DEL2 Mit den Fans im Rücken schlagen die Steelers zurück

Von Niklas Braiger
Jack Dugan wird zum gefeierten Helden. Der US-Amerikaner erzielt das 5:4 in der Verlängerung. Foto: Alexander Keppler/Baumann

Wie schon in Spiel eins geht das zweite Viertelfinal-Duell zwischen Bietigheim und Ravensburg in die Overtime.

Angetrieben von 4417 Kehlen in der ausverkauften Ege-Trans-Arena, abzüglich der rund 400 mitgereisten Gästefans, liefern die Bietigheim Steelers in Spiel zwei der DEL2-Playoff-Viertelfinalserie mit den Ravensburg Towerstars ein absolutes Eishockey-Fest. Wie schon am Dienstag geht auch das Duell im Ellental in die Verlängerung. Dort klopfen die Hausherren gleich mehrfach am Sieg, Alexander Preibisch, Luis Ludin (beide 62.) und Bastian Eckl (63.) scheitern an Goalie Ilya Sharipov (62.), Cole Fonstad am Aluminium (63.). Nach dreieinhalb Minuten ist dann aber Jack Dugan frei vor dem Tor und lässt sich diese Chance zum 5:4-Endstand nicht mehr nehmen.

Nach dem Siegtreffer explodiert die Eishalle, die Spieler drehen noch eine verdiente Ehrenrunde auf dem Eis, Dugan jubelt noch in Richtung der Gäste-Fans. „Die Unterstützung von außen ist bombastisch“, lobt Coach Alexander Dück seine Fans, die die Arena in ein Tollhaus verwandeln.

Früher Schlag des SCB

Die Partie startet genau gegenteilig zu Spiel eins. Denn am Dienstag schlugen die Oberschwaben nach einer halben Minute zu, dieses Mal ist es der SCB, der früh das Netz findet. Bastian Eckl erarbeitet sich noch in der gegnerischen Zone das Hartgummi, zieht in Richtung Kasten und lässt sich davor auch nicht von zwei Ravensburger Verteidigern  beirren. Der Stürmer bugsiert den Puck in die Maschen und sorgt für Jubelstürme nach nur 70 Sekunden.

Doch lange zeigen sich die Gäste davon nicht geschockt. In eigener Überzahl verliert Arne Uplegger die Scheibe an der Bande vor dem eigenen Tor leichtsinnig an Thomas Reichel. Der 26-Jährige schaltet schnell und findet im Slot den blankstehenden Nikita Kessler. Vor SCB-Goalie Olafr Schmidt hat der viel Zeit und kann unbedrängt ausgleichen (4.). Ravensburg hat danach Oberwasser, wird stärker und drückt die Hausherren immer wieder in die eigene Zone. Verdient – wenngleich kontrovers – fällt daher nach zehn Minuten das 1:2 aus Steelers-Sicht.

Denn kurz vor dem Treffer bekommt Eckl einen klaren hohen Stock ins Gesicht und muss anschließend in die Kabine, um die Blutung zu stoppen. Gerade, als die Ellentäler wenig später eine Unterzahl wieder auffüllen dürfen, steht der Block noch unsortiert. So landet ein abgeblockter Distanzschuss erneut bei Kessler, der am zweiten Pfosten ohne Bewacher die Partie dreht.

Faustkampf führt zu Strafen

In der Folge wird es hitzig. Alexander Preibisch und Nickolas Latta entledigen sich der Handschuhe, lassen die Fäuste fliegen und fliegen dafür selbst für je fünf Minuten vom Eis. Auch Benedikt Jiranek, Jack Dugan und Mike Fischer geraten immer wieder mit Gäste-Spielern aneinander. Doch in der ersten Drittelpause scheint Dück die richtigen Worte zu finden. Denn aus der Kabine kommt der SCB deutlich stärker und stellt die defensiven Wackler ab.

Auch offensiv läuft nun mehr zusammen, Dugan trifft nach 24 Minuten erst noch den Pfosten, versetzt wenige Sekunden später dann aber doch die Enztalkurve in Feierstimmung. Nach gutem Forechecking beliefert Jesse Kauhanen Cole Fonstad, der Kanadier hat die Übersicht und spielt quer durch die gefährliche Zone auf den Sturmpartner. Dugan bedankt sich mit dem 2:2.

Vom ERV kommt derweil wenig, stattdessen verpassen Eckl und Maximilian Söll in Überzahl die erneute Steelers-Führung. Fonstad lässt die wohl größte Chance des Durchgangs nach einer halben Stunde liegen, als er alleine auf Towerstars-Goalie Ilya Sharipov zuläuft, aber statt zu schießen zurücklegen will. Der Rückpass landet bei den Gästen, anstatt beim gesuchten Alex Dostie. Unmöglich, die Scheibe nicht zum 3:2 unterzubringen ist es dann für Fischer in der 34. Minute. Luis Ludin macht das Spielgerät überragend scharf, Filip Reisneckers erster Abpraller landet dann direkt beim vor der Linie stehenden Fischer, der mit Leichtigkeit den Puck über die Linie schieben darf.

Bitter für die spielbestimmenden Steelers: Den Vorsprung nehmen sie nicht mit in die zweite Pause. Denn rund zwei Minuten vor Ende des Abschnitts blockt Preibisch einen Distanzschuss mit dem Schläger, der ihm daraufhin bricht. So trudelt der Puck vor das Tor, wo Julian Eichinger per Rückhand auf Erik Karlsson ablegt und dieser das 3:3 erzielt. Doch wieder lässt sich Bietigheim davon nicht einschüchtern, kommt erneut frischer zurück aufs Eis und geht erneut in Front. Eckl schickt Dugan steil, der mit einem genialen Pass genau in die Gasse den eingelaufenen Fonstad bedient. In einem genauen Spiegelbild des 2:2, als der Kanadier Dugan bediente, trifft Fonstad locker zum 4:3 (44.).

Czarnik mit dem Dämpfer

Ravensburg rennt in der Folge immer wieder an, scheitert aber Mal um Mal an Schmidt. Die Steelers, die nun auf ihr pfeilschnelles Umschaltspiel bauen, verpassen es auf der Gegenseite die Führung erstmals auszubauen. So geht es spannungsgeladen in die Schlussminuten, in denen beide Teams mit offenem Visier spielen. Und so kommt Ravensburg mit dem Goalie vom Eis tatsächlich noch zum Ausgleich. Robbie Czarnik versenkt 19 Sekunden vor Schluss durch das Gewühl hinweg zum 4:4 und schickt das Spiel in die Overtime. Dort hat Dugan das letzte Wort.

 
 
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