Die Bietigheim Steelers und die Overtime. Eine bessere Liebesgeschichte als Romeo und Julia und schon jetzt mehr Tradition als so mancher Klub in der Fußball-Bundesliga. Denn nachdem bereits fünf von sieben Spielen im DEL2-Playoff-Viertelfinale gegen Ravensburg in die Verlängerung gingen, ist auch das erste Halbfinal-Duell mit den Kassel Huskies am Gründonnerstag nach 60 Minuten noch nicht entschieden. Am Ende bestehen die Ellentäler den Härtetest, setzen sich zum vierten Mal in der Meisterrunde nach Überlänge durch und gewinnen mit 4:3. Damit klaut der SCB das Heimrecht von den Schlittenhunden.
DEL2-Playoff-Halbfinale SCB nimmt Kassels Geschenke an
Gleich drei Mal treffen die Bietigheim Steelers unter freundlicher Mithilfe der Huskies auf dem Weg zum 4:3-Overtime-Sieg in Spiel eins. Damit klaut der SCB das Heimrecht im Halbfinale.
Keck in Handballer-Manier
Dabei startet die Partie für die Männer von Alexander Dück nicht nach Plan. Kapitän Alexander Preibisch hatte vor der Partie noch angemerkt, dass man Spiel eins nicht überbewerten solle. Zwar geben die Steelers anfangs viele Schüsse auf den Kasseler Kasten ab, die werden aber allesamt von Philipp Maurer entschärft. Und so klingelt es nach 12 Minuten erstmals, aber auf der Gegenseite. Hunter Garlent schlägt einen Befreiungsschlag aus der eigenen Zone auf den durchstartenden Tristan Keck. Der Stürmer pflückt den Puck mit der Hand aus der Luft und geht allein auf SCB-Goalie Olafr Schmidt zu. Nach einer Schussfinte schiebt er zum 1:0 ein.
Und dreieinhalb Minuten vor der Drittelpause geht es erneut schnell, einen Fehlpass der Steelers nutzen die Huskies für einen Konter, die Hereingabe von Laurin Braun kann Olafr Schmidt nicht gut klären und bringt den Puck direkt auf den Schläger von Mitchell Hoelscher, der im Nachsetzen das 2:0 erzielt. Der SCB, der im ersten Drittel mehr Schüsse auf das Tor bringt, als die Gastgeber (16 zu 13), hat dann aber Glück, dass die Schlittenhunde nicht weiter erhöhen. Denn nach einer großen Strafe inklusive Spieldauer gegen Tyler McNeely wegen eines Checks gegen den Kopf und Nacken überleben sie eine fünfminütige Unterzahl im Mitteldrittel schadlos.
Jiranek spitzelt den Puck rein
Dort bestimmen die Hausherren die Partie und wirken sicher, kurz nach dem Beginn des Schlussabschnitts dreht sich dann aber der Wind schlagartig. Nach einem Rückpass von Alex Dostie, zimmert Mick Hochreither die Scheibe in Richtung Tor, Benedikt Jiranek bekommt gerade so noch die Kelle dazwischen und lenkt das Hartgummi noch innen am Pfosten vorbei zum Anschlusstreffer (43.). Der SCB, davon beflügelt, ist nun wieder stärker und stemmt sich gegen die Niederlage und kommt auch verdient zum Ausgleich. Dieses Mal sieht Maurer nicht gut aus. Er lenkt einen Distanzversuch von Pawel Dronia mit dem Schoner direkt vor Filip Reisnecker. Der Deutsch-Tscheche bedankt sich für das Geschenk mit dem 2:2 (47.).
Mitten hinein in dieses Momentum des SCB schlagen dann aber wieder die Hausherren zu. Wieder geht es zu schnell für die Hintermannschaft der Steelers, die nur Geleitschutz für Jake Weidner liefern. Der Deutsch-Kanadier bringt den Pass quer durch die Zone zu Yannik Valenti. Dessen Hereingabe wird von einigen Schlägern abgefälscht und landet so glücklich wieder bei Weidner, der kurz vor dem Netz die Ruhe bewahrt und die Führung wiederherstellt (50.).
Die Antwort auf die Antwort finden die Steelers jedoch noch schneller, als die Huskies zuvor. Exakt 22 Sekunden nach dem Dämpfer ist es wieder ein krummes Tor unter freundlicher Mithilfe der Kassler. Brett Kemp versucht es mit viel Tempo hinter dem Tor herum und dem Bauerntrick, sein Schussversuch landet jedoch nicht im Tor, sondern im Slot. Dort wird Bode Wilde zum Unglücksraben, sein Schläger ist genau in der Schussbahn von Kemps Versuch und bugsiert somit das Spielgerät ins eigene Netz.
Kemp wirkt blank gelassen
Mit diesen ausgeglichenen Verhältnissen gehen die 60 Minuten zu Ende, so wartet die nächste Overtime auf den SCB. Kassel durfte im Viertelfinale gegen Weißwasser zweimal in die Verlängerung und verlor dort beide Male – so auch jetzt. Erneut sind gleich zwei ECK-Spieler mit involviert. Erst muss Hoelscher für eine unnötige Halten-Strafe zwei Minuten lang auf die Strafbank. In dieser Überzahl parkt Kemp im Slot und bekommt von Luca Münzenberger einen kleinen Stoß mit. So steht er plötzlich ungedeckt im freien Raum, bekommt Jack Dugans Hereingabe auf die Kelle und versenkt zum 4:3-Sieg (74.).
