dir sein, bist du trotzdem nie allein“, stand auf einem Banner.

Der symbolische Beistand beflügelte offenbar auch die Mannschaft. Die Steelers machte den Münchnern am Freitagabend das Leben höllisch schwer – und schafften trotz eines 1:3-Rückstands eine Sensation, mit der wohl nicht mal die kühnsten Optimisten gerechnet hätten. Dank eines Hattricks von Evan Jasper feierte das Schlusslicht gegen den Spitzenreiter von der Isar einen 6:3-Heimerfolg. So viele Tore hat der SCB bei einer Partie in der Eliteklasse bisher noch nie erzielt – und fünf der sechs Treffer gingen auf das Konto der ersten Reihe. „Evan arbeitet hart und blockt viele Schüsse in der eigenen Zone. Es ist schön, wenn sich so ein Spieler dann auch mit Toren belohnt“, sagte Naud über Matchwinner Jasper.

Müde „Bullen“

Vielleicht waren die „Roten Bullen“ ja müde von ihrem Champions-League-Trip nach Finnland, wo sie am Dienstag im Viertelfinal-Hinspiel bei Lukko Rauma nach einem 0:2-Rückstand noch ein 2:2 erreicht hatten. Vielleicht hatten Frederik Tiffels und Co. den Neuling auch etwas unterschätzt, gerade mit Blick aufs erste Kräftemessen zwischen beiden Klubs. Da hatte der EHC nach vielen Corona-Fällen im Kader nur ein stark dezimiertes und blutjunges Team zur Verfügung gehabt und trotzdem 2:0 gewonnen.

Getreu dem Naud’schen System spielte Bietigheim schnörkellos, einfach und ohne viel Risiko nach vorne. Und hinten blockte der Aufsteiger zahlreiche Schüsse, war Torhüter Sami Aittokallio wieder mal eine Bank. Beim Führungstreffer der Gäste war der Finne aber machtlos: Benjamin Smith tanzte Aittokallio bei einem Konter aus und schob die Scheibe ins kurze Eck (14.). Doch 24 Sekunden vor Drittelende gelang Riley Sheen bei doppelter Überzahl der 1:1-Ausgleich.

Zwei Treffer ins leere Tor

Im zweiten Durchgang steigerte sich das Star-Ensemble aus München. Die Überlegenheit mündete in zwei Treffer durch Jonathon Blum (27.) und Austin Ortega (33.). War’s das also schon für die Steelers? Die Antwort lautete: Nein. Nach einem Querpass von Sheen schlug Jasper zum ersten Mal zu (37.). Nach demselben Muster fiel das 3:3. Diesmal stolperte Jasper den Puck aus kurzer Distanz ins Gehäuse (48.). Mit einem Kontertor machte der Mann mit der Nummer 26 in der 54. Minute seinen Hattrick perfekt – 4:3. Sheen (58.) und Brendan Ranford (59.) tüteten den Überraschungscoup mit zwei Empty-Net-Goals endgültig ein. „Dieses Spiel hätte Zuschauer verdient gehabt“, bilanzierte Bietigheims Geschäftsführer Volker Schoch. „Aber auch für diesen Erfolg gibt es nur drei Punkte.“

Mit nun 19 Saisontreffern steht Sheen in der Torschützenliste weiterhin ganz oben. Letztlich fiel auch das unauffällige Debüt von Neuzugang Avery Peterson nicht ins Gewicht. „Wir haben sehr gut gekontert und waren kaltschnäuzig. Ich freue mich für die Jungs. Der Sieg gibt Selbstvertrauen“, sagte Naud. Am Sonntag (19 Uhr) geht’s für seine Sensationssieger bei der Düsseldorfer EG weiter.

 
 
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