DEL2 Bietigheim Steelers versenken die Eispiraten

Von Niklas Braiger
Tim Schüle (rechts) verlängert vor dem Spiel gegen Crimmitschau seinen Vertrag und bedankt sich für das Vertrauen auch prompt mit einem Assist. Foto: Tobias Baur/Eibner-Pressefoto

Nach fünf Scorerpunkten am vergangenen Wochenende netzt der Marek Racuk gegen Crimmitschau erneut dreifach und legt ein weiteres Tor auf. Dadurch gewinnt der SCB am Ende mit 7:4.

Das Ziel, das die Bietigheim Steelers vor der Saison gesteckt haben, ist bereits vor dem 47. Spieltag erreicht. Denn da die Konkurrenz im Tabellenkeller noch gegeneinander spielt, ist klar, dass der SCB auch rechnerisch aus der DEL2 in dieser Spielzeit nicht mehr absteigen kann. Daher können die Ellentäler befreit aufspielen und zeigen das auch am Freitagabend beim Heimspiel gegen Crimmitschau. Beim dominanten 7:4-Heimerfolg spielt vor allem Marek Racuk Schiffe versenken. Der Tscheche bestätigt seine zuletzt blendende Form mit drei Toren und einem weiteren Assist. Schon vor einer Woche schnürte er gegen Bad Nauheim einen Hattrick.

Schüle verlängert bis 2027

Die Steelers müssen aber nicht bis nach dem Eröffnungsbully warten, um das erste Mal zu jubeln. Denn Tim Schüle verkündet vor der Partie, dass er seinen Vertrag bei seinem Jugendklub verlängert. Damit bleibt der gebürtige Bietigheimer ein weiteres Jahr dem SCB erhalten. „Die Gespräche über eine Verlängerung waren im Prinzip sehr einfach – ich fühle mich auf dem Eis sehr gut und möchte weiter Eishockey spielen. Da war es für mich logisch, dass ich dies am liebsten bei meinem Heimatverein tun möchte“, sagt Schüle selbst.

Doch auch spielerisch dauert es nicht lange, ehe der Großteil der 3809 Fans in der Ege-Trans-Arena erstmals den Jubelschrei auf den Lippen hat – dank freundlicher Mithilfe der Eispiraten. Ein eigentlich harmloser Schlag von der Mittellinie landet vor dem Netz von ECP-Goalie Kevin Reich. Der kommt weit aus seinem Kasten, um den Puck zu kontrollieren, ist sich dann aber wohl nicht mit Verteidiger Ole Olleff einig, wer denn das Hartgummi aus der gefährlichen Zone entfernt. So landet das Spielgerät direkt auf dem Schläger von Tamas Kanya, der problemlos in das leere Tor trifft (4.).

Racuks erster Streich

Und die Feierstimmung hört auch nicht auf. Kurz nach dem Powerbreak – der SCB in Überzahl – bringt Cole Fonstad einen überragenden Pass quer durch die Crimmitschauer Zone. Am zweiten Pfosten steht Marek Racuk alleine, verlädt Reich und schiebt locker zum 2:0 ein (10.). Der Torschütze muss nach einem Halten vier Minuten später aber für zwei Minuten auf die Strafbank, in dieser Überzahl zeigen sich die Sachsen auch erstmals gefährlich im gegnerischen Drittel, Goalie Olafr Schmidt ist aber nach seinem Shut-Out am Sonntag gegen Regensburg weiterhin zuverlässig zur Stelle.

Kurz vor der ersten Drittelpause sorgt er sogar für Standing Ovations und Szenenapplaus. Denn nach einem Abpraller hat Corey Mackin das gesamte Tor offen, um den Anschluss zu erzielen. Doch Schmidt hechtet sich quer durch seinen Torraum und fischt das sichergeglaubte 1:2 noch vor der Linie weg. „Ich war natürlich glücklich, dass ich ihn gehalten habe“, sagt der Deutsch-Amerikaner nach der Partie, ergänzt aber selbstkritisch: „Große Paraden kommen von Fehlern. Vielleicht muss ich davor in einer besseren Position stehen, dann kommt es nicht dazu.“

Die Gäste, die spielerisch klar schwächer sind als die Steelers, kassieren zum Start des zweiten Abschnitts direkt das dritte Gegentor. Wieder sind Dronia und Racuk beteiligt, wieder ist es eher ein Zufallsprodukt. Denn ein Distanzversuch des Polen landet abgefälscht bei Racuk, der direkt vor der Linie einfaches Spiel hat und sich mit dem zweiten Streich bedankt (22.).

Crimmitschau plötzlich wieder da

Nach 28 Minuten gibt es dann aber ein Lebenszeichen der Eispiraten. Erst hat Adam McCormick in doppeltem Powerplay nach gewonnenem Bully an der blauen Linie zentral zu viel Zeit und Platz und nagelt den Puck eiskalt in die Maschen. 38 Sekunden später nutzt Sebastian Streu die weiterhin bestehende Überzahl und steht am zweiten Pfosten sträflich frei – 2:3.

Nach dieser kurzen Schwächephase berappelt sich der SCB aber wieder und trägt die Scheibe zum 4:2 förmlich ins Netz. Brett Kemp, Marek Racuk und Mike Fischer vernaschen auf engstem Raum ganz Crimmitschau, spielen drei kurze Pässe durch den Slot und feiern letztgenannten, der die Scheibe nur noch in die Maschen befördern muss (31.). Doch die Eispiraten haben jetzt ebenfalls offensives Blut geleckt, so wird es mehr und mehr zum Schlagabtausch mit offenem Visier. Einzig und allein Schmidt und Reich in den Netzen verhindern, dass es mit mehr Toren in die zweite Pause geht.

Mit frischem Eis und sogar in Überzahl beginnt der letzte Abschnitt eigentlich mit Momentum zugunsten der Sachsen. Doch Racuk hält davon nichts, nimmt die Scheibe auf, skatet in Richtung des gegnerischen Kastens und versenkt aus halblinker Position präzise zum 5:2. Für den Stürmer ist es der 14. Scorerpunkt in den letzten sechs Spielen.

ECP kommt erneut zurück

Auch Schmidt macht im Schlussdrittel da weiter, wo er zuvor aufgehört hat. 16 Minuten vor Schluss pariert er einen Penalty gegen Denis Shevyrin, ist dann aber 50 Sekunden später machtlos. Johannes Schmid fälscht einen Schuss aus der Distanz kurz vor dem Goalie noch unhaltbar ab und verkürzt wieder. Beinahe baugleich ist der 30-Jährige zum vierten Mal überwunden. Nach einer wiederholten überharten Strafe gegen den SCB bekommt dieses Mal Philipp Kuhnekath die Kelle zwischen einen Schuss und lenkt das Hartgummi unter die Latte (53.).

Mit dem 4:5 macht es der ECP in der Schlussphase also noch einmal spannend. Als Mike Fischer wohl einen Stock von Ole Olleff zwischen die Beine bekommt, der Crimmitschauer aber nur mit zwei Minuten auf die Strafbank muss, wird es in der Ege-Trans-Arena richtig laut. Das ist den Steelers aber gänzlich egal, die nutzen nämlich auch prompt die zweite Überzahl in diesem Spiel, Kemp verwertet aus kurzer Distanz zum 6:4 (56.) und liefert damit die Vorentscheidung. Auch Fischer scheint keinen Wirkungstreffer davongetragen zu haben. Denn 87 Sekunden vor Schluss trifft er zum Endstand in den leeren Kasten des ECP, nachdem Reich vom Eis war, um noch einmal volles Risiko zu gehen.

„Offensiv war es gut, defensiv durchwachsen. Positiv ist, dass wir sieben Tore geschossen haben. Aber wir müssen besser unser Spiel in der Defensive aufbauen und weniger zulassen“, moniert Coach Dück nach der Partie.

 
 
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